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24.06.2014

Forschung und Innovationen sind nicht nur für große Konzerne, sondern auch für den Erfolg von mittelständischen Unternehmen entscheidend. Welche Vorteile eine Teilverlagerung der Entwicklung ins Ausland bringt, zeigt eine neue Studie.

Lokale Forschung und Entwicklung in Schwellenländern ermöglichen es, die Produkte für den jeweiligen Markt anzupassen (picture alliance/ Photoshot)

Wege zur Verlagerung der Forschung:

Wie Mittelständler Forschung und Entwicklung in Schwellenländer aufbauen können:

  1. Die Bildung eines Joint Ventures mit einem Unternehmen im Zielland, wie es zum Beispiel in China oft Bedingung ist, um überhaupt forschen zu dürfen. Dadurch kann auf lokal bereits vorhandenes Know-how zurückgegriffen werden. Neue Erkenntnisse werden jedoch zugleich mit dem Partnerunternehmen geteilt.
  2. Die Kooperation mit einer Universität im Zielland. Dies ist vor allem dann nützlich, wenn Grundlagenforschung gemeinsam mit einem neutralen Institut betrieben werden soll.
  3. Akquise von Firmen im Zielland, welche dann als neue lokale Forschungsabteilung ins Unternehmen eingebunden werden. Dadurch erwerben Firmen direkt Technologien, Mitarbeiter oder Patente und integrieren den erworbenen Betrieb in das eigene Unternehmen.
  4. Die Eröffnung einer Niederlassung, bei der durch eigene Mittel Mitarbeiter vor Ort angeworben und Strukturen aufgebaut werden. Dadurch erhöht sich die Chance, dass das erworbene Wissen in der eigenen Firma bleibt.

Die hier aufgeführten Wege dienen der Veranschaulichung und stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit dar.

Forschung in Schwellenländern liegt im Trend: Laut einer aktuellen Studie der Expertenkommission Forschung und Innovation sowie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft wollen zwei Drittel der deutschen Unternehmen ihre Forschungsaktivitäten in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China verstärken. Innovationen in aufstrebenden Märkten scheinen vor allem bei großen Konzernen zunehmend beliebter. Doch wie kann der Mittelstand davon profitieren? Und was spricht für ein verstärktes Forschungsengagement im Ausland?

Passende Produkte für neue Märkte

Erschließen Unternehmen einen neuen Markt, müssen sie ihre Produkte an die lokalen Begebenheiten und regulatorischen Vorgaben anpassen. Dazu sollten sie direkt vor Ort präsent sein, so die Experten des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. Generell könne es kostengünstiger sein, ein Produkt von vornherein vor Ort zu entwickeln. Teure Nachbesserungen könnten dadurch vermieden werden.
Der Aufbau von Forschung und Entwicklung im Zielmarkt bringt den Experten zufolge noch weitere Vorteile mit sich: So können Unternehmen in den Auslandsmärkten zusätzliches Wissen aufbauen und neue Fachkräfte für die Forschung rekrutieren. Gerade Firmen, die in den USA oder im westeuropäischen Ausland investieren, sind laut Studie häufig auf der Suche nach lokalem Know-how.

Die beliebtesten Länder nach Höhe der Forschungsausgaben sind:

  • die USA (39 Prozent),
  • Österreich und die Schweiz (jeweils 11 Prozent),
  • Japan (9 Prozent),
  • Frankreich (7 Prozent),
  • China (5 Prozent) und
  • Indien (4 Prozent).  

Damit sind die Forschungsaufwendungen deutscher Unternehmen im Ausland derzeit noch auf Industriestaaten konzentriert. Doch die BRIC-Staaten holen auf: Gemessen an der Zahl der Forschungsprojekte im Ausland schafft es China auf Platz 2 hinter den USA. Auf dem vierten Platz zieht Indien gleich mit Großbritannien, Österreich und der Schweiz.

Positive Auswirkungen auf den Heimatmarkt

Die Verlagerung von Forschungsaktivitäten ins Ausland kann auch zu Wissensrückflüssen führen, so die Autorin der Studie, Dr. Nina Czernich. Untersuchungen könnten belegen, dass zum Beispiel deutsche Unternehmen, die in Forschung in den USA investiert haben, auch vom dortigen Wachstum im Bereich Forschung und Entwicklung allgemein profitieren. Grundlagenforschung werde vor allem in Deutschland betrieben, während bei Forschungen in den BRIC-Ländern die experimentelle Entwicklung dominiere. Die Unternehmen, welche bereits in den Schwellenländern forschen, planen laut Studie überdurchschnittlich häufig, ihre Forschungsaktivitäten dort in den kommenden fünf Jahren weiter auszubauen.

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