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Rententrends 10/2014
17.10.2014

In den USA geht es jetzt ans Eingemachte, glaubt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Baseballspiel der National League Championship Series: Die konjunkturelle Stimmung in den USA ist gut – dennoch könnte der Wirtschaftsaufschwung gefährdet sein. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Die Zinswende wird in absehbarer Zeit eingeleitet und keiner weiß, wie die Märkte darauf reagieren werden. Konjunkturell sieht das Bild in den USA recht freundlich aus. Der Aufschwung scheint breit aufgestellt zu sein, die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor ist gut und auch in der Baubranche stehen die Zeichen auf Optimismus. Die Fragilität der Finanzmärkte ist allerdings weiter gestiegen und der Internationale Währungsfonds weist in seinem Stabilitätsreport auf zahlreiche Finanzmarktrisiken hin, die den Aufschwung gefährden könnten. Dazu kommt die Frage, ob die Investitionsgüter- und Konsumnachfrage auch bei höheren Zinsen expandiert.

Derweil sind die langfristigen Renditen für US-Staatsanleihen nochmals gesunken, was möglicherweise genau mit dem ungewissen Ergebnis des „Exit“-Prozesses zu tun hat. Auf Risiken des Ausstiegs aus der aggressiven Geldpolitik der vergangenen Jahre haben wir seit geraumer Zeit hingewiesen. Auch wenn die Fed kommunikativ derzeit keine Lorbeeren verdient hat, gehen wir nach wie vor davon aus, dass das große Experiment gelingen wird. Allerdings wären wir von spürbaren Rückschlägen nicht sonderlich überrascht.

Europas Wachstum knickt ein

Die Eurozone ist nach Ansicht von Sintje Boie, Senior Analystin der HSH Nordbank, an einem Wendepunkt angekommen, denn alles deutet auf eine größere Wachstumsdelle hin. Die große Frage ist, ob möglicherweise sogar erneut ein Abrutschen in die Rezession droht. Die strukturelle Schwäche Frankreichs und Italiens sowie die sich überraschend eintrübende deutsche Konjunktur lassen es nicht unwahrscheinlich erscheinen.

In unserem Basisszenario rechnen wir jedoch nicht damit, auch wenn die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte kaum neue Impulse bekommen sollte. Die Konjunkturschwäche lässt die EZB Handlungsbereitschaft signalisieren. Nachdem sie Anfang Oktober die Details ihres so genannten Credit Easing verkündet hat, dürfte sie den eingeschlagenen Weg weiter beschreiten und Anfang 2015 Staatsanleiheankäufe beschließen. Mit den Anleiheankäufen und den angekündigten Langfristtendern will sie ihre Bilanzsumme massiv erhöhen und Liquidität ins System pumpen.

Gemischtes Bild in den Schwellenländern

Die Welt der aufstrebenden Volkswirtschaften zeichnet sich derzeit durch eine relativ hohe Heteregonität in Bezug auf ihre Wachstumsperspektiven aus. Länder wie Russland und Brasilien geben derzeit ein sehr schwaches Bild ab, und auch im kommenden Jahr ist kaum mit einer fulminanten Erholung in diesen Staaten zu rechnen, so die Länderanalysten Günter Köhne und Carsten Pallas von der HSH Nordbank.

In Indien dagegen scheint der neue Ministerpräsident das Vertrauen der Investoren zu genießen, was zu der sich beschleunigenden Expansionsrate beigetragen haben dürfte. Chinas Wirtschaftswachstum bleibt zwar hinter dem des Vorjahres zurück, bewegt sich aber weiterhin auf einem soliden Niveau.

Ein gemischtes Bild geben die in dieser Publikation ebenfalls analysierten Länder Polen und Türkei ab: nach europäischen Maßstäben expandieren diese Länder mit einer ordentlichen Rate von rund drei Prozent. Jedoch bleiben diese Länder offensichtlich weit hinter ihrem Potenzial zurück. Alles in allem bleiben die aufstrebenden Volkswirtschaften eine Stütze für die Weltwirtschaft, wenngleich die voraussichtliche Zinswende in den USA die Risiken für diese Länder erhöht.