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08.06.2015

SEPA ist seit dem 1. August 2014 das einheitliche Zahlungssystem innerhalb der Europäischen Union. Gut etabliert, treten dennoch Fehler bei der technischen Abwicklung auf, dessen Folgen sich Unternehmer bewusst sein müssen.

Einfacher Geldtransfer – Das europaweit einheitliche Zahlungssystem bringt für Verbraucher und Firmen unterschiedliche Vorteile mit sich. (Foto: picture alliance / picture alliance/chromorange)

„Effizient arbeiten, keine Fehler machen“

In Europa gibt es einen einheitlichen Wirtschaftsraum, eine einheitliche Währung und mit SEPA einen einheitlichen Zahlungsverkehr. Verläuft dieser unter diesen Voraussetzungen störungsfrei?
Yoram Matalon: Technisch läuft es im Prinzip gut, aber dennoch kommt es immer noch zu Fehlern. Und wenn etwas schiefläuft, wird es oft teuer.

Weshalb wird es teuer?
Yoram Matalon:  Ein Fehler im Zahlungsverkehr ist oft nur mit erheblichem Aufwand zu korrigieren und kann zu Vermögensschäden führen.

Wie entstehen diese Fehler?
Yoram Matalon: Von außen betrachtet, wirkt der Zahlungsverkehr vielleicht relativ einfach. Die technische Abwicklung ist jedoch sehr komplex. Kleine Prozessfehler können deshalb große Folgen haben. Deshalb versuchen alle Banken ihre Abläufe so weit wie möglich zu automatisieren und zu standardisieren. Fehler können aber auch entstehen, wenn Prozesse bei einer Bank nicht hundertprozentig stabil laufen oder nicht ausgereift genug sind.

Yoram Matalon

Yoram Matalon, Leiter Transaction Banking der HSH Nordbank (Foto: Sven Wied)

Was machen die Banken, um diese Fehler zu verhindern? 
Yoram Matalon: Fast alle Institute investieren viel in die Verbesserung ihrer Prozesse und in die Qualität ihrer Arbeit. Die Ergebnisse sind dennoch unterschiedlich.

Woran kann ein Unternehmer erkennen, wie gut eine Bank beim Zahlungsverkehr ist?
Yoram Matalon: In der Industrie gibt es den TÜV und andere Qualitätssiegel. Im Dienstleistungsbereich gibt es etwas Vergleichbares, nämlich ein Qualitätsmanagement nach einer ISO-Norm. Diese Norm ermöglicht ein sicheres, nachhaltiges Prozessmodell.

Arbeiten Sie auch danach?

Yoram Matalon: Ja, wir als HSH Nordbank haben das System ebenfalls eingeführt. Neben exakten und auf den Kundenbedarf ausgerichteten Prozessen ist dabei auch ein nachhaltiger, kontinuierlicher Verbesserungsprozess wichtig. Am Ende haben wir uns einer externen Prüfung durch die DQS GmbH, Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen, nach ISO 9001 für die Bereiche Außenhandelsfinanzierung/ Zahlungsverkehr und Konto unterzogen.

Müssen die ISO-Prüfungen nur einmal bestanden werden oder werden die Standards regelmäßig überprüft?
Yoram Matalon: Das System wird intern permanent geprüft, einmal im Jahr gibt es zusätzlich eine externe Prüfung. Das Ganze ist als kontinuierlicher Verbesserungsprozess zu begreifen.

Was kann ein Unternehmen machen, um eine Bank zu finden, die einen stabilen, sicheren Zahlungsverkehr bietet?
Yoram Matalon: An der Oberfläche sieht es bei allen Banken gleich aus, das macht eine schnelle Beurteilung manchmal schwierig. Ich denke, neben den Kosten und der Fähigkeit, die geforderten Zahlungsströme überhaupt abwickeln zu können, ist tatsächlich ein Blick auf die ISO-Normen hilfreich. Im Endeffekt geht es darum, eine Bank zu finden, die effizient arbeitet – und die keine Fehler macht.

Was ist SEPA?

SEPA steht für Single Euro Payments Area – das neue System soll den Zahlungsverkehr zwischen den Mitgliedsländern der Eurozone vereinheitlichen. Die bislang verwendeten Kontonummern und Bankleitzahlen werden damit ungültig. Ersetzt werden sie durch die International Bank Account Number (IBAN) und den Business Identifier Code (BIC).

