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Onlinehandel im Ausland
11.02.2015

Die Europäische Union hat die Umsatzsteuer für digitale Produkte und Dienste neu geregelt. Künftig gilt der Steuersatz im Land des Kunden – ein Abrechnungsdschungel droht.

Bücherregal aus dem ein Kindle hervorsticht.

Die neuen EU-Richtlinien machen E-Commerce-Gigant Amazon einen Strich durch die Rechnung. Bisher profitierte der Konzern von den niedrigen Mehrwertsteuern in Luxemburg. Das ist jetzt vorbei. (Foto: picture alliance / ZB)

Wer über eine Webseite Downloads an private Endkunden verkauft, muss seit Anfang Januar 2015 die Umsatzsteuer des Landes, in dem der Kunde sitzt, berechnen. Die Abrechnung, aber auch die Preisauszeichnung in Onlineshops ist dadurch erheblich komplizierter geworden.

Verkauft etwa ein Entwickler aus Hamburg über das Internet sein gerade fertiggestelltes Computerspiel an Gamer in Lissabon, eine weitere Lizenz nach London und eine dritte nach Kopenhagen, dann muss er den einzelnen Kunden jeweils den portugiesischen, den englischen und den dänischen Mehrwertsteuersatz berechnen und auf der Rechnung ausweisen. Die Steuer muss er sogar auch noch an die Finanzbehörden des Kundenlandes abführen.

28 Steuersätze berücksichtigen

Die Praxis ist damit für solche Unternehmen ziemlich kompliziert geworden. Denn bislang setzte man als deutscher Lieferant von Onlineprodukten für alle EU-Kunden den deutschen Mehrwertsteuersatz von in der Regel 19 Prozent an. Im Extremfall sind mit der Neuerung künftig aber die Steuersätze von allen 28 EU-Mitgliedern zu verwenden.

Betroffen sind Softwareentwickler, E-Book-Verlage, Musik- und Videoanbieter oder Webhosting-Firmen mit Kleinkundengeschäft – aber auch zahlungspflichtige Mitgliederportale, Online-Marketingfirmen, Designer von Webseiten und Apps oder auch IT-Experten, die Programme über das Internet fernwarten. Selbst das Streaming von Video- oder Audiodateien durch private Endkunden, als Alternative zum Datendownload, fällt unter diese neue Regelung.

Für Geschäftskunden greift die EU-Regel dagegen grundsätzlich nicht. Der häufig vorhandene Graubereich zwischen beiden Kategorien wird jedoch künftig mit den Finanzämtern zu klären sein.

Amazon wird ausgehebelt

Was steht hinter der Regelung? Nach der Logik des EU-Binnenmarktes darf keine Region durch die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze des Wirtschaftsraums benachteiligt werden. Es soll verhindert werden, dass in Ländern wie Luxemburg, wo nur drei Prozent Mehrwertsteuer berechnet werden, massenhaft Internethändler ihren Sitz nehmen. Nicht durch Zufall hat der Onlinehandelsgigant Amazon dort seine Europazentrale. In Ungarn möchte hingegen kein Onlinehändler residieren, wo mit 27 Prozent die höchste Steuer fällig wird.

In der Praxis müssen Anbieter von elektronischen Diensten und Produkten nun ihre Abrechnungssysteme anpassen. Denn zum Teil sind mit den individuellen Mehrwertsteuersätzen künftig auch eigene Anforderungen an das Aussehen einer Rechnung zu beachten. Aber auch die Preishinweise in Webshops müssen umgestellt werden. Im Kleinkundengeschäft ohnehin unübliche Nettopreise auszuweisen und diese mit dem pauschalen Hinweis „zzgl. Mehrwertsteuer“ zu versehen, reicht nicht. Stattdessen müssen auf jedes Land angepasste Bruttopreise angezeigt werden.

Gebündelter Steuertransfer

Dass ein kleineres Unternehmen mit vielen Auslandskunden nicht die Umsatzsteuer an 28 unterschiedliche Finanzämter überweisen kann, leuchtet ein. Deshalb hat man ein vereinfachtes Verfahren für die Entrichtung der Steuer ersonnen. Nach vorheriger Registrierung melden die Firmen nun vierteljährlich ihre nach Ländern aufgeschlüsselten Umsätze an die zentrale Meldestelle KEA beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Von dort wird dann der gebündelte Transfer der Mehrwertsteuer an die diversen Finanzbehörden übernommen. Die Meldungen müssen jeweils bis spätestens 20 Tage nach Quartalsende bei der KEA eingegangen sein.