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HWWI-Rohstoffpreisindex
11.12.2014

Keine vielversprechenden Aussichten zum Jahresende. Nicht nur der Ölpreis befindet sich weiterhin auf Talfahrt, auch der Rohstoffpreis für Eisenerz bestätigt den Trend des Fünfjahrestiefs in diesem Jahr. Grund dafür ist die schwache Nachfrage aus China.

Aufgrund der schwächeren Nachfrage aus China leidet der Eisenerzpreis und liegt damit um rund 50% niedriger als zu Jahresbeginn. (Foto: picture alliance / dpa)

Der HWWI-Rohstoffpreisindex sank im November im Vergleich zum Oktober in US-Dollar notiert um 8,3 % und in Euro bewertet um 6,8 %. Damit liegt er um 21,9 % (in Euro: -15,6 %) niedriger als noch vor einem Jahr. Im letzten Monat setzten die Rohölpreise ihre rasante Talfahrt fort. Infolge dessen verlor der Index für Energierohstoffe 10,1 % (in Euro: -8,7 %). Auch beim Eisenerz waren kräftige Preisrückgänge zu verzeichnen, sodass der Index für Eisenerz und Stahlschrott um 9 % (in Euro: -7,5 %) nachgab. Dagegen entwickelten sich die NE-Metalle gegen den Trend fallender Preise bei den Industrierohstoffen und verteuerten sich um 2,5 % (in Euro: +4,1 %). Auch der Index für Nahrungs- und Genussmittel stieg um 1,9 % (in Euro: 3,6 %) und konsolidierte sich weiter. Vor allem die Ölsaaten und Öle verteuerten sich im Index um 9,3 % (in Euro: +11,1 %). Nur bei den Preisen für Genussmittel waren Abschläge zu verzeichnen. Der Index für Kaffee, Tee, Kakao und Zucker gab um 5,5 % (in Euro: -3,9 %) nach.

Seit Mitte dieses Jahres sind die Ölpreise um gut 40 % (in Euro: 34,6 %) gefallen. Während der Preis für ein Barrel Brentöl im Juni noch bei gut 115 US-Dollar lag, notierte er Ende November bei unter 70 US-Dollar. Zu dem starken Absinken des Ölpreises hat die weltweit schwächere Ölnachfrage beigetragen. Zugleich hat aber auch eine sehr gute globale Ölversorgung zu den starken Preisrückgängen beim Öl geführt. Innerhalb der OPEC konnte die Ölproduktion in den letzten Monaten ausgedehnt werden. So stieg die Ölproduktion in Libyen kräftig an und die Ölproduktion im Irak blieb trotz der Kämpfe mit den IS-Extremisten im Norden des Landes stabil. Besondere Anstiege bei der Ölproduktion waren darüber hinaus außerhalb der OPEC zu verzeichnen. In den USA konnte in den letzten Jahren mithilfe von Fracking die Ölproduktion um rund 4 Millionen Barrel pro Tag gesteigert werden. Das ist mehr Öl als zurzeit die beiden OPEC-Mitglieder Irak und Katar zusammen fördern. Aber auch Russland hat seine Ölproduktion kräftig ausgedehnt, das einen großen Anteil seines Staatshaushaltes über Gas- und Ölverkäufe finanziert. Das Land versucht verstärkt, die Einnahmeausfälle aufgrund gesunkener Ölpreise durch größere Angebotsmengen auszugleichen.

Die fallenden Ölpreise haben die OPEC in zwei Fraktionen gespalten. Auf der einen Seite steht Saudi-Arabien unterstützt von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und dem Oman. Für diese Staaten stellen niedrige Ölpreise keine existenzielle Bedrohung dar. Auf der anderen Seite stehen OPEC-Mitglieder wie Venezuela und der Iran, die unter dem niedrigen Ölpreis leiden, da sie für den Ausgleich ihres Staatshaushaltes einen Ölpreis von über 120 US-Dollar benötigen. Saudi-Arabien scheint aber nicht gewillt zu sein, auf Marktanteile zu verzichten und die Ölproduktion herunterzufahren, um damit den Ölpreisverfall zu stoppen. Mit dem niedrigeren Ölpreis könnte Saudi Arabien das Ziel verfolgen, die Ölproduzenten in den USA unter zunehmenden Druck zu setzen, da dort wesentlich teurer produziert wird. Je nach Ölfeld wird ein Ölpreis von 70 bis 80 US-Dollar genannt, ab dem der überwiegende Anteil der US-amerikanischen Fracking-Anlagen noch rentabel arbeitet. Das mit Spannung erwartete OPEC-Treffen am 27. November in Wien endete damit, dass die 12 Mitgliedsländer bis zur nächsten Sitzung im Juni 2015 ihre Ölförderung weiterhin bei 30 Millionen Barrel pro Tag unverändert belassen. Mit Bekanntgabe dieses Ergebnisses sackte der Ölpreis um mehrere US-Dollar nach unten.

