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17.02.2015

Nach dem Vorbild Londons will Hamburg nicht nur begeisternde Olympische Spiele inszenieren, sondern die anstehenden Milliardeninvestitionen auch für eine nachhaltige Zukunftsentwicklung der Stadt und ihrer Region nutzen.

Geplantes Olympiagelände in Hamburg.

Hamburg 2024: Wenn die Hansestadt gewinnt, entsteht auf dem Olympiagelände ein neues Sport- und Wohnzentrum, das die Infrastruktur der Stadt auf Jahrzehnte hinaus modernisieren und aufwerten würde. (Foto: picture alliance / dpa)

„To inspire a generation!“ Dieses klangvolle Motto hatte sich London 2012 für die Olympischen Sommerspiele samt Paralympische Spiele auf die Fahne geschrieben. Nach Beendigung der Spiele zeigte sich in Umfragen immer wieder ein klares Bild: Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in der britischen Hauptstadt schätzten im Rückblick die London Olympics als rundum positives Ereignis ein.

London 2012: Imagegewinn – und mehr Erlöse als Kosten

Einen der wichtigsten Gründe dafür liefert eine Untersuchung von UK Trade & Invest von 2013: Die Gesamtsumme der direkten und indirekten Erlöse in Höhe von 9,9 Milliarden Pfund, so hat die britische Wirtschaftsförderungsbehörde herausgefunden, übertraf die Investitionskosten von 8,8 Milliarden erheblich. Die Spiele von London waren ein voller Erfolg – sowohl finanziell als auch im weltweiten Image. Für die aktuelle Bewerbung Hamburgs um den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2024 gelten sie deshalb als Benchmark.

Zu den Kosten der Hamburger Planungen liegt derzeit noch keine belastbare Summe vor. „Eine konkrete Zahl gibt es erst nach Abschluss aller Planungen“, verlautete zuletzt aus dem Senat. Erste Schätzungen belaufen sich auf Gesamtkosten von rund sechs bis sieben Milliarden Euro. Allein für die Bewerbung werden nach Einschätzung von Experten etwa 50 Millionen Euro benötigt.
 
Auch Henning Vöpel, der Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), lehnt es derzeit ab, Zahlen für die Bewerbung oder gar die Endkosten zu nennen. Er hat aber schon Anfang 2014 in der Studie „Olympische Spiele in Hamburg – produktive Vision oder teure Fiktion?“ untersucht, welche Chancen und Risiken für den Standort Hamburg und die regionale Wirtschaft sich aus der „Jahrhundertchance Olympia“ ergeben könnten. Sein Fazit war insgesamt positiv – aber auch mit Einschränkungen: „Die Ausrichtung Olympischer Spiele kann sich nachhaltig positiv auf die Standortattraktivität und die Stadtentwicklung auswirken. Die Voraussetzung hierfür ist, dass das Standortprofil und die Stadtentwicklungsziele zu den Effekten Olympischer Spiele passen.“

Zählbare Umsatzsprünge und langfristige Bekanntheit

Die kurzfristigen, „handfesten“ Nutzen sieht der Wirtschaftswissenschaftler dabei in zählbaren Steigerungen bei Einkommen und Beschäftigung in den Branchen, die für die Erstellung der Infrastruktur benötigt werden – in der Baubranche, aber auch in anderen Infrastrukturbranchen wie Telekommunikation, Transport und Logistik, Sicherheitsdienste. Langfristig direkt profitieren werden die gesamte Infrastruktur der Stadt Hamburg und umliegender Regionen sowie der Tourismus.

Für ebenso wichtig hält Vöpel aber auch die Effekte, die nicht in Cent und Euro bezifferbar sind: Für zwei Wochen könnten die Spiele der Stadt und der Region in Lübeck, Kiel und anderswo die Aufmerksamkeit von rund drei Milliarden TV-Zuschauern und Computernutzern in aller Welt verschaffen – und so die internationale Bekanntheit und Wahrnehmung der Region Hamburg auf Jahrzehnte hinaus erhöhen.

In der Nachfolge kann dieses riesige Publikum zu potenziellen Touristen, Fachkräften oder Investoren werden – ein Effekt, der etwa in London heute eine gewichtige, messbare Rolle spielt. Denn gerade junge, weltweit mobile und hoch qualifizierte Menschen, so weiß man aus Untersuchungen, werden durch Olympische und Paralympische Spiele und ihre mitreißende Wirkung am besten angesprochen. In Zeiten, in denen Unternehmer längst in der eigenen Firma spüren, wie schwer Fachkräfte zu finden sind, ist das eine Nachfolgewirkung, die nicht gering zu schätzen ist.

Auch die Kultur boomt durch Olympia

Für viele prominente Hamburger, die sich aktiv für die Bewerbung einsetzen, sind die „Wünsche an Olympia“ viel greifbarer. Ex-St. Pauli-Präsident und Theatermacher Corny Littmann verweist auf die 14 Millionen Menschen, die 2012 in London an Kulturveranstaltungen im Rahmen der Spiele teilgenommen haben und will eine Anzahl davon auch in sein Schmidt Theater locken. Professor Norbert Aust freut sich als Vorsitzender des Tourismusverbands Hamburg auf steigende Einnahmen seiner Mitglieder durch hunderttausende deutsche und ausländische Olympiatouristen. Und Michael Otto, Aufsichtsratschef der Otto Group und Ehrenbürger der Hansestadt, begeistert sich dafür, dass auf dem Kleinen Grasbrook „ein neuer Stadtteil mit mindestens 3000 Wohnungen entsteht – tausend davon mit günstigen Mieten.“ Ebenso energisch fordert er aber „einen Nachhaltigkeitsdialog mit der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft“ und weist wie Vöpel aufs lange Ende hin: „Hamburg hat traditionell immer über Generationen hinaus gedacht. Auch heute müssen wir die Weichen für künftige Generationen stellen.“