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18.12.2014

Warum Mittelständler im kommenden Jahr weniger Personal einstellen wollen und was unternehmerische Freiheit für Deutschland bedeutet.

Mehr Praktikumsplätze – weniger Jobs: die Unterzeichner der Allianz für Aus- und Weiterbildung (v. l. n. r.): Reiner Hoffmann (Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds), Sigmar Gabriel (Bundeswirtschaftsminister, SPD), Sylvia Löhrmann (Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Bündnis 90 / DIE GRÜNEN) und Eric Schweitzer (Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, DIHK). (Foto: picture alliance / ZUMA Press)

Deutsche Unternehmen sollen 2015 mehr Ausbildungs- und Praktikumsplätze anbieten, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Um dieses Ziel zu erreichen, schlossen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, DGB-Chef Reiner Hoffmann, DIHK-Präsident Eric Schweitzer und der Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, Sylvia Löhrmann, die Allianz für Aus- und Weiterbildung. „Die Wirtschaft wird jährlich bundesweit 500.000 Praktikumsplätze für Schüler im Rahmen der Berufsorientierung anbieten“, zitiert die FAZ aus dem Vertragstext. Auch sichere die Wirtschaft Anstrengungen zu, im kommenden Jahr 20.000 zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen.

Weniger echte Arbeitsplätze als geplant

Dafür werde der deutsche Mittelstand im kommenden Jahr weniger Personal einstellen, als noch im Sommer 2014 geplant war –berichtet die Tageszeitung Die Welt und beruft sich dabei auf eine Umfrage des DIHK. Mit 100.000 neuen Arbeitsplätzen könne 2015 gerechnet werden. „In den Jahren davor waren es immer mindestens 200.000“, sagt der DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben und erklärt: „Der industrielle Mittelstand kürzt seine Investitionen.“ Laut der DIHK-Umfrage sieht es in der für Deutschland zentralen Automobilbranche besonders schlecht aus: Bei den kleinen und mittleren Unternehmen im Fahrzeugbau seien die Investitionspläne regelrecht eingebrochen. „Die hohe Investitionsbereitschaft vom Frühsommer ist verflogen“, äußert Wansleben gegenüber der Welt.

Die Wirtschaftspolitik in Deutschland verunsichert zunehmend den Mittelstand, berichtet die FAZ in einem weiteren Artikel. Inzwischen schätzten 42 Prozent der vom DIHK befragten kleinen und mittelgroßen Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als ein Risiko für ihre Geschäftsentwicklung ein. Laut FAZ tragen die Regulierungen auf dem Arbeitsmarkt und auch der gesetzliche Mindestlohn zur Verunsicherung bei.

Fragezeichen beim Thema Bildung

„Wir lassen uns viel gefallen“, sagt die Vorsitzende des Verbands Die Jungen Unternehmer, Lencke Steiner, im Interview mit der Welt am Sonntag (WamS). „Aber wenn die Rahmenbedingungen sich weiter verschlechtern, fragen sich auch Familienunternehmen irgendwann, ob sie bleiben wollen.“ Ein Fragezeichen müsse man inzwischen beim Thema Bildung machen, meint August Oetker, Vorsitzender des Beirats der Dr. August Oetker KG, der im Interview mit der WamS nach den Stärken Deutschlands gefragt wurde. Unternehmer müssten neben ihrer eigentlichen Arbeit die wesentlichen Themen des Landes aufgreifen. „Sonst nimmt uns die Gesellschaft irgendwann die Freiheitsgrade, die wir brauchen, um das zu tun, was wir am liebsten tun und glauben, auch besser zu machen als der Staat: etwas unternehmen“, so Oetker weiter.

Unternehmerische Freiheit gefordert

„Ökonomische Freiheit innerhalb einer Volkswirtschaft existiert nicht pauschal und abstrakt, sondern setzt sich aus einer Reihe von Bausteinen zusammen“, erklärt Andreas Kuckertz, Professor an der Universität Hohenheim, in der WirtschaftsWoche (WiWo). Allerdings führten diese Bausteine nicht auf direktem Weg zu mehr Wohlfahrt – „das fehlende Glied ist unternehmerisches Handeln“, sagt der Professor für Unternehmertum. Nur im Einzelfall könne staatliche Regulierung an den richtigen Stellen für mehr Wohlfahrt sorgen. So könnten Ökonomien mit geringer Wirtschaftskraft von einem stärkeren Staat profitieren – als Beispiel hierfür nennt Kuckertz Botswana. Für starke, von Innovationen getriebene Volkswirtschaften sei ökonomische Freiheit hingegen eine Grundvoraussetzung. „Allerdings nur derart, dass fehlende ökonomische Freiheit Unternehmertum zu ersticken droht, weiter erhöhte Freiheit jedoch nicht zwangsläufig zu stärkerem unternehmerischem Engagement führt“, so Kuckertz in der WiWo. Das Ziel für Deutschland müsse sein, „das Niveau ökonomischer Freiheit zu halten, sensibel für weitere Bedrohungen dieser Freiheit zu sein, aber gleichzeitig mit dem Bewusstsein zu handeln, dass ökonomische Freiheit nicht unreflektiert maximiert werden muss.“

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate November und Dezember (beobachteter Zeitraum: 20. November bis 16. Dezember 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, Welt am Sonntag, WirtschaftsWoche.

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