Der Anstieg des Index für NE-Metalle liegt hauptsächlich im gestiegenen Aluminiumpreis begründet. Während sich die übrigen NE-Metalle im Index in US-Dollar bewertet leicht verbilligten – so sanken die Preise von Blei, Kupfer und Zink jeweils um 0,6 % (in Euro: +1 %) – verteuerte sich Aluminium um 5,8 % (in Euro: +7,6 %). Eine höhere Nachfrage nach dem Leichtmetall, insbesondere aus dem Fahrzeugbau, und ein gesunkenes Angebot trugen hierzu bei. Seit Jahresbeginn summiert sich der Preisanstieg beim Aluminium auf 18 % (in Euro: +29 %). Dagegen hat sich Eisenerz von Anfang Januar bis Ende November um 25 % (in Euro: -18,2 %) verbilligt. Alleine im Monat November notierte Eisenerz um rund 10 % (in Euro: -8,6 %) niedriger als noch im Monat davor und erreichte damit ein Fünfjahrestief. Der Eisenerzpreis sinkt, da große Eisenerzmengen aufgrund von Minenausweitungen insbesondere in Australien und Brasilien auf den Markt kommen. Gleichzeitig schwächte sich die Eisenerznachfrage ab, da die chinesische Wirtschaft mit geringeren Raten wächst als zuvor prognostiziert worden war. China ist der weltweit größte Nachfrager von Eisenerz, das für die Produktion von Stahl verwendet wird, der wiederum für den chinesischen Infrastrukturausbau und den Hausbau benötigt wird.

Im Monatsdurchschnitt November stiegen die Preise für Sojabohnen um 6,8 % (in Euro: +8,5 %) und für Mais um 6,5 % (in Euro: +8,2 %) und trugen damit wesentlich zu dem Anstieg des Index für Nahrungs- und Ge-nussmittel bei, während sich Weizen nur leicht um 1,2 % (in Euro: +2,9 %) verteuerte. Damit erholen sich die Preise für Mais, Weizen und Sojabohnen weiter, nachdem sie zwischen Ende April und Anfang Oktober dieses Jahres um 37,2 % (in Euro: -31,1 %), um 30,7 % (in Euro: -24 %) und um 39,6 % (in Euro: -33,8 %) gesunken waren. Sorgen um die nächsten Ernteerträge ließen die Preise steigen. Trockenheit in Brasilien Ende Oktober und Anfang November verschlechterten dort zunächst die Ernteaussichten bei Sojabohnen. Erst gegen Mitte November ließen die Sorgen mit Aussicht auf feuchteres Wetter in Brasilien nach. Außergewöhnliche Kälte in Weizenanbaugebieten in den USA erhöhte das Risiko von Ernteausfällen und wirkte preissteigernd beim Weizen. Der Maispreis wurde unterstützt durch eine robuste Nachfrage von Ethanolherstellern in den USA und Tierfutterproduzenten weltweit, insbesondere aber aus China und den USA. Im Index für Genussmittel gab ferner der Kakaopreis um 6,2 % (in Euro: -4,6 %) nach, da die internationale Kakaoorganisation (ICCO) die Ernteaussichten für 2014/15 aufgrund guter Wetterbedingungen in Westafrika, dem Hauptanbaugebiet für Kakao, als sehr gut bezeichnete.

