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10.12.2014

Steuern, Energie, Gesundheit: Im kommenden Jahr gibt es in vielen Bereichen Änderungen. Aus einer Aufstellung der Verbraucherzentrale NRW  hat UP° Nord zehn Neuerungen ausgewählt, die Unternehmer und leitende Angestellte kennen sollten.

Im neuen Jahr kommen viele Änderungen auf Verbraucher, Versicherte und Arbeitgeber zu. Die meisten Neuerungen treten am 1. Januar 2015 in Kraft. (Foto: picture alliance/chromorange)

  1. Höhere Freigrenzen für Arbeitsessen und Aufmerksamkeiten
    Für Geschenke zu persönlichen Ereignissen fallen ab dem 1. Januar bis zu einem Wert von 60 Euro (bisher: 40 Euro, einschließlich Mehrwertsteuer) weder Steuern noch Sozialabgaben an. Werden die Ereignisse mit Geld versüßt, ist die Zuwendung aber nach wie vor voll steuer- und sozialversicherungspflichtig. Zu denen im Steuerrecht „Aufmerksamkeiten“ genannten Zuwendungen zählen auch Arbeitsessen, die der Arbeitgeber etwa bei Besprechungen oder bei einer angeordneten längeren Arbeitszeit organisiert. Wenn diese Aufmerksamkeit für Leib und Seele die Grenze von künftig 60 Euro nicht überschreitet, bleibt der Fiskus außen vor. Das gilt auch für Getränke und Genussmittel, die Arbeitnehmern im Betrieb unentgeltlich oder verbilligt überlassen werden.

  2. Elektroautos: Countdown für zehnjährige Steuerfreiheit
    Der Countdown für die zehnjährige Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer für Elektroautos läuft: Nur wer sich noch bis zum 31. Dezember 2015 für ein Elektroauto entscheidet, kann von der seit 2011 geltenden Regelung profitieren. Wer danach ein Elektroauto zulässt, fährt bloß noch fünf Jahre lang steuerfrei.

  3. Sinkende Beitragssätze bei gesetzlichen Krankenkassen
    Ab dem 1. Januar 2015 fällt der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung auf 14,6 Prozent, im Jahr 2014 waren es noch 15,5 Prozent. Von diesem Satz trägt der Arbeitgeber die Hälfte, höchstens jedoch 301,13 Euro. Zeitgleich entfällt der Sonderbeitrag von 0,9 Prozent, den Arbeitnehmer alleine zahlen mussten. Den pauschalen Zusatzbeitrag, den eine Krankenkasse erheben konnte, gibt es künftig ebenfalls nicht mehr. Stattdessen kann sie ab Januar 2015 einen individuellen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag in Form eines prozentualen Zuschlags erheben.

  4. Steigender Beitrag zur Pflegeversicherung
    Für die  Pflegeversicherung steigt der Beitragssatz ab dem 1. Januar 2015 um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent sowie auf 2,6 Prozent für kinderlose Versicherte. Diese Beiträge werden von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu gleichen Teilen getragen – Ausnahme sind die 0,25 Prozent für Kinderlose, die  Arbeitnehmer alleine zahlen müssen. Mit den erhöhten Beiträgen sollen verbesserte Leistungen zur Stärkung der Pflege finanziert werden.

  5. Höhere Beitragsbemessungsgrenzen in der Kranken- und Rentenversicherung:
    Zum 1. Januar 2015 werden die Beitragsbemessungsgrenzen angehoben. Die bundeseinheitliche Grenze in der Kranken- und Pflegeversicherung steigt von 4.050 Euro auf 4.125 Euro im Monat. Das bedeutet: Für weitere 75 Euro werden Beiträge für die Krankenkasse- und Pflegekasse erhoben. Erst ein Monatseinkommen oberhalb von 4.125 Euro bleibt beitragsfrei. Bundesweit klettert die Versicherungspflichtgrenze um 1.350 auf 54.900 Euro im Jahr – bis zu diesem Einkommen müssen sich Arbeitnehmer bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Die neue monatliche Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung (West) steigt von monatlich 5.950 Euro auf 6.050 Euro. Ab Januar 2015 liegt die Beitragsbemessungsgrenze (Ost) dann bei 5.200 Euro/Monat (2014: 5.000 Euro/Monat). In der knappschaftlichen Rentenversicherung werden die Grenzen für die Beitragsbemessung im nächsten Jahr bei 7.450 Euro/Monat (West) und 6.350 Euro/Monat (Ost) liegen.

