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14.01.2015

Mittelständler sind mit Investitionen vorsichtig, weil die internationale Politik sie verunsichert. Sie sparen derzeit lieber – leider auch beim Gründungskapital.

Diverse Euroscheine.

Deutsche Mittelständler: Dicke Kapitalpolster. (picture alliance / dpa )

Die zahlreichen Krisenherde der Weltpolitik, etwa in der Ukraine oder dem Nahen Osten, schlagen auf die Investitionsbereitschaft des deutschen Mittelstands zurück, schreibt die Wirtschaftwoche in ihrer Onlineausgabe und zitiert die aktuelle Überblickstudie „Diagnose Mittelstand 2015“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Demnach melden die Sparkassen – bislang einer der wichtigsten Financiers des Mittelstands – dass 46 Prozent der Kunden 2014 weniger Kredite abgerufen hätten als im Vorjahr. Nur noch 16 Prozent der Kunden hätten ihren Kreditrahmen ausführlicher genutzt als 2013, so die Studie. Zwangsläufig legen sich deutsche Mittelständler damit auch immer dickere Kapitalpolster zu. Die Eigenkapitalquote hat Rekordniveau erreicht. DSGV-Chef Georg Fahrenschon warnt laut Wirtschaftswoche vor zu viel Zurückhaltung: „Wer heute nicht investiert, läuft Morgen Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten“.

Dass etliche mittelständische Firmen in Deutschland derzeit das Geld zusammenhalten und sparen, stützt auch eine Umfrage unter 200 kleineren und mittelgroßen Unternehmen, die das Magazin Finance zitiert. Demnach sahen 21 Prozent der Unternehmen 2014 Kosteneinsparungen als Chance für eine Verbesserung der Geschäftslage – im Vorjahr waren dies nur 12 Prozent gewesen. Damit stehen Einsparungen an zweiter Stelle attraktiver Chancen – nur noch überboten von der Eroberung neuer Kundensegmente, die 28 Prozent der Mittelständler als Chance für sich sehen.

Kinderkrankheit Unterkapitalisierung

Mit übertriebener Sparsamkeit werden wiederum die meisten Gründungen junger Unternehmen in Deutschland angegangen. Das Handelsblatt zitiert eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), wonach nur 28 Prozent der neu gegründeten Firmen im ersten Jahr innerhalb ihres Kostenplans bleiben. Während im Schnitt im ersten Jahr 152.000 Euro nötig wären, liegt das Startkapital in der Realität bei nur 102.000 Euro. Es fällt Neuunternehmern besonders schwer, die Personalkosten richtig einzuschätzen, so die Studie. Allerdings würden auch nur zwei von drei Unternehmen mit einem vollständigen Businessplan starten.

Dafür dürfte der Kapitalmarkt von Firmen 2015 generell wieder eifriger angezapft werden als in der Vergangenheit. Das Beratungshaus Kirchhoff Consult rechnet damit, dass sich in diesem Jahr die Zahl der Firmenbörsengänge gegenüber 2014 auf 15 verdoppeln wird, bei einem Emissionsvolumen von gut drei Milliarden Euro. Bei Mittelstandsanleihen erwarten die Berater, wie die Börsenzeitung schreibt, in diesem Jahr 30 Neuemissionen im Gesamtvolumen von zwei Milliarden Euro und damit eine Stabilisierung des zuletzt recht umstrittenen Marktes.

Überhaupt könnte in den nächsten Jahren beim Image der vielfach kritisierten Mittelstands-Bonds eine Wende zum Positiven eintreten. „2017 wird der Mittelstandsanleihenmarkt dann so sein, wie auch wir als Deutsche Börse ihn gerne sehen: mit Unternehmen, die eine überzeugende Anlagestory haben und damit vor allem bei professionellen Investoren auf Interesse stoßen", zitiert die Tageszeitung „Die Welt“ Eric Leupold, der beim Frankfurter Börsenbetreiber für das Mittelstandssegment verantwortlich ist. Pleiten seien natürlich auch dann nicht ausgeschlossen und der Bereinigungsprozess sei derzeit noch nicht abgeschlossen, sagt Leupold. Noch scheuen viele Investoren Anlagen in diese Form der Unternehmensfinanzierung. Kein Wunder: 2014 wurden die Anleihen von gleich zehn Emittenten notleidend, schreibt die Zeitung. 800 Millionen Euro angelegte Gelder stünden damit ausfallbedroht im Feuer.

Die USA locken

Woher soll künftig das Kapital für junge Startups kommen? In den VDI Nachrichten warnt Amit Pau vom Londoner Venture Capital-Spezialisten Ariadne Capital davor, dass junge Unternehmen in Europa vor allem in den frühen Investitionsrunden zunehmend auf die USA angewiesen seien. „Wenn wir diesen Trend in Europa nicht aufgreifen, werden wir eine ganze Generation von Innovatoren verlieren“, warnt Pau und nennt beeindruckende Zahlen. US-Fonds haben demnach derzeit knapp 10 Milliarden Dollar in so genannte „Early Stage“-Unternehmen, also Firmen die am Anfang stehen, investiert. Nach wie vor ist diese Summe für sich allein genommen dreimal so hoch, wie die Mittel, die von allen europäischen Venture Capital-Fonds zusammen in alle Kategorien von Firmen gesteckt würden.

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Dezember (beobachteter Zeitraum: 2. Januar bis 13. Januar 2015) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Die Welt, Finance, Wirtschaftswoche, VDI Nachrichten Börsenzeitung und Handelsblatt.