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09.05.2014

Was Mittelständler über Unternehmensfinanzierung wissen sollten: von den Auswirkungen der Ukraine-Krise auf die Investitionsbereitschaft bis zur Angst vor fallenden Preisen.

Ausverkauf ist immer: Fallende Preise sind kein Problem, solange Konsumenten nicht erwarten, dass Waren und Dienstleistungen noch billiger werden. (Foto: picture alliance / Frank May)

Fragt man Mittelständler, wie die Geschäfte laufen, ist in der Regel selten Positives zu hören. Umso bemerkenswerter, findet die Süddeutsche Zeitung (SZ), sind die Unternehmensumfragen verschiedener Finanzinstitute, die derzeit allesamt von einer Trendwende sprechen. „Nach einer längeren Flaute rechnen die Institute wieder mit einem steigenden Investitionsbedarf“, fasst das Blatt zusammen. Die Unternehmen seien derzeit so zuversichtlich wie lange nicht. „Selbst die Ukraine-Krise kann die Stimmung nicht trüben“, so die SZ.

Investitionen in Russland stocken

Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sieht das anders: Die Vorstände seien besorgt über die unkalkulierbare politische Dimension der Ereignisse in der Ukraine, so die Tageszeitung. Auch wenn die Krise das laufende Geschäft kaum beeinträchtige, würden über aufgeschobene Investitionsentscheidungen doch wirtschaftliche Tatsachen geschaffen. „Und anders als etwa in Libyen und Iran ist Deutschland diesmal viel näher dran“, sagt Monika Hollacher, Russland-Referentin beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Als Beispiel führt die FAZ das mittelständische Abwasserunternehmen Envirochemie an, das seit 14 Jahren eine Niederlassung im russischen Jekaterinburg unterhält. Im laufenden Geschäft spüre man keine Beeinträchtigung, aber bei den Neuaufträgen stocke es. Vor allem weil rund die Hälfte des russischen Geschäfts mit internationalen Konzernen abgewickelt werde und diese dringende Investitionen hinauszögerten. Dagegen könne Geschäftsführer Gottlieb Hupfer wenig tun. „Doch was wir tun können, ist das Verständnis zwischen uns und unseren russischen Kollegen und Kunden auszubauen. Wir investieren daher trotz schwächeren Ausblicks mehr Zeit in Russland.“

Deflation verschreckt Unternehmer

Die Stimmung der Unternehmer trübt aktuell auch das „Schreckgespenst Deflation“, titelt Euro am Sonntag. In einem Gastbeitrag für das Magazin erklärt Frank Engels, Leiter des Rentenfondsmanagements der Fondsgesellschaft Union Investment, was die Ursachen und Folgen einer Deflation in Europa sein könnten. Es drohe eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wenn sich bei Unternehmen und Konsumenten die Erwartung verfestige, dass die Preise für Güter und Dienstleistungen immer weiter fielen. Viele Anschaffungen würden dann verschoben. Dieses Verhalten beinträchtige das Wachstum, was wiederum den Spielraum für künftige Lohn- und Preisanstiege einenge. „Befindet sich ein Land erst einmal in der Deflation, ist der Kreislauf nur noch schwer zu durchbrechen“, ist sich Engels sicher.

Eine wachsende Wirtschaft könnte die „bösartige“ Deflation in eine „gutartige“ Disinflation umwandeln, schreibt Andrew Bosomworth, Leiter des Portfoliomanagements beim Vermögensverwalter Pimco, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. Solange die Wirtschaft wachse, bestünde kein unmittelbares Risiko, in eine Deflationsspirale zu geraten, argumentiert Bosomworth.

Notenbank erwartet steigende Preise

Die Europäische Zentralbank (EZB) werde auch nicht tatenlos zusehen, bis die Deflation als Minuszeichen messbar werde, berichtet die SZ in einem zweiten Beitrag. Die Notenbank sei schon über die rückläufige Teuerung (Disinflation) besorgt. Um die Teuerungsrate in Europa in die Höhe zu treiben, könne die Geldmenge im Euroraum künftig gewaltig aufgestockt werden. Die Inflationsrate aber werde, das vermute die EZB zumindest bislang, im Zuge der wirtschaftlichen Erholung weiter steigen.

Manche Gefahren verschwinden schneller, als sie gekommen sind – und verkehren sich ins Gegenteil, weiß Die Zeit. Vor zwei Jahren hätten deutsche Experten noch gewarnt, der Euro werde immer schwächer und die Geldpolitik der EZB führe schnurstracks in die Inflation. Jetzt aber habe die Bank ganz andere Sorgen: die Aufwertung des Euro gegenüber anderen Währungen. „Viele Exporteure in Europa leiden darunter“, so Die Zeit. Um die Vergabe neuer Kredit zu unterstützen, überlege die EZB gerade, den Banken nicht nur Staatsanleihen abzukaufen, sondern auch Unternehmenskredite.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen aus der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate April und Mai (beobachteter Zeitraum: 7. April bis 8. Mai 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Euro am Sonntag, Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt und Süddeutsche Zeitung.