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15.04.2014

Was Mittelständler über Unternehmensfinanzierung wissen sollten: von einer zögerlichen Kreditaufnahme in Deutschland über die Umbaupläne bei Haniel bis zu den internationalen Megadeals bei den Fusionen und Übernahmen.

Sucht Beteiligungen im deutschen Mittelstand: Stephan Gemkow, Vorstandsvorsitzender der Holding Franz Haniel & Cie., bei der Bilanzpressekonferenz in Duisburg. (Foto: picture alliance)

Gute Wirtschaftsaussichten lassen deutsche Unternehmen wieder mutiger werden, berichtet Spiegel Online. Viele Unternehmen in Deutschland zögerten noch bei der Kreditaufnahme – mit anziehender Konjunktur könnte sich das nun ändern. So rechne die staatliche Förderbank KfW mit einer steigenden Kreditnachfrage in diesem Jahr. „Endlich sehen wir die Trendwende bei den Unternehmensinvestitionen“, erklärt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW, gegenüber Spiegel Online. Die erwartete konjunkturelle Belebung werde die Kapazitäten der Unternehmen bis Ende 2014 auslasten. In der Folge würden größere Investitionen nötig, die verstärkt über Kredite finanziert werden müssten.

Beim Mittelstand brummt das Geschäft

Die Erwartungen der KfW werden von einer Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform bestätigt: Vielerorts seien die Auftragsbücher voll, die Umsätze steigend und die Stimmung blendend. „Es brummt beim deutschen Mittelstand“, titelt daraufhin die WirtschaftsWoche (WiWo). Für 2014 sprächen die Zeichen für einen kräftigen Aufschwung. Laut einer Creditreform-Studie bezeichneten mehr als die Hälfte der insgesamt 3.996 befragten Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern die aktuelle Geschäftslage als „sehr gut“ bis „gut“. Dank des milden Winters zeigten sich vor allem die Bauunternehmen zufrieden, so WiWo. Auch im verarbeitenden Gewerbe, im Handel und im Dienstleistungssektor sei die Stimmung besser als im Vorjahr.

Laut der Börsen-Zeitung bestätigen alle einschlägigen Stimmungs- und Marktindikatoren: Das Finanzierungsumfeld deutscher Unternehmen ist stabil. Die aktuellen Kreditstandards der Banken deuteten Entspannung an und die Kreditzinsen verharrten auf sehr niedrigem Niveau. Mögliche Finanzierungsrisiken könnten sich allerding aus der Bankenregulierung ergeben. Unklar sei, ob die geplante Europäische Bankenunion die Fragmentierung der Finanzmärkte und die damit einhergehenden Hemmnisse bei der Unternehmensfinanzierung beseitigen werde. Manches deute darauf hin, dass die umfangreiche Regulierungsagenda erhebliche negative Auswirkungen auf (Langfrist-)Finanzierungen und das Risikomanagement der Industrie haben könnte, meint Ulrich Grillo, Unternehmer und Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie. „Es wäre geradezu unverantwortlich, die Realwirtschaft durch eine nicht ausbalancierte neue Finanzmarktarchitektur zu schwächen“, so Grillo.

Haniel stellt sich neu auf

Den nötigen finanziellen Spielraum für neue Investitionen im Mittelstand verschaffte sich jüngst der Haniel-Konzern. Nach dem Verkauf des Pharmaunternehmens Celesio stünden nun rund 1,3 Milliarden Euro für Übernahmen zur Verfügung, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Der Konzern stehe an einem Wendepunkt. „Wir werden jetzt eine neue Phase einleiten“, sagte Haniel-Chef Stephan Gemkow auf der Bilanzpressekonferenz. „Mein Zielbild ist eine Portfolio-Gesellschaft mit insgesamt acht bis elf Beteiligungen im Mittelstand.“ Die potenziellen neuen Haniel-Töchter sollten nicht an der Börse notieren und so positioniert sein, dass sich die zyklischen Schwankungen der jeweiligen Geschäftsfelder im Idealfall ausglichen. Mindestens zwei bis drei Jahre will sich der frühere Lufthansa-Vorstand Gemkow für diesen Umbau Zeit lassen, so die SZ.

„Das Übernahmekarussell hat 2014 Fahrt aufgenommen“, berichtet Börse Online. Weltweit seien bereits mehrere Deals im zweistelligen Milliardenbereich über die Bühne gegangen, und Marktteilnehmer rechneten mit anhaltend regen Aktivitäten im Bereich Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A). Von einer Euphorie wie in den Jahren 1999 und 2007 sei aber heute noch nichts zu spüren. „In den vergangenen Jahren setzten Marktteilnehmer wie wir immer auf einen M&A-Aufschwung, doch das hat sich dann immer als falsch erwiesen“, räumt die Aktienstrategin Savita Subramanian von der Bank of America Merrill Lynch ein. Im Jahr 2013 lag das weltweite M&A-Volumen mit 2,22 Billionen US-Dollar knapp unter dem Wert von 2012 und 43 Prozent unter dem Niveau des Rekordjahrs 2007. „Klassischerweise nimmt M&A in der Spätphase eines Börsenaufschwungs zu, weil dann potenzielle Käufer über volle Kassen und eine gute Akquisitionswährung verfügen“, erklärt Roger Peeters, Vorstand bei Close Brothers Seydler Research. „In einer solchen Phase befinden wir uns.“

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen aus der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate März und April (beobachteter Zeitraum: 14. März bis 9. April 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsen-Zeitung, Börse Online, Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung, WirtschaftsWoche.