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Marktexpertise Shipping

Schifffahrts-Unternehmen 2014 – Fit für die Zukunft?

28.07.2014

Nach mehreren stürmischen Jahren scheinen sich die Wogen in der Schifffahrt wieder etwas zu glätten: Für 2014 erwarten die Reedereien weltweit im Vergleich zum Vorjahr steigende Umsätze und Gewinne – und wollen weiter in den Ausbau ihrer Flotten investieren.

Ein Containerschiff verlässt den Hamburger Hafen in Richtung Nordsee: Rund 50 Prozent der von der HSH Nordbank befragten deutschen Reeder wollen trotz Überkapazitäten in Containerschiffsneubauten investieren. Foto (picture alliance / dpa)

„Interessanterweise fällt die Marktbeurteilung je nach Herkunft sehr unterschiedlich aus“, sagt Christian Nieswandt, Global Head Shipping Domestic Clients/Global Liner & Container Finance bei der HSH Nordbank und einer der Initiatoren der Studie. So zeigten sich die deutschen Reeder beispielsweise bei der Gewinnerwartung deutlich zurückhaltender als ihre Wettbewerber. „Wir haben deutsche und internationale Reeder in unserem Kundenkreis befragt und die Antworten der 51 teilnehmenden Unternehmen getrennt nach ihren Firmensitzen ausgewertet“, berichtet er.

Expansionspläne trotz Überkapazitäten

Ebenfalls differenziert fallen die Expansionspläne der teilnehmenden Unternehmer aus: Auch wenn seit Jahren Überkapazitäten auf die Fracht- und Charterraten drücken, wollen laut Umfrage knapp 70 Prozent der teilnehmenden Schifffahrtsunternehmen in den kommenden drei Jahren ihre Flotten zum Teil kräftig aufstocken. Dabei ist nicht nur das geplante Wachstum internationaler Reedereien höher, sie schließen auch allesamt eine Verringerung ihrer Flotte aus. Hingegen rechnet in Deutschland über ein Viertel der Schifffahrtsunternehmen mit einer Verkleinerung ihrer Flotte. Das Orderbuch führen Bulker an – auf diesen Schiffstyp setzen deutsche und noch stärker internationale Reeder.

Aber: „Über die Hälfte der von uns befragten deutschen Reeder will auch in Containerschiffsneubauten investieren“, sagt Nieswandt. „Bei den internationalen Reedern sind es dagegen nur 13 Prozent.“ Das sei vor allem deshalb so bemerkenswert, da die teilnehmenden Reeder bei Containerschiffen nicht nur die größten Überkapazitäten sehen, sondern diesen Schiffstyp gleichzeitig auf den letzten Platz in der Zuversichtsskala aller abgefragten Schiffstypen gesetzt haben.

Die wichtigsten Ergebnisse der Marktexpertise:

  • Positivtrend: Die Reeder rechnen mit steigenden Umsätzen und Gewinnen im laufenden Geschäftsjahr 2014. Internationale Schifffahrtsunternehmen erwarten jedoch deutlichere Gewinnsteigerungen als deutsche Reeder.
  • Neubauwelle: Vor allem deutsche Reeder wollen weiter in Containerschiffsneubauten investieren, was das Problem der Überkapazitäten weiter verschärfen wird.
  • Zuversicht: LNG-Tanker, Offshore-Schiffe und Bulker liegen in der Markterwartung vorn, Containerschiffe ganz hinten
  • Überkapazitäten: Hier führen die Containerschiffe das Ranking an, gefolgt von Bulkern und Rohöltankern
  • Finanzierung: Das KG-Modell läuft aus, während Private Equity zulegt. Bankkredite bleiben neben dem Eigenkapital die wichtigste Kapitalquelle.
  • Herausforderungen: Ausländische Reeder setzen primär auf Energieeffizienz und Umsetzung von Umweltstandards. Deutsche Reeder bauen stärker auf Zusammenschlüssen und Kooperationen.

Bankkredite und Eigenkapital bleiben wichtig

Weitestgehend Einigkeit zwischen den deutschen und internationalen Reedern herrscht dagegen bei der Frage, wie sie ihre Flottenexpansion finanzieren wollen – „nämlich ganz überwiegend auch weiterhin mit Bankkrediten und mit Eigenkapital“, so Nieswandt. Das vor Ausbruch der Schifffahrtskrise weit verbreitete deutsche KG-Modell hat dagegen stark an Bedeutung verloren. Vor allem die internationalen Reeder setzen heute stärker auf Private Equity, deutsche Reeder dagegen auf Aktien-Emissionen.

Neue Strategien gefragt

Im siebten Jahr der Schifffahrtskrise haben vor allem die deutschen Reeder noch Hausaufgaben zu erledigen: „42 Prozent von ihnen geben an, dass sie früher erfolgreiche Geschäftsstrategien jetzt durch neue ersetzen müssen“, erklärt Nieswandt. „Lediglich  16 Prozent der deutschen Reedereien  halten eine Anpassung ihrer Strategie für ausreichend. Bei den internationalen Reedern sind es mehr als doppelt so viele, die nur an Stellschrauben drehen wollen anstatt völlig neue Strategien zu entwickeln.“

Auch die Vorstellungen über die Art und Weise, wie die Reeder den künftigen Herausforderungen im Markt begegnen wollen, gehen deutlich auseinander. Nieswandt: „Fast die Hälfte der internationalen Reeder plant, ihre Flotte auf Energieeffizienz und neue Umweltstandards zu trimmen – bei den deutschen Reedern sind es dagegen nur fünf Prozent. Auf Zusammenschlüsse und Kooperationen setzen dagegen 58 Prozent der deutschen und nur 30 Prozent der internationalen Reeder.“