SUCHE

23.05.2014

Was Mittelständler über Unternehmensführung und eine erfolgreiche Nachfolge wissen sollten.

Er pflegt das Erbe seiner Familie: Anton Andreas Graf von Faber-Castell und Ehefrau Kate bei ihrer kirchlichen Hochzeit am 17. Mai 2014. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Jeder dritte Topmanager im deutschen Mittelstand sucht einen neuen Job. Das ergab eine Umfrage im Auftrag der Personalberatung Inter-Search unter 150 Vorständen, Geschäftsführern und Bereichsleitern, über die FAZ.net berichtet. Eine Überraschung, so die Onlineausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Denn viele mittelständische Unternehmen böten interessante Karriereoptionen mit interessanten Auslandsstationen und attraktiven Vergütungen. Ein wichtiger Grund für das Scheitern von Managerkarrieren im Mittelstand sei häufig ein schlechter Kontakt zum Inhaber, so die Erklärung der Personalberater.

Kekshersteller macht Externen zum Chef

Über eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Familienunternehmer und Manager berichtet hingegen das Wirtschaftsmagazin Brand eins: „Griesson-de Beukelaer schlägt sich gut im harten Geschäft mit Gebäck. Dank einer speziellen Mischung aus Tradition, Technik und Marketing.“ Ein kluger Schachzug von Seniorchef Heinz Gries sei es gewesen,  mit Andreas Land im Jahr 1998 einen Externen zu seinem Nachfolger zu machen. Junior Peter Gries gab sich mit der Rolle des Pressesprechers zufrieden.

Liebesperlen überstehen viele Krisen

In der Süßwarenfabrik von Rudolf Hoinkis ließ man sich für die Übergabe der Unternehmensführung 20 Jahre Zeit. Dem Erfinder und Hersteller von Liebesperlen stellt das Magazin Impulse vor: Das Familienunternehmen überstand nicht nur zwei Weltkriege, sondern auch die Enteignung im Jahr 1972 durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands sowie die deutsche Wiedervereinigung 1989. Der aktuelle Firmenchef Mathias Hoinkis fand es richtig, langsam in die Verantwortung hineinzuwachsen. „In der Phase, in der man noch einen gewissen Abstand zur Geschäftsführung hat, kann man auch erkennen, wo etwas verbessert werden muss“, sagt Hoinkis. Schrittweise schenkte sein Vater ihm Anteile, das sparte Steuern, so Impulse. Seit die Firma wieder in Familienhand ist, schreibt sie schwarze Zahlen.

Bleistifte trotzen dem Trend

Mit Anton Andreas Graf von Faber-Castell führt die Familie den Roller- und Stiftehersteller bereits in achter Generation. „Er pflegt das Erbe seiner Familie wie kaum eine Generation vor ihm“, so das Handelsblatt. Um den Verkauf der bekannten Stifte anzukurbeln, will Faber-Castell nun mehr Läden in Deutschland eröffnen. „Mit dieser Strategie stellt sich das Unternehmen gegen den Trend“, ordnet die Zeitung ein. Viele Einzelhändler in den Innenstädten verschwänden aufgrund des wachsenden Onlinehandels. „Für einen Markenartikler wie Faber-Castell wird es immer wichtiger, sich Bühnen zu schaffen, in denen die Marke attraktiv und gut sichtbar präsentiert wird“, erwidert Anton Graf von Faber-Castell.

Auf dem Weg zu einer perfekten Führung

Dass es nicht leicht ist, ein Unternehmen zu übernehmen, erklärt die Chefin des Outdoor-Ausrüsters Vaude, Antje von Dewitz, ebenfalls dem Handelsblatt. „Das ist ein Prozess“, sagt sie im Interview mit der Tageszeitung. Das Unternehmen arbeite stark an einer Vertrauenskultur und schule auch die Führungskräfte dahingehend. „Wer schon lange hier arbeitet, muss heute eine andere Rolle ausfüllen“, sagt die Chefin – etwa Verantwortung an die Mitarbeiter abgeben und dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. „Wir werden nie perfekt sein, aber wir sind schon ganz schön weit“, so von Dewitz.

Der Erfolg kommt von allein

Die Überraschung des Sommers im deutschen Mittelstand ist die Firma Birkenstock. Einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (SZ) zufolge, erlebt die Marke – trotz Sanitätshaus-Charme sowie Verzicht auf Marketing und Außendienst – das erfolgreichste Jahr ihrer Geschichte. Oliver Reichert, einer der beiden Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens, nennt Birkenstock einen schlafenden Riesen. Seinen Angaben zufolge laufe es schon gut – aber das Potenzial sei nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft. Reichert spricht von einem „dramatisch dreistelligen Millionenumsatz“, der im zweistelligen Bereich wachse. Bis 2020 sollen sich die Verkäufe verdoppeln. Was das in echten Zahlen bedeute, könne man erst im Oktober ablesen, so die SZ. Dann werde Birkenstock zum ersten Mal ein Konzernergebnis veröffentlichen.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.
Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Mai (beobachteter Zeitraum: 21. April bis 21. Mai 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Brand eins, FAZ.net, Handelsblatt, Impulse, Süddeutsche Zeitung.