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Rententrends
22.01.2015

Nicht nur auf Mario Draghi hoffen die internationalen Marktteilnehmer, auch auf die US-Notenbanken. Eine Zurückhaltung der Zinserhöhung könnte sich positiv auf die Finanzmärkte auswirken.

Mario Draghi.

Mario Draghi: Der Beschluss über die Anleiheankäufe liegt maßgeblich in seinen Händen. (Foto: picture alliance / dpa)

USA: Niedrigerer Ölpreis und stärkerer US-Dollar dämpfen Inflation

Der breit angelegte Aufschwung in den USA wurde zuletzt von ausgabefreudigen Konsumenten gefördert, die angesichts der ölpreisbedingten niedrigeren Rechnungen an der Tankstelle und einer besseren Arbeitsmarktlage zuversichtlicher in die Zukunft schauen. Einige Sektoren der US-Wirtschaft tun sich jedoch schwer mit den gefallenen Ölpreisen, die einige Schiefer-Öl-Unternehmen sogar in Zahlungsschwierigkeiten bringen. Darüber hinaus beklagen sich viele exportorientierte Unternehmen über die relative Stärke des US-Dollar. Sowohl der niedrigere Ölpreis als auch der stärkere US-Dollar wirken dämpfend auf die Inflation und wecken bei einigen Marktteilnehmern die Erwartung, die US-Notenbank könne mit ihrer ersten Zinserhöhung noch etwas warten. Diese Sicht wird auch durch die höhere Volatilität an den Aktienmärkten sowie die finanziellen Schwierigkeiten, in die einige Broker und Hedge Fonds durch die plötzliche Aufwertung des Schweizer Franken gekommen ist, angeheizt. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, geht jedoch unverändert von einer Erhöhung des Leitzinses auf 0,5% per Jahresende 2015 aus. Seiner Meinung nach dürften die langfristigen Renditen – gedämpft durch die Anleiheankäufe in Europa und Japan – zunächst seitwärts tendieren und dann moderat steigen.

Eurozone: Draghis QE-Programm: Große Erwartungen

Nach dem Abrutschen der Inflationsrate im Dezember auf -0,2% deuten die letzten Äußerungen der Notenbanker darauf hin, dass die EZB bereits auf der Zinssitzung am 22. Januar ein Staatsanleiheankaufprogramm beschließen wird. Diese Erwartungshaltung lässt die Bund-Renditen weiter nachgeben – die zweijährigen Renditen haben sich zwischenzeitlich in Richtung -0,20% bewegt. Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank, geht davon aus, dass das Volumen der Anleiheankäufe letztlich signifikant ausfallen, d.h. oberhalb von 500 Mrd. Euro. Der tatsächliche Beschluss dieser Käufe bzw. ihre Ausführung dürfte, so Boie, das Renditeniveau weiter drücken und die Euro-Schwäche unterstützen. Der niedrig bewertete Euro sollte die Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone erhöhen und damit die Konjunktur beleben. Ob aber die niedrigeren Zinsen die Investitionen wie gewünscht ankurbeln, ist eher mit einem Fragezeichen zu versehen.