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Rententrends 11/2014
24.11.2014

Das Zitat des EZB-Präsidenten ist bekannt: „Wir werden das tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen.“ Nun bereitet Mario Draghi die nächsten Schritte vor.

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, will wegen der niedrigen Inflation die Geldschleusen weiter öffnen. (Foto: picture alliance / dpa)

USA: Wirtschaft hat mehr Schwung erwartet

In den USA deutet alles darauf hin, dass der Schwung des zweiten Halbjahres zu einem höher als erwartetem Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr führt. Erfreulicherweise bleibt die Erholung breit aufgestellt. Eine Hilfe ist dabei zunehmend der niedrige Ölpreis, der den Konsumenten mehr Geld im Portemonnaie lässt und ihre Kaufkraft stärkt. Der Preisrückgang beim schwarzen Gold hat auch zu einem insgesamt gedämpften Preisauftrieb geführt. Dies mag auch zu dem schwachen Anstieg bei den Renditen beigetragen haben, die sich im langfristigen Bereich (10 Jahre) immer noch um die 2,30% bewegen. In diesem Zusammenhang ist der Flash-Crash am Treasury-Markt erwähnenswert, der Mitte Oktober innerhalb weniger Minuten die langfristigen Renditen um 37 Basispunkte nachgeben ließ und Sorge um die langfristige Stabilität und Liquidität dieses Marktes hervorrief. Dies deutet auf zunehmend unruhige Zeiten an den Finanzmärkten hin. Auf der politischen Ebene kommen auf die USA ebenfalls schwierigere Zeiten zu. Der Verlust der demokratischen Senatsmehrheit bei den Zwischenwahlen macht das Regieren für Präsident Obama komplizierter. In dieser Situation deutet schon einiges darauf hin, dass die bald wieder anstehende Erhöhung der Schuldengrenze das Regieren zusätzlich erschweren wird und ggf. im Frühjahr nächsten Jahres zu einem Ausgabenstopp führen kann. Insgesamt erwartet Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, ein relativ robustes Wachstum von etwa 3% im kommenden Jahr, wenngleich dieses durch politische Risiken und der Gefahr von Turbulenzen an den Finanzmärkten in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Eurozone: EZB bereitet nächste Schritte vor

Die zuletzt für die Eurozone gestiegenen Konjunkturängste haben sich in der BIP-Schnellschätzung für das dritte Quartal 2014 mit einer Wachstumsrate von 0,2% gegenüber dem Vorquartal (noch) nicht im befürchteten Ausmaß manifestiert. Nach Ansicht von Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank, droht der Eurozone kein Rückfall in die Rezession, aber Boie geht von einer Wachstumsdelle zum Jahreswechsel 2014/2015 aus. Angesichts der Wachstumsrisiken und des sich immer weiter nach unten verschiebenden Inflationsausblicks bleibt die EZB in Alarmbereitschaft und sollte zum Jahresbeginn 2015 ein Staatsanleiheankaufprogramm beschließen. Bisher hat sie nur Käufe von ABS und Covered Bonds angekündigt – diese Märkte sind jedoch nicht so tief, als dass damit die von der EZB anvisierte Bilanzausweitung möglich scheint. Mit dem tatsächlichen Beschluss von Staatsanleihekäufen dürften, so Boie, die Bund-Renditen neue Tiefststände erreichen.

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