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18.08.2014

Was Mittelständler über Wachstumsstrategien, Finanzinvestoren und Bankkredite wissen sollten.

Unternehmer und Filmemacher Willy Bogner signiert auf dem Münchner Filmfest sein eigenes Foto.

Sucht einen Nachfolger: Unternehmer und Filmemacher Willy Bogner auf dem Münchner Filmfest. (Foto: Ursula Düren / picture alliance / dpa)

Nur mit Fokus wird man Weltklasse. Und die meisten Hidden Champions in Deutschland sind eng fokussiert, weiß Hermann Simon, Gründer der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners. „So beobachten wir, dass Hidden Champions, die aufgrund von Marktsättigung, hohen Marktanteilen oder technologischen Umbrüchen an Wachstumsgrenzen stoßen, ihre Schwerpunkte verlagern oder in neue Märkte eintreten“, erklärt er auf Handelsblatt Online. Doch sie tun das zumeist in Form einer weichen Diversifikation. „Das heißt, sie bleiben mit neuen Geschäften nahe an ihren Technologien und Zielgruppen“, so Simon. Nicht wenige Hidden Champions seien „Super-Nischenanbieter“ und operierten „in kleinsten Märkten mit Weltmarktanteilen von 70 bis 100 Prozent“. „Das begrenzt das Wachstum“, so Simon, „schafft aber gleichzeitig wirksame Markteintrittsbarrieren.“

Akuter Engpass in der Modebranche

Viele Familienunternehmen können ihr Wachstum nicht finanzieren, meldet das Handelsblatt anlässlich der Suche Willy Bogners nach einem Investor. Der 72-jährige Exskistar müsse seine Nachfolge klären und dafür sorgen, dass das Modehaus Bogner langfristig sein Wachstum finanzieren könne. Speziell in der deutschen Modebranche habe der Druck auf die Unternehmer zugenommen, da sich der Markt drastisch verändere: So feierten einerseits Billiganbieter wie Primark große Erfolge, gleichzeitig trieben Luxuskonzerne wie LVMH ihre Expansion kraftvoll voran. In der mittleren Preislage aber hätten es viele immer schwerer, sich zu behaupten, erörtert die Tageszeitung. Auf die stark schrumpfende Handelslandschaft reagierten die mittelständischen Modehäuser mit eigenen Läden. Doch die hohen Investitionen überforderten viele: „Neun von zehn Firmen verdienen heute nicht so viel, wie sie brauchen, um ihr Wachstum zu finanzieren“, sagt Franz Maximilian Schmid-Preissler, Chef der gleichnamigen Strategieberatung. Seinen Berechnungen zufolge erreichten viele Modehäuser einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von maximal sechs bis sieben Prozent. „Sie brauchen aber ein Ebit von zwölf bis 15 Prozent, um ihre Zukunft zu finanzieren“, so Schmid-Preissler im Handelsblatt.

Nicht nur Bogner liebäugelt mit Finanzinvestoren, kommentiert ein Autor des Handelsblatts: „Sein Problem teilen alljährlich Hunderte Mittelständler in der ganzen Republik.“ Weil die Gründergeneration altersbedingt abtreten müsse, es aber an Nachfolgern mangele, träten an die Stelle der Kinder immer häufiger anonyme Investoren. „Das ist bedauerlich“, so der Kommentator, „weil Unternehmertypen wie Bogner aussterben.“

Bankkredit bevorzugt

Wenn ein Unternehmer in Deutschland Geld braucht, geht er zur Bank – und macht einen großen Bogen um die Kapitalmärkte. Das berichtet Die Welt auf Basis einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter 20.000 Unternehmern. 44 Prozent der befragten Firmen nutzten ausschließlich den klassischen Bankkredit als Finanzierungsform, so Die Welt. Eine Umstellung der Wirtschaft auf eine Kapitalmarktfinanzierung auch kleinerer und mittlerer Unternehmen – wie sie in Brüssel diskutiert werde – gehe hingegen an der Unternehmensrealität vorbei. „Sie ist im Segment kleinerer und mittlerer Unternehmen, wie sie in ausgeprägter Weise am hiesigen Wirtschaftsstandort vorkommen, aufgrund der Anforderungen der Kapitalgeber kaum zu stemmen“, meint der DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Zur Ergänzung des Bankkredits spiele jedoch das Leasing insbesondere von Investitionsgütern eine wichtige Rolle. Es belaste nicht die Bilanz und habe damit einen positiven Effekt auf wichtige Kennzahlen wie etwa die Eigenkapitalquote.

Zur Methode

Zur MethodeFür den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat August (beobachteter Zeitraum: 18. Juli bis 15. August 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Handelsblatt, Handelsblatt Online, Die Welt.