Ende November lag der Eisenerzpreis bei 68 US-Dollar pro Tonne und damit um rund 50 % niedriger als zu Jahresbeginn. Der Eisenerzpreis leidet unter der schwächeren Nachfrage aus China, das rund zwei Drittel des international verschifften Eisenerzes nutzt. Die größten Eisenerzproduzenten Australien und Brasilien exportieren einen großen Anteil ihres abgebauten Eisenerzes nach China. In den letzten Jahren haben die Minenbetreiber in diesen beiden Ländern ihre Produktion kräftig ausgedehnt. Dies geschah unter der Annahme, dass die chinesische Stahlindustrie weiterhin stark wachsen und im Produktionsprozess viel Eisenerz benötigt würde. Dafür wurden zusätzliche Arbeiter angestellt und in das Schienennetz und in Hafenausbauten investiert. Jedoch erfüllten sich die Hoffnungen der Minenbetreiber im Jahre 2014 nicht. Das zusätzliche Eisenerzangebot wurde nicht von der chinesischen Stahlindustrie aufgenommen, da sie schwächer wächst als in den Jahren zuvor. Der chinesische Immobiliensektor boomt nicht mehr und auch die Infrastruktur wird nicht mehr so rapide ausgebaut wie im Zuge des letzten Konjunkturprogrammes. Gerade diese beiden Bereiche haben über die letzten Jahre hinweg große Mengen an Stahl nachgefragt. Darüber hinaus könnte in der nahen Zukunft die chinesische Nachfrage nach Eisenerz darunter leiden, dass recycelter Stahlschrott von Autos und Haushaltsgeräten zunehmend für die Herstellung von Stahl verwendet wird. Trotz der abgeschwächten Nachfrage wurde das Eisenerzangebot bisher aber nicht wesentlich zurückgefahren. Es gibt auf dem Eisenerzmarkt die Vermutung, dass große Minenbetreiber mit Hilfe der niedrigen Preise bis in das Jahr 2015 hinein versuchen werden, kleinere Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. In Australien haben Minenbetreiber damit begonnen, eine große Anzahl von Arbeitern zu entlassen, um sich mit Hilfe von Kostensenkungen an die niedrigeren Eisenerzpreise anzupassen. Zugleich scheuen sie ein Herunterfahren der Eisenerzproduktion, weil dadurch die Stückkosten steigen würden.

Die Kohlepreise blieben in den letzten Wochen nahezu unverändert und eine Tonne australische Kesselkohle notierte weitestgehend zwischen 62 und 64 US-Dollar. So ist der HWWI-Index für Kohle, in US-Dollar bewertet, innerhalb des Novembers nur leicht um 1,5 Prozent angestiegen. In den vorangegangenen zehn Monaten dieses Jahres hat der Index jedoch um mehr als 24 Prozent nachgegeben. Mitte Januar 2011 hatte eine Tonne australische Kesselkohle noch über 136 US-Dollar gekostet. Zusätzliche Produktionskapazitäten in zentralen Kohleförderländern wie Australien führten daraufhin zu einem stark angestiegenen Angebot. Dadurch geriet der Kohlepreis unter Abwärtsdruck. Darüber hinaus wird in den USA im Zuge der Schiefergasrevolution für die Energieerzeugung verstärkt Gas statt Kohle verwendet. Diese Substitution wirkt sich preissenkend bei Kohle aus. Im Oktober führte China, weltweit der größte Kohlekonsument und -importeur, auf eingeführte Kohle eine Abgabe ein. Hiervon dürften Australien und Russland besonders betroffen sein, da beide Länder zu den größten Kohlelieferanten Chinas zählen. Indonesien als Chinas zweitgrößter Importeur von Kohle ist dagegen von der Abgabe aufgrund eines Freihandelsabkommens befreit. Doch ausländische Kohle könnte für den chinesischen Markt wieder interessanter werden, wenn sich chinesische Kohleproduzenten und Kraftwerksbetreiber auf höhere Kohlepreise einigen würden, die zurzeit für 2015 ausgehandelt werden. Einige Marktbeobachter befürchten, dass ohne höhere Preisabschlüsse einigen chinesischen Minen das Aus droht, da ihre Kosten nicht mehr gedeckt sind. In der Folge würde sich dies negativ auf die Wirtschaftskraft von chinesischen Regionen wie Shanxi und die Innere Mongolei auswirken, wo der Bergbau ein wichtiger Industriezweig ist.