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Branchenstudie Windenergie
06.10.2014

Nicht nur in Europa sollen sich künftig immer mehr Windräder drehen. Auch in China wird gigantisch viel gebaut, erklärt Lars Quandel, Leiter des Bereichs Origination Renewable Energy bei der HSH Nordbank.

Windpark in Niedersachsen: Durch den Bau neuer Anlagen wird der Leistungsanteil der Windkraft am Energiemix weiter erhöht. (Foto: picture alliance / blickwinkel/McPHOTO)

Die HSH Nordbank hat kürzlich ihre neue Studie zur Windenergie vorgestellt. Wie geht es in der Branche weiter?

Lars Quandel: Auf den Punkt gebracht: Windenergie wird weiter ausgebaut, es wird ein substanzielles Wachstum bei Windkraftanlagen in Europa und in anderen Teilen der Erde geben. Allein in Deutschland rechnen wir dieses Jahr mit einem Zubau von über vier Gigawatt Leistung und im nächsten Jahr von mehr als drei Gigawatt.

Die Windkraft wächst seit Jahren. Ist langsam ein Ende des Booms in Sicht?

Lars Quandel: Wir sehen zwar ein Abflachen des Wachstums, aber die Zuwachsraten bleiben auf sehr hohem Niveau. Wir erwarten für die nächsten fünf Jahre in Europa ein durchschnittliches Wachstum der installierten Kapazität von  Windkraftanlagen von knapp zehn Prozent. Das ist viel, aber eben etwas weniger als in der Vergangenheit.

Lars Quandel, Leitung Origination Renewable Energy der HSH Nordbank (Foto: HSH Nordbank)

Strom aus Windkraft ist immer noch teuer. Wie wichtig ist die staatliche Förderung?

Lars Quandel: Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Windkraft auf See und auf Land. Windkraft auf See ist nach wie vor teurer als andere Produktionsarten. Die Windkraft an Land ist mit Kosten von derzeit unter acht Eurocents pro Kilowattstunde konkurrenzfähig – zumindest gegenüber Neubauten in anderen Bereichen. Aber die Reduzierung des Themas nur auf den Preis funktioniert nicht. Wir brauchen einen vielfältigen Energiemix. Es gibt das politische Ziel, den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben, auch um den Verbrauch von fossilen Brennstoffen zu verringern. Die Bundesregierung möchte jedes Jahr zirka 2,5 Gigawatt Leistung über Windkraft installieren, das entspricht zwischen 700 und 800 neuen Anlagen pro Jahr.

Gibt es noch genügend gute onshore-Standorte in Deutschland?

Lars Quandel: Ja, die gibt es. Zum einen, weil an bestehenden Standorten ältere Anlagen durch neue, effizientere ersetzt werden, das so genannte Repowering. Zum anderen ist die Windkrafttechnik so weiter entwickelt worden, dass heute auch an bisher nicht optimalen Standorten Anlagen effizient betrieben werden können.

Thema offshore: Wann können die Anlagen auf hoher See Strom zu konkurrenzfähigen Preisen Strom liefern?
  
Lars Quandel: Die Hersteller und Entwickler rechnen mit einem Einsparpotenzial von 30 bis 40 Prozent. Wenn das gelingt, wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung getan. Man muss aber eins beachten: Der große Vorteil der offshore-Anlagen ist, dass sie eine grundlastfähige Erzeugung von Windenergie bieten, weil auf hoher See ideale Windbedingungen herrschen. Das ist ein großer qualitativer Vorteil der offshore-Anlagen, deren Kapazitätsauslastung fast doppelt so hoch ist wie bei onshore-Anlagen. Mit Anlagen auf dem Meer können deshalb andere Energiearten wie fossile Brennstoffe oder Kernenergie im Grundlastbereich ersetzt werden.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Windenergie in Europa und global?

Lars Quandel: In Europa haben neben Deutschland England, Frankreich, Polen und die Türkei ein großes Potenzial. Da werden künftig hohe jährliche Zubauzahlen erreicht werden, die in den Gigawatt-Bereich gehen. Aber auch Irland und Skandinavien sind interessante Märkte. Über Europa hinaus wird vor allem in China gigantisch viel neu gebaut, zwischen 16 und 20 Gigawatt pro Jahr. Der andere große Markt ist die USA, aber dort gibt es durch die zeitlich unterschiedlich intensive Steuerung der Förderung immer wieder Höhen und Tiefen beim Zubau.

Gegen den Neubau von Windkraftanlagen gibt es oft Widerstand aus der Bevölkerung. Ist das ein Problem für die Branche?

Lars Quandel: Generell muss man erst einmal festhalten, dass es in der Bevölkerung große Zustimmung für Erneuerbare Energien gibt – der Bau vor der eigenen Haustür löst  jedoch Proteste aus. Gleichzeitig muss man eins bedenken: Der Neubau eines Kohle- oder Kernkraftwerks würde noch viel größeren Widerstand auslösen. So ein Projekt wäre in Deutschland in einem neuen Genehmigungsverfahren wahrscheinlich kaum noch durchsetzbar.