SUCHE

06.01.2015

Der Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Dr. Cyrus de la Rubia, über die Folgen eines einseitigen Schuldenschnitts von Griechenland.

Wahlkampfrede von Alexis Tsipras, im Vordergrun eine Flagge der Syriza-Partei.

Wahlkampf in Griechenland: Tsipras verspricht ein milliardenschweres Sozialprogramm, das aus leeren Kassen gezahlt werden soll. (Foto: picture alliance / dpa)

Wie groß ist die Gefahr, dass Griechenland aus dem Euro aussteigt? 
Dr. Cyrus de la Rubia: In Prozent kann man das nicht benennen. Es gibt ohnehin keinen festen Weg aus dem Euro: Ein Austritt ist bislang nicht vorgesehen, ein Rauswurf ebenso wenig. Fest steht, dass am 25.1. in Griechenland Wahlen stattfinden. Die linksradikale Partei Syriza und ihr Chef Alexis Tsipras haben dabei gute Chancen, die stärkste Partei zu werden. Allerdings werden sie wohl einen Koalitionspartner brauchen. Wer das sein wird, ist ebenso unklar wie die Frage, ob der oder die Koalitionspartner die radikalen Forderungen von Tsipras nach einem massiven Schuldenschnitt mittragen werden. Und es ist Wahlkampf – da werden immer radikale Positionen bezogen. Das muss man berücksichtigen.

Welche Auswirkungen hätte ein Schuldenschnitt, also eine Weigerung der Griechen, ihre Schulden komplett zu bezahlen?
Dr. Cyrus de la Rubia: Für Griechenland wären die Folgen dramatisch, denn das würde einen weiteren großen Vertrauensverlust und eine erneute tiefe Rezession bedeuten. Unklar ist dann beispielsweise, ob Griechenland noch Mitglied in der Europäischen Union sein könnte. Der Euro würde ebenfalls an Wert verlieren. Dennoch: Für Europa und die Welt wären die Folgen nicht so dramatisch wie man noch 2010 befürchtet hat.

Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank. (Foto: HSH Nordbank)

Weshalb nicht?
Dr. Cyrus de la Rubia: Mittlerweile hat sich in Europa der  Banken-Rettungsmechanismus ESM etabliert, der solide mit Geld ausgestattet ist. Das ganze Währungssystem hat sich in der Krise letztlich als robust erwiesen. Die Europäische Zentralbank steht ebenfalls bereit, um stabilisierend einzugreifen. Eine Gefahr bestünde allerdings, wenn es in etlichen Ländern einen Ansturm auf Euro-Bargeld geben würde. Aber auch darauf könnte man sich einstellen.

Würde nach einem griechischen Schuldenschnitt nicht ein ähnliches Szenario in Spanien drohen, wo 2015 ebenfalls gewählt wird?
Dr. Cyrus de la Rubia: Das halte ich nicht für wahrscheinlich. Die wirtschaftliche Lage ist in Spanien ungleich besser als in Griechenland und die öffentliche Verschuldung geringer. In Griechenland liegt sie bei etwa 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Spanien bei 100 Prozent. Spanien hat sich seit dem EU-Beitritt wirtschaftlich gut entwickelt. Das ist vielen Spaniern trotz der aktuell schwierigen Lage bewusst.

Nach oben