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28.01.2015

Viele Experten sind sicher: Das Konzept der kompakten „City Olympics“ hat das Potenzial, die Stadt-, Sport- und Kulturentwicklung um Jahrzehnte nach vorn zu katapultieren. Die HSH Nordbank unterstützt die Bewerbung Hamburgs um die Ausrichtung der Spiele.

Olympia fest im Blick: Hunderte kleiner Figuren formen die olympischen Ringe beim Besuch des Senats im Dezember 2014.

Feuer und Flamme für Olympia: Hunderte Figuren im „Olympiastadion“ des Hamburger Miniatur Wunderlands formen die Wunschjahreszahl beim Besuch des Senats im Dezember 2014. (Foto: picture alliance / dpa)

Wenn einer weiß, wovon er spricht, dann ist er es: Klaus Grewe (52) war von 2007 bis 2012 der „Master of Efficiency“ der Olympic Delivery Authority (ODA) in der Londoner Stadtverwaltung. Als Senior Project Manager hat er hinter den Kulissen dafür gesorgt, die Sommerspiele von London 2012 zu dem Sportereignis zu machen, das in den letzten Jahren den internationalen Maßstab an Präzision und Sicherheit, aber auch an Spaß und Lockerheit gesetzt hat.

Nach Grewes fester Überzeugung wäre die Ausrichtung der Olympischen Spiele von 2024 auch für Hamburg ein Segen: „Wenn Sie eine U-Bahn ausbauen wollen und Bundesmittel beantragen, dauert das 15 Jahre. Wenn Sie die U-Bahn mit Olympischen Spielen verbinden, dauert es drei bis fünf Jahre. Die Spiele sind ein wunderbarer Beschleuniger“, sagte er Mitte Januar im ZEIT-Interview.

Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut unterstützt die Bewerbung

Damit untermauert der Mann aus der Praxis in vollem Umfang die Erkenntnisse, die Professor Henning Vöpel aus wissenschaftlicher Sicht gewonnen hat. „Die Olympischen Spiele würden Hamburg die Chance bieten, international noch deutlich bekannter zu werden und in den Reigen der großen Weltmetropolen aufzusteigen“, weiß der neue Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Als Olympiastadt, sagt Vöpel, „würde Hamburg drei bis vier Milliarden Euro aus Bundesmitteln erhalten. Damit könnten Stadtentwicklungsprojekte vorgezogen werden, die sonst erst in zehn oder 20 Jahren möglich wären.“

Chancen nur mit Großstadtbewerbung

Mit wie viel Nachdruck die Königin unter den Hansestädten das Thema Olympiabewerbung angeht – davon hat sich auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Herbst 2014 bei der Vorlage des Konzepts „Spiele im Herzen einer Weltstadt am Wasser“ schon durchaus beeindruckt gezeigt. Dass Hamburg gewillt ist, die Rolle der Ausrichterstadt für das größte Event der internationalen Sportwelt nicht nur im kurzfristigen Sprint, sondern auch auf der Langstrecke anzugehen, demonstriert die Stadt schon seit ihrer Bewerbung für die Spiele 2016. Dass sie 2003 im innerdeutschen Entscheid gegen Leipzig unterlag, die Bewerbung der Sachsenmetropole dann aber im IOC nicht den Hauch einer Chance hatte, hat auch im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) die letzten Zweifel ausgeräumt: Will sich Deutschland in absehbarer Zeit ernsthaft um die Ausrichtung Olympischer Spiele bemühen, dann bietet dazu nur eine echte Großstadt die Gelegenheit. Um sich im Umfeld internationaler Mitbewerber wie Boston, Rom, Paris oder Istanbul aussichtsreich platzieren zu können, ist ein erheblicher internationaler Bekanntheitsgrad eine unabdingbare Voraussetzung.

Berlin oder Hamburg? – Entscheidung im März

An Prominenz mangelt es dem nationalen Mitbewerber diesmal nicht: In der innerdeutschen Ausscheidung muss sich Hamburg für seine Bewerbung um die Ausrichtung der Spiele im Jahr 2024 – die auch für 2028 bereits als gesetzt angekündigt ist – mit Berlin auseinandersetzen. Dass auch die Bundeshauptstadt ein überzeugendes Konzept abgegeben hat, das die Ausrichtung „dezentraler Spiele“ in vielen bereits bestehenden Sportstätten vorsieht, spornt das hanseatische Bewerberteam noch mehr an. Mit dem Ansatz der kompakten „City Olympics“, die mitten in einer Weltstadt die meisten Sportstätten nahe beim zentralen olympischen Dorf auf der Elbinsel „Kleiner Grasbrook“ ansiedelt, fühlt man sich in Hamburg bestens gewappnet für die erste wichtige Entscheidung in zwei Monaten. Am 21. März 2015 nämlich entscheiden die Delegierten des DOSB auf einer außerordentlichen Versammlung, welche der beiden nationalen Bewerberstädte sie für 2024 ins weltweite Rennen schicken werden.

Keine Angst vor Misserfolg

Wer in ein so prominent besetztes weltweites Rennen geht, tut das ohne jede Garantie auf einen schlussendlichen Erfolg. Darüber ist sich Henning Vöpels Kollege im Direktorium des HWWI vollständig bewusst. Große Risiken sieht Professor Christian Growitsch bei der Bewerbung dennoch nicht: „Natürlich ist es vorstellbar, gegen Berlin zu verlieren – umso mehr gegen Paris, Rom oder Boston. Doch wer nichts versucht, kann auch nichts gewinnen. Hamburg sollte dranbleiben!“

Der Fahrplan zur Olympiabewerbung:

21. März 2015: Die Mitgliederversammlung des DOSB wählt die deutsche Bewerberstadt aus. Wenn sich Hamburg gegen Berlin durchsetzt, führt der Senat anschließend eine Bürgerbefragung zu Olympia durch.

15. September 2015: Der DOSB und die Bewerberstadt bekunden gegenüber dem IOC offiziell ihr Interesse an der Ausrichtung der Spiele von 2024.

8. Januar 2016: Alle Bewerberstädte müssen beim IOC ein Bewerbungsdokument von etwa 80 Seiten einreichen – das Mini Bid Book.

Mai 2016: Auf der Grundlage der Mini Bid Books und persönlicher Besuche wählt das IOC die offiziellen Kandidatenstädte aus – die Official Candidate Cities.

Januar 2017: Alle Candidate Cities müssen beim IOC das Bid Book abgeben – das Dokument, auf dessen Basis am Ende die Entscheidung fällt.

Juni 2017: Die Kommission, die im Auftrag des IOC alle Bid Books geprüft hat, legt einen Bericht zur Evaluierung aller Candidate Cities vor.

Herbst 2017: Die mehr als 100 IOC-Mitglieder wählen auf einer Versammlung in Lima (Peru), wer Gastgeberstadt (Host City) der Spiele 2024 wird.