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09.03.2015

Beim Thema Finanzierung sind öffentliche Banken nach wie vor Ansprechpartner Nummer eins deutscher Firmen. Doch die Niedrigzinsphase bringt Unternehmen auf neue Ideen.

Nicola Leibinger-Kammüller, Geschäftsführerin bei Trumpf.

In jüngster Zeit überdenken Unternehmen ihr Cashmanagement. Wie Nicola Leibinger-Kammüller, Geschäftsführerin bei Trumpf, stecken sie überschüssiges Geld lieber ins operative Geschäft. (Foto: picture alliance / dpa)

Die sieben Landesbanken sind die wichtigsten Finanziers deutscher Unternehmen, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Demnach verliehen HSH Nordbank, Nord LB, LBBW, Bayern LB, Helaba und die übrigen Institute 2014 insgesamt 201 Milliarden Euro an Unternehmen. Dahinter folgen die Sparkassen mit 198 Milliarden Euro. Auf Platz drei rangieren private Großbanken wie Deutsche Bank oder Commerzbank mit 156 Milliarden Euro, schreibt die FAZ und beruft sich dabei auf Daten der Beratungsgesellschaft Capmarcon.

Interessantes Detail: Die in Deutschland recht aktiven Auslandsbanken, darunter Institute aus Frankreich oder England, kamen zusammen auf 124 Milliarden Euro Kreditsumme und hängten damit die Genossenschaftsbanken ab, die unter anderem über ihre Spitzeninstitute DZ und WGZ Bank 120 Milliarden Euro an Unternehmen verliehen. Das engere Segment Kleinbetriebe und Selbstständige dominieren indessen unangefochten die Sparkassen, gefolgt von den Genossenschaftsbanken.

Erstaunlicherweise verliert der Bankkredit weniger schnell an Boden, als viele vermutet hatten. 2014 kam er auf eine Gesamtsumme von rund einer Billion Euro und war damit für 81 Prozent die bevorzugte Finanzierungsquelle. Vor zehn Jahren waren es allerdings noch 92 Prozent. Die Lücke füllt die Unternehmensanleihe: Ihr Anteil, der 2004 5,4 Prozent ausmachte, stieg im vergangenen Jahr auf 14 Prozent. Unternehmensanleihen im Wert von 253 Milliarden Euro liefen zuletzt in Deutschland um. Beflügelt wird der Aufschwung dieses Finanzierungsinstruments durch die aktuelle Niedrigzinsphase.

Minuszins macht erfinderisch

Das von der Europäischen Zentralbank initiierte Zinstief beschert den Unternehmen bereits Strafzinsen. Das zwingt Mittelständler zu unkonventionellen Maßnahmen, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). Die Tageszeitung hat Peter Frohmüller befragt, Chef des Telefon- und Alarmanlagen-Spezialisten Citrus aus dem schwäbischen Pleidelsheim. Frohmüller vermeidet Strafzinsen dadurch, dass er auf dem Geschäftskonto kein unnötiges Guthaben aufbaut.

Die Mittel steckt er direkt ins operative Geschäft, „etwa indem wir gezielter einkaufen und die Lieferanten schneller bezahlen. Dazu gehört, dass wir unsere Forderungen nicht mehr an Factoring-Gesellschaften auslagern, sondern sie selbst eintreiben. Drittens wollen wir mehr Leasinggeschäfte abschließen und uns mehr in Richtung Dienstleistungen entwickeln, womit wir nicht mehr große Einmal-Kaufsummen auf dem Firmenkonto verbuchen, sondern geringere, aber regelmäßige Zahlungseingänge haben“, erklärt der Unternehmer der SZ.

Auch die Banken des Unternehmens Freudenberg aus Weinheim berechnen dem Hersteller von Dichtungsfiltern und Schmiermitteln bereits Minuszinsen. Deshalb streut das Unternehmen Guthaben konsequent auf strafzinsenfreie Bankkonten. Zusätzlich emittiert es laut SZ als Anlageform auch kurzfristige Unternehmensanleihen, auf die immerhin noch zwischen 0,06 und 0,18 Prozent Zinsen gezahlt werden.

Der schwäbische Maschinenbauer und Laserspezialist Trumpf sagte dem Blatt wiederum, er halte angesichts von Strafzinsen „verstärkt nach Investitionsmöglichkeiten und passenden Möglichkeiten für Firmenzukäufe Ausschau“. Auch bei diesem Unternehmen lautet die Devise: Wenig Cash aufs Konto – Barüberschüsse ins operative Geschäft stecken!

Schwacher Euro, glückliche Amerikaner

„Wir interessieren uns dafür, weitere deutsche Unternehmen zu kaufen“, ließ US-Starinvestor Warren Buffett das Handelsblatt wissen. Erstmals hat der Großanleger mit dem Motorradausrüster Detlev Louis nun ein deutsches Unternehmen erworben und damit einen Trend gesetzt, wie die Zeitung schreibt.

„Für dieses Jahr erwarte ich fünf bis sieben Deals in der Größenordnung zwischen 500 Millionen bis zwei Milliarden Euro im deutschen Markt“, sagt auch Steve Koltes, Mitgründer der Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners. Ähnliches höre man von anderen US-Adressen wie etwa Apollo Global Management, schreibt das Handelsblatt.

Deutsche Hochtechnologie, solide Weltmarktanteile, aber auch der weiche Euro locken die Amerikaner vor allem in den Mittelstand. Im vorigen Jahr übernahmen US-Investoren bereits 124 deutsche Firmen im Gesamtwert von gut 48 Milliarden Dollar. Aus keinem anderen Land kommen derzeit so viele Unternehmenskäufer nach Deutschland.

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat März (beobachteter Zeitraum: 20. Februar bis 6. März 2015) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: FAZ, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung und Die Welt.