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24.11.2014

Warum das Smartphone den Walkman verdrängt hat und was Mittelständler über digitale Prozesse im Unternehmen wissen sollten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Nur innovativen Unternehmen gelingt es, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. (Foto: picture alliance/dpa)

Wie wichtig es für Unternehmen ist, innovativ zu sein, beschreibt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einem Artikel des Magazins Euro zufolge so: „Innovationen schaffen neue Produkte. Und neue Produkte führen zu neuen Arbeitsplätzen. Nur so gelingt es, im internationalen Wettbewerb zu bestehen.“ Welche Branchen in Deutschland zu den innovativsten zählen, verrät das Magazin auf Basis einer exklusiven Analyse. Ganz oben auf der Liste steht die Automobilbranche – dahinter folgen die Sektoren Chemie, Maschinenbau und Elektrotechnik. Die Branchen, in denen Deutschland besonders innovativ ist, erkennt man an den „deutschen Exporterfolgen“, erklärt Dietmar Harhoff, Direktor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb. Je innovativer eine Branche, desto beliebter seien ihre Produkte im Ausland.

Luft nach oben für deutsche Firmen

„Deutschland hat es in fast allen internationalen Innovationsrankings zu Recht in die Spitzengruppe geschafft“, sagt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt. Dennoch sei immer Luft nach oben. Daher fördere das Wirtschaftsministerium kleine und mittlere Unternehmen über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand oder auch über ein System von Gutscheinen, das die Professionalisierung des firmeneigenen Innovationsmanagements unterstützt. Geht es nach Gabriel, sollen Unternehmen auch in Bereiche gehen, in denen Deutschland noch Potenzial nach oben hat. „Da sehe ich in erster Linie die Digitalisierung mit allen Facetten“, so der Minister, „seien es Gründungen, innovative Anwendungen, aber auch Fragen der IT-Sicherheit.“

Nicht schnell genug und weniger erfolgreich

Bei der Umsetzung der digitalen Agenda kommen Unternehmen allerdings nur schleppend voran, berichtet die Börsen-Zeitung. Einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zufolge seien die Firmen nicht schnell genug und deshalb auch nicht erfolgreich. So gaben zwei Drittel von 500 befragten Firmen aus zehn Branchen an, dass die Prozesse im Vertrieb noch nicht digital unterstützt würden. Dringender Nachholbedarf bestehe auch in der Produktion, die nach Börsen-Zeitung noch weit entfernt von der digital vernetzten Industrie 4.0 entfernt ist. Am wenigsten digitalisiert seien aber die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen: Lediglich ein Fünftel der Unternehmen habe seine Geschäftsprozesse in diesem Bereich digitalisiert. „Erschreckend“, findet Robert Gutsche diesen Wert. Der Bereichsvorstand Consulting bei KPMG meint, Unternehmen müssten heute zusammen mit ihren Kunden und Zulieferern lernen und entwickeln. Dazu sollten sie ihre Daten über gesicherte Plattformen austauschen.

Wie mittelständische Unternehmen mit dem technologischen Umbruch umgehen, beschreibt die WirtschaftsWoche (WiWo) am Beispiel des Walkmans: Im Jahr 1973 ging der tragbare Kassettenrekorder von Sony an den Start. Ein Jahrzehnt später verdrängte ihn der Discman, dann kam der MP3-Player mit Speicherchip. Und heute lädt man die Lieblingslieder einfach auf das Smartphone. „Das Schicksal des Walkmans wiederholt sich heute 100-fach“, so die WiWo. „Ständig verschwinden Gegenstände, die gerade noch zu unserem Alltag gehörten, aus den Regalen und schnell auch aus unserem Leben.“ Immer mehr physische Produkte würden durch digitale verdrängt. Und das wirbele auch die Geschäftsmodelle von mittelständischen Herstellern durcheinander.

Unsicherheit hemmt die Innovationskraft

Dass der digitale Darwinismus alte Geschäftsmodelle zerstören kann, thematisiert auch die Süddeutsche Zeitung (SZ) und befragt dazu Karl-Heinz Land, einen Autor, der sich mit Angriffen auf klassische Geschäftsmodelle durch Internetfirmen auskennt. „70 Prozent der Firmen in Deutschland werden aussterben“, meint Land. In einem Interview mit der Börsen-Zeitung meint Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), dazu: „Industrie 4.0 löst ja auch Investitionsphantasie aus.“ „Aber offenbar hemmt die damit verbundene Unsicherheit die Unternehmen wegen noch unklarer Punkte wie Datensicherheit und der Dominanz mancher amerikanischer Konzerne.“ Man müsse auch immer berücksichtigen, so der IW-Direktor, dass der Investitionszyklus in der deutschen Wirtschaft in solchen Prozessen nie in die Breite getragen worden, sondern immer eine unternehmerische Avantgarde vorangegangen sei.

Zur Avantgarde der Autovermieter könnte bald auch Alexander Sixt gehören. Der Manager im familieneigenen Vermietungsbetrieb erläutert im Gespräch mit dem Handelsblatt, welche Bedeutung Carsharing für sein Unternehmen hat. „Wir werden die Mobilität so günstig und effizient machen, dass nur noch die Reichen ein Auto besitzen“, verspricht Sixt. Beim Carsharing glaube er nicht an die First Mover, sondern an die Fast Follower: „Nehmen Sie Hamburg. Dort waren wir auch nicht die Ersten. Aber bevor wir gestartet sind, hatten wir schon 30.000 Mitglieder.“ Innerhalb von drei Monaten sei im Unternehmen eine Software entwickelt worden, mit der Sixt-Kunden via Smartphone den Mietwagen orten, reservieren und öffnen können. „Mit dieser Technologie sind wir mittlerweile Marktführer in einem Markt, der sich in dieser Zeit verdreifacht hat“, so Sixt. Neben den Mitarbeitern sei die Software mittlerweile das wichtigste Kapital des Unternehmens.

Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat November (beobachteter Zeitraum: 24. Oktober bis 19. November 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsen-Zeitung, Euro, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, Die Welt und WirtschaftsWoche.