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24.02.2015

Familiengeführte Firmen wirtschaften besser als von Managern gelenkte. Sie schaffen mehr Jobs und fordern eine angemessene Würdigung bei der Besteuerung – auch um den Arbeitsmarkt im Norden wieder auf die Sprünge helfen zu können.

William Verpoorten mit einer Flasche Eierlikör.

William Verpoorten ist seit 2003 Geschäftsführer. Sein Familienunternehmen ist bereits in der fünften Generation erfolgreich. Ihr Geheimrezept: Konzentration auf ein Markenprodukt – den Eierlikör seit 1876. (Foto: picture alliance / ZB)

Wo ein Firmenpatriarch das Sagen hat, entsteht mehr Ertrag. Denn Unternehmen, bei denen „die Familienmitglieder auch in der Geschäftsführung aktiv sind“, sind rentabler als managergeführte Konkurrenten, schreibt die Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM), Friederike Welter, im Handelsblatt.

Das IfM hat die Bilanzdaten von gut 7.000 deutschen Unternehmen ab 50 Millionen Euro Jahresumsatz zwischen 2008 und 2012 untersucht. „Große Familienunternehmen haben trotz Finanzkrise nicht nur im Gesamtzeitraum deutlich bessere Renditen erzielt, sondern auch in jedem einzelnen Jahr“, fasst Welter das Ergebnis zusammen. Auch mehr Jobs seien geschaffen worden – und zwar unabhängig von der konjunkturellen Lage.

Leistungsträger besteuern?

Größere Familienunternehmen sind Leistungsträger. „Sie bilden den Kern unserer Ökonomie“, zitiert die Wirtschaftswoche Dr. Markus Kerber, den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Man dürfe sie nicht dafür bestrafen, dass sie wirtschaftlich erfolgreich seien.

Die Warnung des Verbandschefs bezieht sich auf die drohende Besteuerung großer Familienfirmen bei der Weitergabe an die nächste Generation. Laut BDI sind davon zwar nur 0,1 Prozent aller deutschen Unternehmen betroffen. Sie erwirtschafteten jedoch 20 Prozent des Gesamtumsatzes und beschäftigten jeden sechsten Arbeitnehmer, rechnet BDI-Chef Kerber vor.

Zum Hintergrund: Das Bundesverfassungsgericht hat infrage gestellt, ob größere Familienunternehmen weiterhin pauschal steuerfrei an Angehörige vererbt oder verschenkt werden dürfen. Stattdessen soll es Steuerfreiheit künftig nur dort geben, wo anderenfalls Arbeitsplätze gefährdet wären.

„Bei größeren Unternehmen ist die Verschonung nicht nötig, um Arbeitsplätze zu sichern“, hält Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Handelsblatt dagegen. Er hat ermittelt, dass die Firmenprivilegien bisher zu üppig ausfallen, misst man sie daran, wie viele Arbeitsplätze sie sichern. Nach seiner Rechnung würden bis zu acht Milliarden Euro Einnahmen in den Staatssäckel fließen, wenn Firmenübergänge künftig besteuert würden.

Frisches Geld aus Kiel

Der Staat sorgt dafür, dass Mittelständler im Norden künftig noch besser an Kredite kommen, schreiben die Kieler Nachrichten. Das Land Schleswig-Holstein hat gemeinsam mit der Investitionsbank und der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft einen Beteiligungsfonds aufgelegt. Die ab März 2015 bereitstehenden 44 Millionen Euro stammen aus Mitteln der Europäischen Union und vom Kapitalmarkt. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer schätzt, schreibt die Zeitung, die Hilfestellung für den Mittelstand würde innerhalb von sieben Jahren rund 200 Millionen Euro an Investitionen auslösen. Über herkömmliche Finanzierungsinstrumente hätten die Fördertöpfe des Landes letztes Jahr 815 Firmen 445 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Daraus seien 2,1 Milliarden Euro Investitionen erwachsen.

Bremens Wirtschaft braucht Starthilfe

Vor allem die Region Bremen, aber auch die Landkreise Verden und Wesermarsch können finanziellen Anschub gut gebrauchen. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) hat gemeinsam mit dem Hamburger WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) untersucht, wo bis 2030 die meisten Jobs in Deutschland geschaffen werden.

Das Schlusslicht im Norden ist dabei Bremen, berichtet der Weser Kurier. Die Region könnte dem Bericht zufolge fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze verlieren. In den genannten Landkreisen, aber etwa auch in der Stadt Delmenhorst, dürfte der Rückgang sogar bis zu zehn Prozent betragen. „Die Gebiete müssen Lösungen finden, wie dem Schrumpfungsprozess entgegengearbeitet werden kann“, zitiert das Blatt Dr. Thomas Ull, bei PwC für Familienunternehmen und Mittelstand in der Region zuständig.

Positive Vorbilder finden sich durchaus in der Umgebung – etwa im Oldenburgischen und im Emsland. Fünf Landkreise hätten sich dort zusammengeschlossen und haben sich nach der Studie von PwC mittlerweile gut entwickelt. In Regionen wie Cloppenburg, Oldenburg oder Vechta etwa sind vor allem die Logistik, die Ernährungsindustrie, die Kunststoffverarbeitung und der Anlagenbau erfolgreich. Dort werden bei den Arbeitsstellen mehr als fünf Prozent Wachstum erwartet.

Norden blickt nach Osten

Der Norden präsentiert sich immer besser direkt im Exportmarkt Asien. So hat die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) 2014 eine neue Filiale im Boomland Indonesien eröffnet, berichtet WTSH-Chef Dr. Bernd Bösche der Eckernförder Zeitung. Außenbüros bestünden bereits in China, Indien und Malaysia, so Bösche.

Vor allem China sei für Mittelständler aus dem deutschen Norden ein attraktiver Markt, etwa bei dem für das Land existenziellen Thema Wasseraufbereitung, bei dem etliche Technologiefirmen aus der Region gefragte Lösungen anböten. Der Anteil Asiens am Außenhandel Schleswig-Holsteins ist bereits hoch. „Von den 19 Milliarden Euro Exportvolumen Schleswig-Holsteins gehen 1,5 Milliarden nach Dänemark, 1,3 Milliarden in die USA, eine knappe Milliarde nach China und 200 Millionen nach Indien“, rechnet der WTSH-Chef vor. Auch in Indonesien, dem größten Inselstaat der Welt, habe die deutsche Wirtschaft ihre Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft.

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Februar (beobachteter Zeitraum: 21. Januar bis 20. Februar 2015) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Eckernförder Zeitung, Handelsblatt, Kieler Nachrichten, Weser Kurier und Wirtschaftswoche.