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11.09.2014

Käufer bewerten im Internet Produkte, Urlauber berichten über Hotels – und Angestellte beurteilen zunehmend ihre Arbeitgeber. Bewertungsplattformen für Unternehmen werden immer wichtiger. Warum, hat eine aktuelle Studie untersucht.

Arbeitnehmer nutzen immer häufiger Onlineportale, um ihre Arbeitgeber anonym zu bewerten. (Foto: fotolia / momius)

Drei von fünf Sternen für den Chef, vier Sterne für die Kollegen und noch mal drei für die Arbeitsatmosphäre. Diese und weitere Bewertungskategorien ergeben im Internetportal kununu den sogenannten Wohlfühlfaktor eines Unternehmens. Hinzu kommt der Karrierefaktor, zum Beispiel mit Angaben zu Gehalt und Sozialleistungen, Weiterbildung und dem Image der Firma. Selbst über Benefits wie Parkplätze und Mitarbeiterhandys informiert das Portal neugierige Bewerber schon vor dem ersten Arbeitstag.

Immer häufiger beurteilen Angestellte ihre Arbeitgeber im Internet. Das zeigt eine im April 2014 veröffentlichte Social-Media-Studie, die von der Cisar GmbH im Auftrag des Personalmanagement-Unternehmens ADP durchgeführt wurde. Der ADP Social Media Index (ASMI) erfasst die Anwendung von sozialen Medien im Personalbereich bei rund 240 deutschen Unternehmen.

Kein unbeschriebenes Blatt im Internet

Onlineplattformen zur Arbeitgeberbewertung sind laut der Studie in Deutschland stark im Kommen. Auf der Website kununu zum Beispiel stieg die Zahl der Unternehmen, die über mindestens zwei Bewertungen verfügen, von 69 Prozent im Dezember 2012 auf 80 Prozent im April 2014. Das 2007 gegründete Portal verzeichnet insgesamt über 674.000 Bewertungen zu mehr als 174.000 Firmen. Täglich kommen etwa 300 Einträge hinzu, wobei mittelständische Unternehmen ebenso häufig bewertet werden wie größere Konzerne. Damit zählt kununu – was in der ostafrikanischen Sprache Suaheli „unbeschriebenes Blatt“ bedeutet – im deutschsprachigen Raum zu den führenden Onlinebewertungsseiten für Arbeitgeber.

„Kununu setzt sich in den meisten Firmen durch“, stellt Walter Gora, Geschäftsführer von Cisar, fest und ergänzt: „Die Bewertungen werden zunehmend auch bei Xing angezeigt.“ Das Businessnetzwerk Xing hatte kununu im vergangenen Jahr für etwa 3,6 Millionen Euro übernommen. Seitdem erscheinen die Arbeitgeberbewertungen auch auf den Bildschirmen der rund sieben Millionen Xing-Mitglieder, was die Reichweite der Bewertungen deutlich erhöht. Mittlerweile bieten beide Plattformen Firmen an, neben den Meinungen der Mitarbeiter weitere Informationen bereitzustellen. Zum Beispiel ein Employer-Branding-Profil: eine ausführliche Unternehmensdarstellung mit Raum für Karrierevideos und Stellenanzeigen.

Worauf Unternehmen bei der Darstellung ihrer Betriebe in Onlinebewertungsportalen achten sollten, hat die Forschungsgesellschaft GfK Austria in einer Employer Branding Benchmark zusammengefasst. „Soft facts“, also eine sympathische Unternehmenskultur und Werte, mit denen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter identifizieren können, seien am wichtigsten, so das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 2.000 Personen in Österreich durch die GfK Austria.

Was Unternehmen von Bewertungen lernen können

Manche Unternehmen denken noch mit einer gewissen Scheu an Arbeitgeber-Bewertungsportale. Gerade wenn frustrierte Ex-Mitarbeiter ihren Dampf ablassen wollen. Doch dank der Kommentarfunktion der Portale können Unternehmen negative Bewertungen ins richtige Licht setzen. Strikte Richtlinien und die Kontrolle der Bewertungen durch die Anbieter sorgen ebenfalls dafür, dass übertriebene oder gar beleidigende Kommentare nicht zu sehen sind.

Die Portale bieten auch einige Chancen für Unternehmen, denn viele Bewerber schätzen einen offenen und transparenten Umgang mit Bewertungen mehr als Hochglanzbroschüren. Wenn Firmen zudem ein paar einfache Verhaltensregeln beherzigen, können sie die positiven Effekte leicht für sich gewinnen. Hier ein paar Tipps für Unternehmen:

  • Die eigenen Mitarbeiter ermutigen, sachliche und möglichst realitätsnahe Bewertungen zu schreiben. Das erhöht die eigene Glaubwürdigkeit. Bewerber, Praktikanten oder Auszubildende können ebenfalls ihre Stimmen abgeben.
  • Keine Bewertungen selbst erstellen, auch nicht durch Fachabteilungen. Denn geschönte Darstellungen fallen auf und ramponieren den Ruf.
  • Kritik ernst nehmen – wenn Unternehmen auf die negativen Kommentare eingehen und Dinge verbessern, ergeben sich mittel- bis langfristig auch bessere Kommentare. Das zahlt letztlich auch wieder auf die Gesamtbewertung ein.
  • Von Wettbewerbern gefälschte Bewertungen kommentieren oder melden, wenn sie zu weit gehen.
  • Bewertungsportale in die Employer Branding-Strategie einbeziehen. Premium-Profile der Anbieter liefern Möglichkeiten, um sich noch authentischer zu präsentieren. Dabei können auch Videos oder Anzeigen geschaltet werden. Durch die hohe Sichtbarkeit der Portale kann sich eine solche Investition durchaus lohnen.

Die Macht der sozialen Medien

Der Erfolg von Arbeitgeber-Bewertungsportalen bestätigt sich auch durch die wachsende Zahl solcher Angebote im Internet. So stehen neben kununu weitere Plattformen wie meinchef, jobvoting oder bizzwatch zur Verfügung, in denen Mitarbeiter ihre Vorgesetzten und Arbeitsplätze öffentlich bewerten können.

Über diese speziellen Bewertungsportale hinaus kann im Internet jedes soziale Medium zu einer Plattform werden, um über Arbeitgeber zu diskutieren und diese zu beurteilen. Wie der ADP Social Media Index dabei feststellte, steigt auch bei Arbeitgebern das Bewusstsein für die Macht sozialer Medien. Social Media zählen inzwischen für 30 Prozent der befragten Firmen zu wichtigen Rekrutierungskanälen. Die eigene Unternehmenswebsite bleibt mit 96 Prozent der am häufigsten genutzte Kanal. Es folgen LinkedIn mit 54 und Xing mit 52 Prozent. Facebook wird von rund jedem vierten Unternehmen (23 Prozent) genutzt.

Eine eigene Social-Media-Strategie für das Personalmanagement haben jedoch bislang nur 24 Prozent der befragten Unternehmen entwickelt. Zum Vergleich: In der ersten ADP-Erhebung im Dezember 2012 waren es mit acht Prozent noch weniger. „Diese Entwicklung zeigt, dass sich immer mehr Unternehmen Gedanken über eine Social-Media-Strategie machen und diese auch umsetzen“, resümiert Andreas Kiefer, Geschäftsführer von ADP.

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