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Finanzierung
17.09.2014

Bis ins hohe Alter wollen die Deutschen so gesund wie möglich bleiben. Dafür ist eine erstklassige medizinische Versorgung nötig – mit der private Einrichtungen gute Geschäfte machen können. Sofern sie über die nötige Finanzierung verfügen.

Die Gesundheitswirtschaft in Deutschland wird immer seltener öffentlich gefördert – neue Finanzierungsquellen werden immer wichtiger für die Branche (Foto: picture alliance / blickwinkel / McPHOTOs)

Finanzierung für Krankenhäuser

Folgende Finanzierungsalternativen stehen der Gesundheitswirtschaft und speziell Krankenhäusern zur Verfügung:

  • Fördermittel, gemäß §1 des Krankenhausfinanzierungsgesetzes
  • Eigenfinanzierung, durch eine Kapitalerhöhung
  • Unternehmensanleihen
  • Schuldscheindarlehen
  • Bankdarlehen, als Zwischenfinanzierung oder als langfristige Investitionsfinanzierung
  • Mezzanine-Finanzierung
  • Leasing, geeignet für die Finanzierung von Immobilien, Mobilien und Marken
  • Factoring
  • Public-Private-Partnership, Finanzierung über eine öffentlich-private Partnerschaft

Rund eine Milliarde Euro wolle Bernhard Broermann, Gründer und Alleingesellschafter des Klinikkonzerns Asklepios, in Zukäufe investieren, berichtet das Manager Magazin. Noch mehr Krankenhäuser könnten dem europaweit tätigen Unternehmen mit Sitz in Hamburg einen deutlichen Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern im Krankenhaussektor verhelfen. Mit rund 2,5 Milliarden Euro Jahresumsatz und vier Prozent Anteil am Gesamtumsatz der Gesundheitsbranche gilt Asklepios bereits als Marktführer in Deutschland. Vom Unternehmen offiziell bestätigt wurden die Übernahmegerüchte nicht. Doch dass der Krankenhausmarkt gewaltig in Bewegung kommt, steht außer Frage

Krankenhäuser versprechen Gewinn

Als Übernahmeziel von Asklepios werden die Rhön-Kliniken gehandelt, nachdem der Gesundheitskonzern Fresenius seine Anteile an der Krankenhauskette Ende Juni 2014 an die Berenberg Bank verkauft hat, die wiederum die Anteile weiterreichte. Auch ein Einstieg von Asklepios bei der Klinikgruppe Median, bei den Schön-Kliniken oder der Sana-Kette sei möglich, so ein Bericht des Hamburger Abendblatts. Das Monopoly ist in vollem Gange.

Die Gesundheitswirtschaft zählt zu den wichtigsten und größten Branchen in Deutschland. Ihr Anteil an der Gesamtwirtschaft lag 2013 bei rund elf Prozent – mit vier Prozent Zuwachs im vergangenen Jahr ist die Tendenz deutlich steigend. Ein lohnendes Umfeld für Investoren. „Die Gesundheitswirtschaft ist […] ein wichtiger Treiber unseres Wirtschaftswachstums“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf einem Branchenkongress Anfang September in Berlin. Er will die Potenziale der Branche in Zukunft weiter heben und stärken. Klinikbetreiber und andere Gesundheitsdienstleister wittern die guten Geschäftsaussichten – die zahlreichen Klinikübernahmen in Deutschland zeugen davon.

Gesundheitswirtschaft: Bruttowertschöpfung und Anteil am Bruttoinlandsprodukt

Quelle: BMWI.de

Der Grund für die guten Aussichten in der Gesundheitsbranche: Die Deutschen leben immer länger. Auch im hohen Alter wollen sie medizinisch optimal versorgt werden. „Die Anhebung des Gesundheitsniveaus der Bevölkerung sichert Wachstum und Wohlstand in unserem Land“, so das Bundeswirtschaftsministerium. Um den steigenden Bedarf zu decken, müssen gesundheitsbezogene Güter und Dienstleistungen jedoch in immer höherer Anzahl zur Verfügung stehen und ständig weiterentwickelt werden. Und Innovationen kosten Geld. Die Bundesregierung hat daher eine Vielzahl unterschiedlicher Fördermaßnahmen aufgelegt, die auch die spezifischen Belange von kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft aufgreifen.

Die richtige Finanzierung von der Gründungsphase an

Dabei ging es mit der Finanzierung von Gesundheitseinrichtungen in Deutschland über Einzel- und Pauschalfördermittel in den vergangenen 25 Jahren rapide bergab (siehe Grafik unten). Es herrscht Investitionsstau in Milliardenhöhe bei gleichzeitiger Unterdeckung durch öffentliche Fördermittel. Gleichzeitig drängen neue, privatwirtschaftliche Einrichtungen auf den Markt. Somit wird die Finanzierung über privates Kapital immer wichtiger für die Gesundheitsbranche.

Verhältnis öffentlicher Investitionen der Länder zu den Gesamtkosten von Krankenhäusern

Quelle: AOLG-Umfrage, Daten des Stat. Bundesamtes, eigene Darstellung GKV Spitzenverband

Vor allem in der Gründungsphase von Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft ist der Bedarf an sogenanntem Seed- und Risikokapital groß, welches in erster Linie von Banken zur Verfügung gestellt wird. Hierfür ist auch ein Konsortialkredit geeignet, bei dem verschiedene Banken ein Darlehen in mehreren Tranchen zur Verfügung stellen. Eine weitere attraktive Möglichkeit, den Finanzierungsbedarf in der Gesundheitsbranche zu decken, ist die Kombination aus einem Konsortialkredit mit Schuldscheindarlehen. Diese verbinden eine hohe mittel- bis langfristige Finanzierungssicherheit über mehrere Bankpartner mit den wiederholt und kurzfristig einsetzbaren Schuldscheinen. Aber auch Stiftungen können der Gesundheitswirtschaft als Finanzierungsinstrument zuträglich sein.