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Finanzmarkt
18.03.2015

Für die US-Notenbank öffnet sich ein Zeitfenster, um den Leitzins relativ gefahrlos zu erhöhen. Sie sollte es nutzen, schreibt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, in der Börsenzeitung.

Schleusnanlage.

Liquidität der Finanzmärkte: EZB und Bank of Japan (BoJ) öffnen ihre geldpolitischen Schleusen während die US-Notenbanken ihre Tore schließen. (Foto: picture alliance / APA / picturedesk.com)

"Die US-Notenbank wird erst im nächsten Jahr den Leitzins anheben. Die Inflation ist doch gerade in negatives Territorium gerutscht, und die Stärke des Dollars ist Gift für die Konjunktur." So in etwa ist dieser Tage von einigen Marktbeobachtern zu vernehmen, während von anderer Seite zu hören ist: "Schauen Sie sich die robuste Arbeitsmarktsituation in den USA an. Die Arbeitslosigkeit liegt nur noch bei 5,5 %, da muss die Fed handeln."

Zeitfenster steht offen

Man könnte meinen, dass sich die US-Notenbank in einer schwierigen Situation befindet. Das Gegenteil ist indes der Fall. Denn für die amerikanische Zentralbank hat sich gerade ein Zeitfenster geöffnet, um relativ gefahrlos den Leitzins anheben zu können. Das war nicht immer so. Denken Sie an das Jahr 2013 zurück, als sich die USA wie heute auf einem ganz vernünftigen Wachstumspfad befand. Als damals im Mai der damalige Fed-Präsident Ben Bernanke Überlegungen andeutete, die Anleiheankäufe perspektivisch zu beenden, sprangen die zehnjährigen Treasury-Renditen innerhalb von nur fünf Monaten um 140 Basispunkte nach oben. Nur durch die Fortsetzung der Anleiheankäufe bis Oktober 2014 konnte diese Dynamik wieder eingefangen werden.

Heute ist die Situation für die Fed wesentlich komfortabler. Der Grund dafür ist die ultraexpansive Geldpolitik der Bank of Japan (BoJ) sowie die QE-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Man kann sich das wie unterschiedliche Schleusentore vorstellen: Während die US-Notenbank ihre geldpolitischen Tore allmählich schließt, wird die Gefahr, dass die Boote auf Grund laufen, durch die Öffnung der Schleusen von EZB und BoJ deutlich verringert. Denn die von diesen Notenbanken geschaffene Liquidität wird nicht nur in den jeweiligen Währungsräumen angelegt, sondern auch in die höher rentierenden US-Treasuries investiert und dämpft damit den Renditeauftrieb in den USA.

Was aber ist mit den fallenden Preisen und dem starken US-Dollar? Die Fed beobachtet traditionell die PCE-Kernrate der Inflation. Diese schließt Energie- und Lebensmittelpreise aus und ist nur leicht auf 1,3 % gesunken und somit nicht weit von dem Inflationsziel von 2 % entfernt. Mit anderen Worten: Der Preisrückgang wird dominiert vom Ölpreis, der Mitte März knapp 50 % unter dem Niveau des Vorjahres liegt. Sollte der Ölpreis auf diesem Niveau verharren, hat dies sogar inflationäre Effekte, da die Kaufkraft der privaten Haushalte deutlich steigt und die meisten Unternehmen kostenseitig erheblich entlastet werden, was ihnen mehr Investitionsspielraum lässt.

Bezüglich der Stärke der amerikanischen Währung sollte diese nicht überbewertet werden. In Zeiten, in denen der US-Dollar Schwäche zeigte, hielten sich die Sorgen der US-Notenbank über diese Entwicklung in Grenzen, frei nach dem Motto: "It's our currency, but it's your problem." Diese Haltung ist bei der derzeitigen Aufwertung nicht grundsätzlich anders und unter anderem dem Umstand einer relativ geringen Exportquote von nur 13 % geschuldet, während die entsprechende Kennzahl in der Eurozone doppelt so hoch liegt. Wenngleich sich einige US-Unternehmen über den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit in Folge des starken Dollars beklagen, dominiert auch weiterhin eine auf den Inlandsmarkt fokussierte Geschäftspolitik, so dass sich die Fed keinem übermäßigen Druck aus der Wirtschaft ausgesetzt sehen sollte.

Der Exit kann beginnen

Schließlich ist zu fragen, ob die Fed nicht dennoch erst im nächsten Jahr handeln könnte, werden doch die EZB und die BoJ voraussichtlich auch 2016 noch kräftig auf das monetäre Gaspedal treten. Vermutlich stimmt diese Vorhersage, aber wird auch die konjunkturelle Entwicklung in den USA dann noch robust genug sein, um Zinserhöhungen zu wagen? Niemand kann das mit Bestimmtheit sagen. Es spricht daher vieles dafür, dass die Fed sich die Gelegenheit nicht entgehen lässt und spätestens im dritten Quartal ihren ersten Zinsschritt einleiten wird. Der Exit kann beginnen.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

Erschienen am 17. März in der 52. Ausgabe der Börsen Zeitung

 

ZUM PDF-DOWNLOAD DES GASTBEITRAGS "DAS DILEMMA DER FED - DAS EIGENTLICH KEINES IST"

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