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10.11.2014

Was mittelständische Unternehmer über den Streik bei der Deutschen Bahn, die Energiewende und den Bürokratieabbau wissen müssen.

Der Stillstand im Güterverkehr der Deutschen Bahn hat besonders mittelständische Zulieferunternehmen aus der Automobilindustrie getroffen. (Foto: picture alliance / dpa)

Zwei Gründe gibt es aktuell für den Mittelstand, sich Sorgen zu machen. Hervor gehen sie aus dem jüngsten Lokführerstreik, berichtet das Handelsblatt. Zum einen besäßen Großkunden wie BMW oder Volkswagen bei der Deutschen Bahn Priorität. Kleinere Unternehmen und Zulieferer könnten demnach während des Streiks im Güterverkehr sprichwörtlich auf der Strecke geblieben sein. Zum anderen zögen mittelständische Unternehmen auch beim Plan B – der Beförderungsalternative per Lkw – den Kürzeren.

Verpasste Lieferfristen werden teuer

Selbst Zulieferer, denen es gelungen ist, ausreichend Miet-Lkws zu chartern, stünden laut Handelsblatt vor dem Problem eines akuten Mangels an Fahrern in Deutschland. So bilde die Bundeswehr kaum noch Lkw-Chauffeure aus. Wem das jährlich zu erneuernde Fahrerzertifikat fehle, stünde im Notfall nicht mehr zur Verfügung. Ein längerer Streik hätte den Produktionsverantwortlichen in Unternehmen und den Zulieferbetrieben deshalb die Sorgenfalten auf die Stirn getrieben: „200.000 Euro verlangen die Autokonzerne als Konventionalstrafe, wenn wegen fehlender Zulieferteile das Band stillsteht – pro Stunde“, so das Handelsblatt. So zeigten sich Firmen wie BMW in der Vergangenheit zwar meist kulant, auch um mittelständische Teilelieferanten nicht in die Pleite zu treiben. Mit unangenehmen Folgen hätten sie dennoch zu rechnen: Wer nicht pünktlich sei, werde in der Lieferantenbewertung zurückgestuft. „Beim nächsten Auftrag droht dann das Aus“, befürchtet das Handelsblatt.

Aktuell bewerten deutsche Unternehmen nicht nur den Lokführerstreik als Unsicherheitsfaktor für ihr Geschäft. Auch globale Konflikte wie die Ukrainekrise sowie teils überraschende Pläne heimischer Politiker führen laut einem Bericht der VDI Nachrichten dazu, dass Unternehmer zurzeit wenig investieren. „So wissen die Unternehmen zum Beispiel nicht, ob sie in Zukunft noch genügend Fachkräfte […] finden werden oder wie stark die Strompreise durch die Energiewende noch ansteigen“, zitiert das Nachrichtenportal Marcel Fratzscher, Vorstand des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Laut VDI Nachrichten tragen außerdem die schlechten Wirtschaftsprognosen und die fehlenden öffentlichen Investitionen zur Verunsicherung bei.

Weniger Bürokratie – mehr Wirtschaft

Die Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken soll der Abbau unnötiger Bürokratie in Deutschland. So will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit einer Anti-Bürokratie-Offensive die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessern. „Es gilt, insgesamt konsequenter und umfassender voranzukommen und sowohl sichtbare als auch spürbare Effekte beim Bürokratieabbau zu erzielen“, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) aus einem 25-Punkte-Papier des Bundeswirtschaftsministeriums. Große Entlastungspotenziale würden beim „komplexen deutschen Steuer- und Bilanzrecht“ gesehen. So sollten die Umsatz- und Gewinngrenzen, ab denen Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten gelten, angehoben werden – auf „mindestens“ 600.000 Euro beim Umsatz und 60.000 Euro beim Gewinn. Bis zu 100.000 Unternehmen könnten zudem davon profitieren, dass der Schwellenwert für die sogenannte Ist-Besteuerung von 500.000 auf 600.000 Euro Umsatz angehoben werden soll. „Dann müssten sie die Umsatzsteuer nicht mehr vorstrecken, sondern erst ans Finanzamt überweisen, wenn die Kunden die Rechnungen auch tatsächlich bezahlt haben“, so die FAZ.

Deutsche Mittelständler gelten als besonders innovativ, wenn es um Produkte und Dienstleistungen geht, so Handelsblatt Online. Beim Thema Finanzierung verlassen sie jedoch nur ungern vertraute Pfade. Das gelte auch für das Kapital, das Unternehmen im Umlaufvermögen binden. „Zwar spielt für deutsche Unternehmen die Innenfinanzierung eine entscheidende Rolle, doch haben sie das Thema Working Capital häufig nicht auf dem Radar“, sagt Joachim Englert, Finanzierungsexperte bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Unterm Strich hätten Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum die höchste Working-Capital-Quote in Europa. Ein wichtiger Grund könnte die teure Lagerhaltung sein: „Oft fehlt es an einer optimalen Verknüpfung der Lagerhaltung mit der Produktion“, erklärt Englert. Häufig dauere es auch zu lange, bis Unternehmen Rechnungen oder Mahnungen verschickten. „Wir können Unternehmen nur raten, die Working-Capital-Quote zu reduzieren“, so Englert. „Das führt zu höherer Liquidität, geringeren Kosten für das Fremdkapital, schließlich auch zu einer höheren Eigenkapitalquote und einem besseren Rating bei Banken.“

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate Oktober und November (beobachteter Zeitraum: 13. Oktober bis 6. November 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt, Handelsblatt Online, VDI Nachrichten

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