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12.06.2014

Was Mittelständler über die Finanzierung von Unternehmen wissen sollten: Entgegen dem Trend in Südeuropa ist hierzulande Liquidität reichlich vorhanden. Viele mittelständische Unternehmen fragen sich deshalb zurzeit: Investieren oder nicht?

Erfolgreiche Braumeister – die Paulaner Brauerei finanziert ihren neuen Produktionsstandort durch eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. (Foto: picture alliance)

Nach einer Befragung von 4.000 Unternehmen, die Infratest im Frühjahr durchgeführt hat, sind die Unternehmer in Deutschland skeptisch, wenn es darum geht, Überschüsse wieder in den Betrieb zu stecken. Wie das Nachrichtenmagazin Focus berichtet, investiert der deutsche Mittelstand seine Überschüsse hauptsächlich in technische Infrastruktur (79 Prozent) und weniger in strategische Beteiligungen (17 Prozent). Die WirtschaftsWoche ergänzt, die Befragten stünden einer Finanzierung größerer Projekte durch Fremdkapital zurzeit generell sehr kritisch gegenüber. Zwei Drittel der Betriebe wollen demnach ihr Wachstum nicht durch Kredite finanzieren. Wie die WirtschaftsWoche weiter berichtet, steht deren Einstellung damit in einem deutlichen Gegensatz zu der von 75 Hochschulvolkswirten, die ebenfalls zu diesem Thema befragt wurden. Nur sieben Prozent der Volkswirte halten Investitionen ohne die Aufnahme von Fremdkapital für betriebswirtschaftlich sinnvoll.

Strategie und Zeitpunkt sind wichtig

Eine Möglichkeit für Unternehmen, Fremdkapital aufzunehmen, sind Hybridanleihen. Linde-Finanzchef Georg Denoke sieht in ihnen ein situationsabhängiges Instrument zur Finanzierung von Übernahmen, wie er gegenüber der Börsen-Zeitung ausführt: „Hybride sind vor allem in Zeiten geeignet, in denen man eine Großakquisition tätigt und die schnelle Entschuldung im Vordergrund steht.“ Derzeit erachtet er solche Anleihen für Linde aber als wenig sinnvoll. Generell hingen Übernahmen und Fusionen eher von der Strategie eines Unternehmens ab und nicht von den Bedingungen, unter denen sie aktuell finanziert werden könnten.

Schuldscheine sind gefragt

Ein erfolgreiches Comeback feiert hingegen derzeit das „urdeutsche Finanzprodukt Schuldschein“, berichtet das Handelsblatt. Ein gutes Beispiel dafür liefere die Paulaner Brauerei: Im vergangenen Jahr finanzierte sie durch eine Kombination verschiedener Finanzinstrumente – darunter neben Eigenmitteln, Grundstückserlösen und Krediten auch ein Schuldschein – einen neuen Standort in München. Laut Finanzchef Stefan Schmale gelang ihr dabei „eine der erfolgreichsten Emissionen des Jahres 2013“, denn allein über den Schuldschein habe das Unternehmen 180 Millionen Euro eingenommen. Wie das Handelsblatt erläutert, sind Schuldscheine eine Mischung aus Kredit und Anleihe, die jedoch nicht als Wertpapier gelten und daher kein Rating und keinen Wertpapierprospekt benötigen. Finanzexperten sehen in ihnen ein gutes Finanzierungsmittel für Mittelständler, vor allem für solide und etablierte Unternehmen. Immer mehr ausländische Investoren interessierten sich dafür. Unter den Investoren seien vor allem Banken, aber auch immer mehr Versicherer und Pensionskassen, weiß die Tageszeitung.

Hamburg verzeichnet weniger neue Unternehmen

Wie das Hamburger Abendblatt meldet, wagen immer weniger Menschen in der Hansestadt den Schritt in die Selbstständigkeit. Bereits 2012 habe es einen Rückgang bei den Firmengründungen um knapp zwölf Prozent gegeben und 2013 sei die Zahl der Gewerbeanmeldungen weiter gesunken. Neben mangelndem Mut sei das fehlende Startkapital ein Grund für diesen erneuten Rückgang, so das Abendblatt.

Drache in Fernost atmet durch

Mittelständler, die einen Verkauf ihres Unternehmens nach Fernost erwägen, dürfte das Ergebnis einer anderen Studie interessieren: Wie das Handelsblatt berichtet, ist das Interesse chinesischer Firmen an Akquisitionen in Europa vorübergehend zurückgegangen. Laut einer Erhebung der Unternehmensberatung Warth & Klein Grant-Thornton ist die Zahl der chinesischen Unternehmen, die durch Zukäufe im Ausland wachsen wollen, um 18 Prozent gesunken. Hauptgrund dafür sei der verschlechterte Wechselkurs von Yuan und Euro. Auch die derzeit schwache Konjunktur schrecke Unternehmen ab, langwierige Übernahmen anzugehen. Da die Banken bereits sehr viel Kapital verliehen hätten, würden sie sich bei der Vergabe neuer Kredite zurzeit stark zurückhalten.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Juni (beobachteter Zeitraum: 10. Mai bis 10. Juni 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsen-Zeitung, Focus, Hamburger Abendblatt, Handelsblatt, WirtschaftsWoche.