  6. Bundesweite Einführung des gesetzlichen Mindestlohns
    Zum 1. Januar 2015 hat der Gesetzgeber einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro brutto pro Zeitstunde für das komplette Bundesgebiet festgelegt. Lediglich in Branchen, in denen es allgemeinverbindliche Tarifverträge gibt, sind bis Ende 2016 niedrigere Mindestlöhne möglich. Spätestens 2017 müssen aber auch dort 8,50 Euro gezahlt werden. Zudem steigt 2015 der Mindestlohn in der Pflegebranche: Vom 1. Januar an bekommen Pflegekräfte in Westdeutschland 9,40 Euro pro Stunde, in Ostdeutschland werden sie mit mindestens 8,65 Euro pro Stunde entlohnt.

  7. Mehr Flexibilität bei der Elternzeit
    Die Elternzeit kann ab 1. Juli 2015 viel flexibler genutzt werden. Zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes können Eltern künftig 24 statt bisher zwölf Monate lang die Arbeit unterbrechen und eine unbezahlte Auszeit vom Beruf nehmen. Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist dafür nicht mehr notwendig. Allerdings muss eine Elternzeit nach dem dritten Geburtstag des Kindes nun 13 Wochen vorher angemeldet werden – eine Elternzeit vor dem dritten Geburtstag nach wie vor nur sieben Wochen zuvor. Zudem können beide Elternteile ihre Elternzeit in je drei statt in zwei Abschnitte aufteilen. Wichtig: Soll der dritte Block Elternzeit zwischen dem vollendeten dritten und achten Lebensjahr genommen werden, kann der Arbeitgeber diese Elternzeit jedoch aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen.

  8. EU-Energielabel wird auch im Internet Pflicht
    Ab 1. Januar 2015 sind auch Onlinehändler verpflichtet, das EU-Label zur Energieeffizienz für etliche Produktgruppen in ihren Shops vollständig abzubilden. Das gilt etwa für Kühl- und Klimageräte, Waschmaschinen, Lampen, Geschirrspüler, Wäschetrockner, Staubsauger, Leuchten und Fernseher. Bislang ist für die Angebote im Internet nur vorgeschrieben, die Informationen in Textform anzugeben. Dank des kompletten Labels können Verbraucher künftig sofort erkennen, welche die beste Effizienzklasse in einer Gerätegruppe ist.

  9. Europäische Schlichtung bei Verbraucherproblemen
    Verbraucher sollen Streitigkeiten mit Verkäufern künftig EU-weit ohne langwierige Gerichtsverfahren regeln können. Dafür werden flächendeckend Schlichtungsstellen eingerichtet. Diese sollen für den Verbraucher kostenfrei und innerhalb von 90 Tagen eine außergerichtliche Streitbeilegung erreichen. Die Teilnahme am Schlichtungsverfahren ist für beteiligte Verbraucher wie Unternehmen freiwillig. Außerdem will die EU eine mehrsprachige, interaktive Internetseite zur Online-Streitbeilegung aufbauen. Grundlage hierfür sind zwei neue gesetzliche Regelungen zu alternativen Streitbeilegungsverfahren, die auch in Deutschland bis zum 9. Juli 2015 umgesetzt werden müssen.

  10. Neue Regeln für Erbschaften in der EU
    Ab dem 17. August 2015 gilt innerhalb der Europäischen Union eine neue Erbrechtsverordnung. Sie regelt, welches nationale Erbrecht Anwendung findet, wenn Vermögen in mehreren europäischen Staaten zu vererben ist. Dabei gilt künftig ein einfaches Prinzip: das Recht des „gewöhnlichen Aufenthalts“. Lebt und stirbt ein Deutscher etwa in Italien, unterliegt die Erbschaft italienischem Recht. Ausnahme: Im Testament wird ausdrücklich die Anwendung des deutschen Erbrechts festgelegt.