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12.09.2014

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat die Märkte mit einer weiteren Zinssenkung überrascht. Damit seine Geldpolitik wirksam wird, muss er jedoch bald schon wieder nachlegen.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, am 04. September 2014 während der Pressekonferenz zur Leitzinssenkung auf 0,05 Prozent. (Foto: picture alliance / dpa)

USA: Konjunkturaufschwung gewinnt an Breite

Erholt sich die US-Konjunktur wegen der Quantitive Easing-Politik (Anleiheankäufe, kurz QE) oder trotz dieser Politik? Fakt ist, dass sich die Wirtschaft im zweiten Quartal 2014 wesentlich robuster gezeigt hat und der Aufschwung an Breite gewonnen hat. Die jüngsten Monatsindikatoren bestätigen dieses Bild und im Gesamtjahr sollte ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent möglich sein. Die Inflation könnte im nächsten Jahr die Zwei-Prozent-Marke überschreiten. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, ist der Meinung, dass angesichts des zögerlichen Rückzugs der US-Notenbank von den Bond-Märkten – es finden immer noch Anleiheankäufe statt – die Gefahr von Assetpreisblasen bestehen bleibt. Bestimmte Marktsegmente wie beispielsweise das Segment bonitätsschwacher Unternehmensanleihen sollten unter besonderer Beobachtung bleiben, da die US-Notenbank Federal Reserve im kommenden Jahr zwar zaghaft, aber dennoch sichtbar die Zinswende einleiten dürfte. Dies wird sich auch auf die langfristigen Zinsen auswirken, die per Jahresende 2015 im zehnjährigen Segment bei 3,10 Prozent liegen sollten.

Eurozone: EZB überrascht mit nochmaliger Zinssenkung

In der Eurozone ist die Konjunkturerholung im zweiten Quartal 2014 zum Erliegen gekommen. Dies ist wohl zum Teil auf die Verschärfung der Ukraine-Krise zurückzuführen, die Unternehmen und Konsumenten zurückhaltender agieren lässt. Maßgeblich ist aber die Wachstumsschwäche von Frankreich und Italien aufgrund ihrer Reformunfähigkeit. Die enttäuschende Stagnation des Bruttoinlandsprodukts hat die Europäische Zentralbank (EZB) zusammen mit dem sich verschlechternden Inflationsausblick überraschend Anfang September dazu bewogen, die Zinsen nochmals zu senken sowie ein Credit Easing zu beschließen. Vor dem Hintergrund der demonstrierten und kommunizierten Handlungsbereitschaft der Notenbank geht Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank, davon aus, dass die EZB Anfang 2015 ein QE-Programm beschließen wird, um damit die Kreditvergabe und damit das Wachstum in der Eurozone anzukurbeln. Das im Raum stehende Programm sollte die Bund-Renditen nochmals unter Abwärtsdruck setzen.