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Teuerungsrate

Verbraucherpreise, gefühlte Inflation und Folgen für die Wirtschaft

03.09.2014

Ein repräsentativer Warenkorb aus rund 600 unterschiedlichen Güterarten bildet die Grundlage für die statistische Ermittlung des Verbraucherpreisindexes. (Foto: picture alliance / blickwinkel/McPHOTO)

Was ist Inflation und welche Auswirkungen hat sie?

Der Begriff Inflation beschreibt die Teuerung von Gütern. Durch eine Zunahme des Kaufpreises über einen längeren Zeitraum wird der Wert von Geld gemindert und Verbraucher können weniger mit ihrem Geld kaufen. In Deutschland ermittelt das Statistische Bundesamt die Höhe der Inflationsrate jeden Monat und liefert zudem die Daten für die Preissteigerung binnen eines Jahres. Dabei berücksichtigen die Statistiker nahezu alle Güterkategorien.

Der persönliche Inflationsrechner

Die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes basieren auf durchschnittlichen Preisentwicklungen für einen statistisch errechneten, festgelegten Warenkorb. Wer jedoch neben dem statistischen Mittel auch die eigene Teuerungsrate errechnen möchte, kann dies mithilfe des persönlichen Inflationsrechners auf der Website des Statistischen Bundesamtes ausrechnen.

Wie wird die Inflation in Deutschland gemessen?

Das Statistische Bundesamt misst die Inflationsrate seit 1997 mithilfe des Harmonisierten Verbraucherpreisindex, kurz HVPI. Der Index bildet die Preisentwicklung verschiedener Produkte, Waren und Dienstleistungen ab, die für die Konsumwelt eines privaten Haushalts in Deutschland relevant sind. Die durchschnittliche Preisentwicklung für eine Güterart geht dabei jeweils gewichtet in die Berechnung der Inflationsrate ein.

Die aktuelle Inflation in der EU und der Eurozone zeigt die europäische Statistikbehörde eurostat auf ihrem Online-Portal (siehe Kasten oben). Die einzelnen Positionen und Gewichtungen veröffentlicht die Europäische Zentralbank detailliert auf ihrer Website.

Was steckt hinter einer gefühlten Inflation?

Die gefühlte Inflation ist eine von Konsumenten wahrgenommene Preissteigerung, die deutlich über der eigentlichen Teuerungsrate liegen kann. Die gefühlte Inflation steigt immer dann, wenn die Preise von Waren des täglichen Bedarfs teurer werden, zum Beispiel bei Lebensmitteln oder Energiekosten.

In Deutschland beträgt die Teuerungsrate im August 2014 0,8 Prozent. Hierzulande sanken, laut Angaben des Statistischen Bundesamtes, vor allem die die Kosten für Benzin und Strom im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Kosten für Miete, Kleidung, Molkereiprodukte und Kaffee zogen im selben Zeitraum aber an. Je nach Konsumverhalten der Verbraucher kann die gefühlte Inflation also höher oder niedriger als die amtliche Erhebung sein.

Warum ist gerade in Deutschland die Sorge vor einer künftig stark steigenden Inflationsrate so groß?

Der Grund dafür ist, dass die deutsche Bevölkerung im 20. Jahrhundert dreimal von vergleichsweise hohen Inflationsraten getroffen wurde. So sank zwischen 1914 bis 1923 der Wert der damals gültigen Papiermark rapide – bis die deutsche Währung ihre Funktion als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel vollständig verlor. Mit der anschließenden Währungsreform kam die Rentenmark, womit praktisch alle Geldschulden und -vermögen, die auf Papiermark gelautet hatten, entwertet wurden.

Während des Zweiten Weltkriegs führte die steigende Staatsverschuldung zu einem weiteren, massiven Geldwertverlust. Die darauf folgende zweite Währungsreform führte die Deutsche Mark (D-Mark) ein, wodurch Sparer und Besitzer von Geldvermögen ein weiteres Mal enteignet wurden. In den 1970er und 80er Jahren bewegte sich die Inflation in allen Industrieländern der Welt auf hohem Niveau. Diesmal konnte aber ein Anstieg der Inflationsrate in den zweistelligen Bereich durch eine restriktive Geldpolitik gestoppt werden.

Ist eine gewisse jährliche Teuerung in einer wachsenden Volkswirtschaft nicht normal?

Von den Zentralbanken wird weitgehend eine Inflation von rund zwei Prozent akzeptiert. Grund dafür ist, dass die Notenbanker der Wirtschaft ausreichenden Spielraum zum Wachsen lassen wollen. Wäre dies nicht so, könnte möglicherweise das Wachstumspotenzial nicht voll ausgeschöpft werden und im schlimmsten Fall sogar Deflation, also sinkende Preise, drohen.

Was bedeutet Inflation für Unternehmer?

Ein Anstieg der Inflation kann bedeuten, dass die Preise für Vorprodukte teurer werden und/oder die Verkaufspreise steigen. Bei einer erhöhten Inflation werden über kurz oder lang die Gewerkschaften höhere Löhne fordern, um den Kaufkraftverlust auszugleichen. Gleichzeitig dürften die Kreditkosten steigen, weil die Zinsen bei höherer Inflation in der Regel ebenfalls steigen.

Mit welchen Mitteln kann die Europäische Zentralbank gegen eine steigende Inflationsrate steuern?

Die EZB kann zur Eindämmung von Inflation ihre Geldpolitik straffen, durch eine Erhöhung der Leitzinsen und eine restriktivere Geldvergabe an Banken.

Was bedeutet eine steigende Inflationsrate für den Wert des Euro gegenüber anderen Währungen?

Steuert die Notenbank durch Zinserhöhungen gegen, um die Inflationsrate wieder zu senken, dürfte der Euro aufwerten. Bleibt die Notenbank tatenlos, sollte der Euro gegenüber anderen Währungen an Wert verlieren.

Gibt es auch eine „negative Inflation“?

Ja, eine negative Entwicklung der Teuerungsrate bezeichnet man als Deflation. Hält diese Abwärtsentwicklung der Preise länger an und greift auch auf die Realwirtschaft über, dann spricht man von einer Deflationsspirale. Laut gängiger Theorie der Wirtschaftswissenschaften führt dies dazu, dass eine Preisspirale nach unten einsetzt. Jüngste Untersuchungen des Instituts für Weltwirtschaft zeigen jedoch, dass in der Praxis ein Preisverfall bei Deflation meistens eher nicht der Fall ist. Der Grund: Konsumenten schlagen bei fallenden Preisen zu, ohne auf ein weiteres Sinken der Preise zu warten.