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11.02.2015

Derzeit fließen wieder reichlich Kredite an Unternehmen. Auch Finanzinvestoren erleben aktuell ein Revival – doch die Schulden steigen weltweit und bedrohen die Wirtschaft einiger Länder massiv.

Zinszahlungen im 19. Jahrundert dargestellt von Albert Anker.

Der Zinstag. Der Schweizer Maler Albert Anker hält Unternehmeralltag im 19. Jahrhundert fest. Mehr Kredite bedeuten mehr Zinszahlungen. (Foto: picture alliance / akg)

Mehr Kreditnachfrage im Euroraum

Feuert Mario Draghi seine „Quantitative-Easing-Bazooka“ zu spät ab? Die Kreditklemme für Unternehmen im südlichen Euroraum jedenfalls hat sich schon merklich gelockert – noch bevor der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) die erste Anleihe gekauft hat, um den Kreditfluss in der Eurozone endlich wieder in Gang zu bringen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Laut FAZ zeigen eigene Zahlen der europäischen Währungsbehörde, dass die Kreditnachfrage von Unternehmen in den 19 Euronationen im Dezember 2014 gegenüber dem Vormonat erstmals wieder gestiegen ist – und das gleich um elf Milliarden Euro. Analysten sehen den schwächeren Euro sowie den stark gefallenen Ölpreis als Treiber der wieder aufflammenden Kreditnachfrage, erläutert die FAZ. Auch die unterschiedlichen Zinsniveaus für Unternehmenskredite würden sich wieder angleichen, schreibt das Blatt. Spanische Firmen zahlten derzeit kaum höhere Zinsen bei der Bank als deutsche oder französische Konkurrenten.

Italien plant Bad Bank

Auch in Italien dürfte sich die Zinsangleichung weiter verstärken. Denn die Regierung in Rom plant die Gründung einer Bad Bank. An sie dürfen nach Informationen der Börsenzeitung italienische Banken ihre 130 Milliarden Euro an ausfallbedrohten Unternehmenskrediten auslagern. Wenn sie ihre umfänglichen Altlasten bei einer Abwicklungsbank abgeben, bekommen die Banken wieder mehr Spielraum, um die Wirtschaft mit Kredit zu versorgen, schreibt das Blatt.

Das Volumen notleidender Kredite war in Italien im Dezember 2014 auf das Rekordniveau von 181 Milliarden Euro gestiegen. 2007, im Jahr des Ausbruchs der Finanzkrise, hatte es lediglich 45 Milliarden Euro betragen. Italienische Banken schnitten beim jüngsten Stresstest der EZB am schlechtesten ab und müssen deshalb dringend von faulen Krediten entlastet werden.

Heuschrecken in Hochform

In Deutschland boomen die Übernahmen mittelständischer Unternehmen durch Private-Equity-Häuser wieder. Das berichtet das Magazin Finance. Nach einem verhaltenen ersten Halbjahr 2014 gab es von Oktober bis Dezember 15 Mehrheitsbeteiligungen an Mittelständlern in Höhe von insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2006, im letzten Boomjahr vor der Finanzkrise, hatten Finanzinvestoren in Deutschland 34 Firmen gekauft – für die Gesamtsumme von vier Milliarden Euro. An dieses Niveau schließt Deutschland nun fast wieder an. 2014 waren es schon wieder 31 Deals mit 3,2 Milliarden Euro Volumen – eine Steigerung um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aktivster Käufer war dabei die Deutsche Beteiligungs AG, die gleich vier Mittelständler erwarb. Auf Platz zwei folgt der Finanzinvestor Equistone Partners Europe, der bei drei Firmen einstieg, schreibt Finance.

Staatlicher Wagnisfinanzierer in Frankreich

Das französische Pendant zur deutschen KfW ist die staatliche Förderbank Banque Publique d´Investissement (BPI). Sie empfiehlt in der FAZ ihr spezielles Beteiligungssmodell, welches im Gegensatz zur stattlichen KfW sich direkt an Unternehmen beteiligt, auch zur Finanzierung mittelgroßer deutscher Unternehmen. „Wir sind dabei, die große Bank des französischen Mittelstands zu werden. Es wäre interessant, wenn die KfW ein Modell entwickeln würde, das Finanzierung und Investitionen in Innovationen näher bringt“, sagte BPI-Generaldirektor Nicolas Dufourcq der Zeitung. Auf einer Deutschlandtour hat Dufourcq diesen Ansatz gerade der Bundesregierung vorgestellt. Nach Angaben des BPI-Chefs hat die Bank allein im ersten Halbjahr 2014 für zwölf Milliarden Euro kleinere und mittelgroße Firmen gefördert. Die Preisfindung beim Einstieg ins Eigenkapital oder bei Darlehen übernimmt jeweils eine unabhängige Bank.

Schulden und kein Ende

Dass die Welt trotz Kreditkrise keineswegs weniger Schulden hat, zeigt eine globale Studie der Beratungsfirma McKinsey, aus der die britische Financial Times zitiert. Besonders bemerkenswert: Gemessen an seiner Wirtschaftsleistung ist China – ein erstrangiger Exportmarkt für deutsche Mittelständler – inzwischen höher verschuldet als die USA. Das betrifft vor allem die Sektoren Immobilien, Alternativfinanzierer und Kommunen. In der Gesamtheit der 47 untersuchten Länder sind laut McKinsey die Schulden von Staaten, Banken, Unternehmen und privaten Haushalten seit 2007 um 57 Billionen Dollar gestiegen – auf derzeit knapp 200 Billionen Dollar.

Die Schuldentragfähigkeit einzelner Länder hat hingegen deutlich abgenommen. Ablesbar ist das am Verhältnis von Schulden zur Wirtschaftsleistung: Vor der Krise betrug es weltweit 270 Prozent – nun ist es auf 286 Prozent gestiegen. „Gemessen am Sozialprodukt ist der Schuldenstand in den meisten Ländern höher als vor der Krise“, zitiert die Financial Times aus der Studie, die kein Ende des Anstiegs verspricht.

Zu den Ländern, die unmittelbar Probleme mit hoch verschuldeten privaten Haushalten bekommen könnten, rechnet McKinsey demnach auch solche Länder wie die Niederlande, Südkorea, Kanada, Schweden und Australien. „Es ist bei Schulden wie bei einem Luftballon: Drückt man an einer Stelle hinein, beult sich eine andere aus“, fasst die Studie zusammen.

Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Januar (beobachteter Zeitraum: 23.01. bis 06.02.2015) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsenzeitung, Finance, Financial Times und Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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