Acht SEPA-Fakten für Unternehmer:

1. Welche Vorteile bringt SEPA für Unternehmen?

Seit der Umstellung des Zahlungsverkehrs auf SEPA gelten einheitliche Verfahren und Formate für alle Transaktionen. Unternehmen brauchen damit nur noch ein Konto für den gesamten Eurozahlungsverkehr. Die Bankverbindungsdaten von Geschäftspartnern, auch im europäischen Ausland, werden auf die jeweilige IBAN und BIC reduziert. Darüber hinaus ermöglicht SEPA eine bessere Liquiditätssteuerung mithilfe des neuen konkreten Fälligkeitsdatums für Zahlungsströme.

2. Sind Unternehmen bereits voll IBAN-basiert?

Seit dem 1. August 2014 müssen Unternehmen und Vereine mit Bankgebühren rechnen, wenn sie noch ihre alten Kontodaten im Zahlungsverkehr etwa mit Kunden oder Lieferanten benutzen. Denn seit diesem Datum sieht das integrierte europäische Zahlungsverfahren SEPA die Kontokennung IBAN als zentrales Identifikationsmerkmal bei Geldbewegungen zwischen Konten vor. Verbraucher haben mit der Umstellung mehr Zeit. Sie dürfen noch bis 1. Februar 2016 mit der Kombination aus alter Kontonummer und Bankleitzahl Überweisungen in Auftrag geben.

3. Wie geht SEPA mit Daueraufträgen um?

Wer zum Umstellungsdatum als Unternehmer bereits bestehende Daueraufträge zu anderen Konten hatte, dessen Kontendaten wurden in der Regel automatisch von der Bank zum Startdatum des neuen Zahlungssystems auf SEPA umgestellt.

4. Wie werden frühere Einzugsermächtigungen behandelt?

Einzugsermächtigungen gibt es im neuen Zahlungssystem nicht mehr. Sie wurden zum 1. August 2014 durch das SEPA-Basis-Lastschriftmandat ersetzt. Bereits erteilte Einzugsermächtigungen wurden in ein SEPA-Mandat umgedeutet. Der Zahlungsempfänger muss dem Zahlungspflichtigen dazu seine Gläubiger-Identifikationsnummer (bei der Deutschen Bundesbank unter www.glaeubiger-id.bundesbank.de bestellbar) und die Mandatsreferenz (zum Beispiel eine Kunden- oder Rechnungsnummer) im SEPA-Lastschriftmandat schriftlich mitteilen.

5. Wie funktioniert das SEPA-Basis-Lastschriftmandat?

Eine solche Vollmacht ist die rechtliche Legitimation für den Einzug von SEPA-Basis-Lastschriften – das Mandat umfasst die Zustimmung des Zahlers zum Zahlungseinzug und der damit verbundenen Belastung seines jeweiligen Kontos. Das SEPA-Lastschriftmandat kann einmalig oder wiederkehrend gelten. Erfolgt bei einer wiederkehrenden Lastschrift 36 Monate nach dem ersten Einzug kein erneuter Einzug, erlischt das SEPA-Basis-Lastschriftmandat und muss erneuert werden.

6. Hat sich auch etwas bei den Abbuchungsaufträgen geändert?

Ja, auch die Abbuchungslastschrift entfiel im Zuge der SEPA-Einführung. Stattdessen können Zahlungsempfänger das SEPA-Basis-Lastschriftverfahren (für Verbraucher) oder das SEPA-Firmen-Lastschriftverfahren (für Unternehmen) vereinbaren. Das SEPA-Firmen-Lastschriftverfahren kann nur unter Nicht-Verbrauchern vereinbart werden und kann vom Zahlungspflichtigen nicht wegen Widerspruchs zurückgegeben werden.

7. Welche Einreichungspflichten gelten bei den neuen Lastschriften?

Beim SEPA-Basis-Lastschriftverfahren gilt: Wird die erste Lastschrift eingereicht, muss diese sechs Tage vor Fälligkeit bei der Bank des Zahlungsempfängers vorliegen. Bei zugehörigen Folgelastschriften reichen zwei Tage im Voraus aus. Für inländische Lastschrifteinzüge besteht bereits seit dem 4. November 2013 im EBICS-Verfahren die Möglichkeit, Lastschrifteinzüge mit einer verkürzten Vorlauffrist von zwei Tagen vor Fälligkeit einzureichen, die so genannte SEPA-Basis-Lastschrift COR1.

8. Brauchen Unternehmen eine neue Zahlungsverkehrssoftware?

Die Hersteller von Zahlungssoftware wurden über die Neuerungen durch das SEPA-Verfahren informiert und sollten entsprechende Anpassungen vorgenommen haben. Informationen zu aktuellen Updates Ihrer Software sollten Sie direkt beim Hersteller erfragen. Sofern Sie eine eigenentwickelte Software einsetzen, sollten Sie diese rechtzeitig SEPA-fit machen.

