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16.03.2015

Das DOSB-Präsidium empfiehlt Hamburg als deutschen Bewerber für die Olympischen Sommerspiele 2024. Die Wirtschaft im Norden sieht gute Chancen, von den Spielen zu profitieren – denn sie ist in alle Planungen mit einbezogen.

Der Olympiahafen in Kiel-Schilksee.

Der Olympiahafen in Kiel-Schilksee: Die Christians-Albrecht-Universität Kiel, die zu den aktiven Unterstützern der Hamburger Olympiabewerbung zählt, hat ihr Segelzentrum auch in Kiel-Schilksee. Es ist eines der größten universitären Zentren Europas – jährlich werden dort 1.500 Menschen ausgebildet und betreut, vornehmlich Sportlehrerinnen und Sportlehrer. (Foto: picture alliance / Arco Images)

Ob Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen oder die Hansestadt selbst: Alle Bundesländer im Norden Deutschlands unterstützen die Bewerbung Hamburgs als Austragungsort der Olympischen Spiele 2024 ausdrücklich – aber auch der Olympischen Sommerspiele 2028, wenn es im ersten Anlauf nicht klappen sollte.

Das haben im Vorfeld der innerdeutschen Ausscheidung zwischen den Bewerberstädten Hamburg und Berlin am 21. März 2015 die Landesregierungen der fünf Länder ausdrücklich bekräftigt. Die nachdrücklichste Unterstützung für Hamburg kommt aus Niedersachsen: In Hannover hat der Landtag im Januar eine eigene Abstimmung zu dieser Frage durchgeführt – und alle Abgeordneten haben sich ohne Ausnahme dafür entschieden, dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Hamburg als deutsche „candidate city“ für 2024 vorzuschlagen.

Olympia in Hamburg heißt Olympia in ganz Norddeutschland

So sehr im Hamburger Bewerbungskonzept die „kompakten Spiele im Herzen der Stadt“ im Vordergrund stehen, so sehr hat das Bewerbungskomitee im Senat der Hansestadt auch von Anfang an betont, es setze auf „Olympia in ganz Norddeutschland“. Ein ausschlaggebender Grund dafür: die Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit des Gesamtkonzepts. Denn das Prinzip „Wir bauen für Olympia keine neuen Sportstätten, die es so oder ähnlich schon gibt“ gilt nicht nur für Anlagen innerhalb der Stadtgrenzen, sondern auch für alle außerhalb: Die Austragung von Fußballspielen im Rahmen des olympischen Turniers in den Stadien von Bremen, Hannover, Wolfsburg oder Rostock ist ebenso fester Bestandteil der Olympiaplanungen wie Handball in Kiel und Flensburg oder Basketball und Volleyball in Bremen und Hannover. Ganze Sportarten sollen dorthin ausgelagert werden, wo sie in Nachbarschaft zur zentralen Olympiastadt Hamburg ohnehin traditionell angesiedelt sind. So sieht die Hamburger Bewerbung das niedersächsische Pferde-Mekka Luhmühlen als Austragungsort der Vielseitigkeitsprüfungen im Reitsport vor – und eines der Segelzentren Kiel oder Lübeck als Heimatbasis aller olympischen Segelwettbewerbe.

Speziell Kiel, das auf jahrzehntelange Erfahrungen in der Austragung internationaler Segelgroßveranstaltungen zurückblickt, freut sich unter dem Motto „Kiel ist bereit“ auf eine mögliche Teilnahme an der Bewerbung in Partnerschaft mit Hamburg. „Ich bin sehr optimistisch, dass Kiel Teil der deutschen Bewerbung wird“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) im Februar. Doch auch in Lübeck rechnet man sich mit dem Konzept „Segeln zum Greifen nah 2.0“ noch gute Chancen bei der Wahl eines künftigen olympischen Segelzentrums aus. Eine Festlegung für eine der beiden Städte hat Hamburg nach Aussage von Sportsenator Michael Neumann „ganz bewusst noch nicht getroffen“.

Unterstützung von und für die Wirtschaft

Auf die Zustimmung der wichtigsten Wirtschaftsakteure in der Nord-Region können die Hamburger Olympiaplaner ohnehin fest bauen. In der Stadt selbst hat das Plenum der Handelskammer im Dezember mit deutlicher Mehrheit beschlossen, das weitere Bewerbungsverfahren zu unterstützen. Allerdings unter drei klar formulierten Bedingungen:

  • Die Interessen der Wirtschaft, besonders der Hafenwirtschaft, müssen angemessen berücksichtigt werden.
  • Kleine und mittlere Unternehmen sind, wenn die Bewerbung erfolgreich ist, angemessen mit einzubeziehen.
  • Die Kosten der Spiele und deren Finanzierung müssen seriös ermittelt werden – und das deutlich vor der vorgesehenen Volksbefragung zur Bewerbung im Oktober 2015.

„Wir wollen an diesem Projekt mitarbeiten, um die Interessen der Wirtschaft mit einzubringen“, meinte dazu Fritz Horst Melsheimer, Präses der IHK in Hamburg. Für die verlängerte Bewerbungsfrist bis zum 21. März hat die Handelskammer dem Bewerbungskomitee 100.000 Euro für Marketing- und Prozessberatung zur Verfügung gestellt.

Schon im vergangenen Sommer hatte die IHK Lübeck ihre volle Zustimmung für die Hamburger Bewerbung ausgedrückt. „Der Zuschlag wäre mehr als ein Prestigegewinn für die Metropolregion Hamburg. Er käme einem Konjunkturpaket gleich“, sagte Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK in Lübeck, nach einem Beschluss der Vollversammlung im Juni 2014. „Für die Wirtschaft in unserer Region würden sich daraus Chancen für Aufträge beim Bau der Sportstätten, beim Ausbau der Infrastruktur, unter touristischen Aspekten sowie bei der Versorgung der Sportler und Betreuer ergeben.“
Ins gleiche Horn stieß Friederike Kühn, die Vorsitzende der IHK Nord und Präses der IHK Lübeck, bei einem Treffen mit der Konferenz der Wirtschafts- und Verkehrsminister der norddeutschen Küstenländer am 2. September 2014 in Itzehoe. Olympische Sommerspiele im Norden böten die Möglichkeit, das Bild Deutschlands in der Welt „norddeutscher zu prägen“ und die Bürgerinnen und Bürger in Norddeutschland über Ländergrenzen hinweg zu verbinden und zu inspirieren.

Auch auf die Chance überfällige Infrastrukturprojekte in Norddeutschland umzusetzen, bereiten sich alle Küstenländer sorgfältig vor. „Die Küstenwirtschaftsminister haben sich mit der IHK Nord darauf verständigt, nach einer möglichen Entscheidung für Hamburg unverzüglich eine Liste der für die Austragung der Olympischen Spiele prioritär zu verwirklichenden Verkehrsinfrastrukturprojekte zu entwickeln“, hat Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer wörtlich versprochen. „Für deren Verwirklichung werden wir uns dann gemeinsam bei der Bundesregierung einsetzen.“