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06.03.2015

Nur ein Drittel der deutschen Gründerinnen und Gründer schätzen ihren Finanzbedarf richtig ein. Kein Wunder: Oft fehlt ein ausgefeilter Business- und Finanzplan. Was der mittelständische Unternehmer von morgen schon heute beachten sollte.

Gezeichnete Glühbirne.

Eine zündende Idee kann auch schnell verpuffen. Gründe sind Fehleinschätzungen der Kosten – besonders die der Mitarbeiter. (Foto: picture alliance/ dpa)

Wer eine tolle Geschäftsidee hat, braucht Geld, um sie umzusetzen. Doch bei den meisten Start-ups schauen die Firmengründerinnen und Firmengründer zu sehr auf Euro und Cent – vor allem, wenn die Mittel extern finanziert werden müssen. Doch eine den tatsächlichen Bedarf deckende Kapitalunterlegung würde die Quote der Firmen reduzieren, die schon beim Start scheitern, zeigen Daten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Nach einer Studie der KfW nehmen Gründungsunternehmen hierzulande im Schnitt etwa 102.000 Euro Kapitalzusagen in den Geschäftsbetrieb auf – und sind damit deutlich unterkapitalisiert. Für Investitionen, Betriebsmittel und laufende Kosten bräuchten sie tatsächlich 152.000 Euro, rechnet die öffentliche Förderbank vor. Sie gibt einer großen Zahl von Firmen in Deutschland Anschubhilfe und hat über 6.000 Firmengründungen ausgewertet.

Gähnende Finanzlücke

„Nur bei zwei von drei Unternehmen stellen die Gründer einen Businessplan auf. Rund 70 Prozent von ihnen unterschätzen ihren Finanzbedarf im Gründungsjahr und im Mittel brauchen diese Gründer mehr als doppelt so viel Geld wie im Businessplan veranschlagt“, fasst die KfW-Studie zusammen.

Bei genauerem Hinsehen teilt sich das Feld in zwei Gruppen: Je kleiner das geplante Start-up, desto häufiger unterschätzt das Unternehmen seine Kosten. Wer sich mit nur 25.000 Euro Aufwand ins Geschäftsleben stürzt, erlebt nach KfW schon bald, dass er eigentlich das 3,3-fache an Mitteln benötigt. Bei größeren Start-ups, die mit rund 100.000 Euro Kosten planen, beträgt das unerwartete Defizit rund 90 Prozent. Je größer das Vorhaben allerdings ist, desto realistischer rechnen die Start-up-Unternehmen allerdings.

„Gründer sollten immer ein Wachstumsszenario einplanen. Dabei ist wichtig, mit den Bruttokosten der zusätzlichen Mitarbeiter zu kalkulieren“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Denn ein anderes wichtiges Ergebnis der Studie lautet: Sobald Mitarbeiter eingestellt werden, steigt die Quote der Fehleinschätzungen beim Finanzbedarf rapide.

Plan ist entscheidend

Mit einer Reihe typischer Startkosten muss jede Firmengründung rechnen. Sie systematisch in einem Finanzplan zusammenzustellen macht sie transparent und abschätzbar. Ein solches Dokument, das die erwartete Geschäftsentwicklung in Zahlen ausdrückt, sollte das Herzstück jedes Businessplans sein.

Zu den Kernaufwendungen gehören allgemeine administrative Kosten oder der Aufwand für die Geschäftsausstattung. Ein Gewerbe muss zum Beispiel zuerst einmal angemeldet werden. Dabei können Beratungs- und Anwaltshonorare fällig werden. Wer mit einer technischen Innovation startet, sollte mit Gebühren für den Schutz von Patenten, Mustern und Marken rechnen.

Gegebenenfalls wollen auch Immobilienmakler oder Personalvermittler für ihre Dienste bezahlt werden. Manche Start-ups benötigen spezielle Ladenausstattungen, eventuell müssen Fahrzeuge geleast werden. Auch die Kosten rund um die Dienstleistungen oder Produkte des jungen Unternehmens selbst sind zum Firmenstart immens. Entwicklung, Design und Materialaufwand, aber auch Logistik- und Marketingkosten wie Werbung oder Kundenkommunikation sollten deshalb genau kalkuliert und budgetiert werden.

Grundlage auch für Kapitalgeber

Je detaillierter ein Finanzplan die Gründungskosten, die geplanten Investitionen und den Puffer für Unvorhergesehenes erfasst, desto genauer lässt sich ermitteln, wie viele Mittel noch zu einer realistischeren Kapitalausstattung fehlen. Weitere Prüfungen, etwa durch eine Liquiditäts- oder eine vorausschauende Gewinn-und-Verlust-Rechnung helfen, den Bedarf noch besser einzuschätzen.

Ein detaillierter und an den tatsächlichen Kosten ausgerichteter Businessplan bringt dem Start-up einen weiteren entscheidenden Vorteil: Belastbare Zahlen sind Voraussetzung für erfolgreiche Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern – seien das nun Banken oder Förderinstitute, Beteiligungsfonds oder Business Angels.

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