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27.10.2014

Was Mittelständler über die schwächelnde Konjunktur in Deutschland und den aufkommenden Streit in der Bundesregierung wissen sollten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) während einer Bundestagsdebatte um den Bundeshaushalt 2015. (Foto: picture alliance / dpa)

Es rumort kräftig in der Welt und die Wirtschaft bekommt die Folgen zu spüren. Zu diesem Schluss kommt das Magazin Wirtschaftswoche und führt folgende exemplarische Auswahl von Krisenherden auf: die Unruhen in Libyen und dem Jemen, Ebola in Guinea und Sierra Leone, die Attacken der Terrorgruppe Islamischer Staat sowie die weiter schwelende Krise zwischen Russland und der Ukraine. „Konzerne weltweit lassen Investitionen ruhen oder wenden sich von bestimmten Regionen ganz ab“, so das Magazin. „In Krisenzeiten wird grundsätzlich immer weniger investiert“, ordnet Prof. Dr. Christian Kille, Professor für Handelslogistik und Operations Management an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, die aktuelle Stimmung ein. Das sei aber auch ein psychologischer Effekt.

Die deutsche Wirtschaft wird überschätzt

Experten befürchten, dass die Konjunktur noch weiter abschmiert, meldet die BILD-Zeitung. Sie zitiert Max Otte, Ökonom und Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms: „Die Krise könnte gefährlicher werden als die von 2009.“ Und Prof. Dr. Stefan Kooths, Leiter des Prognose-Zentrums im Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), warnt in BILD: „Die deutsche Wirtschaft wird massiv überschätzt.“
Die Konjunkturdelle bekommen auch die Familienunternehmen zu spüren: Sie wollen im vierten Quartal weniger investieren und weniger Mitarbeiter einstellen. Das ergab eine Umfrage des Verbands DIE FAMILIENUNTERNEHMER, von der die Welt berichtet. „Noch sind wir Familienunternehmer der stabilisierende Anker der deutschen Wirtschaft“, so der Präsident des Verbands Lutz Goebel. Doch die Große Koalition mache den Unternehmern das Leben schwer. „Ein Jahr Große Koalition war vor allem Verteilungspolitik zulasten der unternehmerischen Substanz.“ Das sollen die Unternehmen nun zu spüren bekommen.

Gegenwind kommt auf

Nach einer stabilen Schönwetterphase weht der deutschen Wirtschaft jetzt kühler Gegenwind entgegen, schätzt Michael Fuchs, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt benennt er die Gründe für die Zurückhaltung bei Investitionen. Energie-, Arbeits- und Bürokratiekosten spielten ebenso eine Rolle wie das Motiv, mit einer Produktion im Ausland Einfuhrzölle und doppelte Regulierung zu vermeiden. Den Weg aus der Investitionsschwäche sollen aber nicht mehr nur staatliche Mittel weisen, sondern stabile und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.

Thorsten Schäfer-Gümbel, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, fordert hingegen in einem Focus-Interview, Deutschland müsse grundsätzlich mehr investieren. Schäfer-Gümbel arbeite an einem neuen Wirtschaftsprogramm seiner Partei. Arbeitstitel: „Neues Wachstum und Innovation“. Der SPD-Mann will auch ein Bündnis mit dem „sozial aufgeklärten“ Mittelstand: „Wir wollen die soziale Verantwortung von Unternehmern stärken“, sagt er gegenüber Focus.

Rezession und Regierungskrise

Die drohende Wirtschaftskrise provoziert Streit zwischen Union und SPD, meldet der Spiegel. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Vize Sigmar Gabriel versuchten zwar, den Unmut unter Kontrolle zu halten. Inzwischen würden jedoch Vorhaben der Koalition ernsthaft in Gefahr geraten. Erste Abgeordnete sollen den Koalitionsvertrag bereits infrage stellen: „Grundlage war die gute wirtschaftliche Lage“, sagt Christian von Stetten, Chef des Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion. „Und diese Grundlage ist jetzt entfallen.“

Dabei soll der Bundeshaushalt noch ein bis zwei Milliarden Euro für Investitionen in Reserve haben, berichtet Wirtschaftswoche Online. Die Summe ergebe sich aus nicht abgerufenen Finanzmitteln. „In der jetzigen Situation wäre ein starkes Signal für die Konjunktur psychologisch nötig und hilfreich“, sagt dazu Hans Michelbach, Chef der CSU-Mittelständler und Obmann im Finanzausschuss. Um Unternehmen zu entsprechenden Investitionen zu motivieren, fordert Michelbach die Einführung einer degressiven (in den ersten Jahren überproportionalen) Abschreibung von Anlagen und Maschinen. Vor zu großen Erwartungen warnt dagegen der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Norbert Barthle: Für erhebliche zusätzliche Investitionen gebe es auf absehbare Zeit keine Spielräume.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Oktober (beobachteter Zeitraum: 27. September bis 23. Oktober 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: BILD, Focus, Handelsblatt, Der Spiegel, Die Welt, Wirtschaftswoche, Wirtschaftswoche Online.