SEPA: Die wichtigsten Informationen zu SEPA in der Infografik (Quelle: picture-alliance / dpa-Grafik)

Über SEPA

Im Jahr 2000 legte die Europäische Union (EU) den Grundstein für einen gemeinsamen, bargeldlosen Zahlungsverkehr – die Single Euro Payments Area, kurz SEPA. Um ein entsprechendes Verfahren für die Abwicklung von Euro-Zahlungen zu schaffen, wurde 2002 die europäische Kreditwirtschaft den European Payments Council (EPC) gegründet. Eine EU-Verordnung stellt außerdem sicher, dass für grenzüberschreitende Euro-Zahlungen im Währungsraum bis zu einem Betrag von 50.000 Euro die gleichen Gebühren erhoben werden, wie für Euro-Zahlungen im Inland.

Die SEPA-Überweisung wird seit dem 28. Januar 2008 von rund 4.500 Zahlungsdienstleistern in Europa angeboten. Seit dem 2. november 2009 steht auch die SEPA-Lastschrift zur Verfügung. Angeboten wird eine sogenannte Basisvariante sowie ein Verfahren für den ausschließlichen Zahlungsverkehr mit Geschäftskunden – die SEPA-Firmenlastschrift.

Insgesamt 32 europäische Länder nehmen an SEPA teil: die 27 EU-Mitgliedsstaaten, die drei Staaten der europäischen Währungsunion Island, Norwegen, Liechtenstein sowie die Schweiz und Monaco. Für die Nicht-EWR-Mitglieder Schweiz und Monaco gilt allerdings die Sondersituation, dass sie zwar an die SEPA-Regelwerke, nicht aber an die EU-Verordnungen und -Richtlinien gebunden sind.

(Quellen: Deutsche Bundesbank; Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.)

Ralf Kesten

Nico Frommholz, Leiter Cash Management der HSH Nordbank (Foto: Studioline Kiel)

„Großen Aufwand betrieben“

Vor knapp einem Jahr wurde die Single European Payment Area (SEPA) eingeführt. Wie sind die Erfahrungen damit?
Nico Frommholz: Die Einführung ist reibungsloser verlaufen, als wir gedacht haben. Sowohl bei den Banken als auch bei den Unternehmen gab es so gut wie keine Probleme.

Dabei hatten viele gefürchtet, es könnte zu einem gewissen Chaos im Zahlungsverkehr kommen. 
Nico Frommholz: Im Endeffekt hat alles gut geklappt, was wohl auch damit zu tun hat, dass ursprünglich der 1. Februar 2014 als Datum für die Umstellung geplant war. Dann wurde die SEPA-Einführung auf den 1. August verschoben – dieses zusätzliche halbe Jahr haben Banken und Unternehmen gut genutzt. Alle haben großen Aufwand betrieben, aber das hat sich dann auch ausgezahlt.

Das Projekt war teuer. Ist der Zahlungsverkehr in Europa damit so viel einfacher und günstiger geworden, dass man sagen kann, die Umstellung hat sich gelohnt?  
Nico Frommholz: Mittelständische Unternehmen, die viel Geschäftsverkehr mit dem europäischen Ausland haben, merken sicherlich einen positiven Effekt. Wenn die Unternehmen SEPA richtig nutzen, können sie ihren Zahlungsverkehr in einem Land konzentrieren, das steigert die Effizienz und senkt die Kosten. Je europäischer Unternehmen aufgestellt sind, desto stärker werden sie diesen Vorteile von SEPA nutzen. Generell ist der Zahlungsverkehr günstiger geworden. Eine SEPA-Überweisung ins europäische Ausland ist nicht mehr teurer als eine Inlandsüberweisung.

In der zweiten SEPA-Stufe müssen ab Februar 2016 alle Privatleute SEPA nutzen. Wird es zu Schwierigkeiten kommen?
Nico Frommholz: Das glaube ich nicht. Der IBAN hat sich schneller durchgesetzt als viele gedacht haben. Viele nutzen ihn heute schon.

Gibt es auch Nachteile von SEPA?
Nico Frommholz: SEPA ist ein Standard über viele Ländergrenzen hinweg. Dabei haben sich aber zahlreiche „Dialekte“ herausgebildet. Viele Unternehmen digitalisieren ihre Prozesse immer weiter. Wenn es zu aber zu vielen Abweichungen bei dem Standard kommt, führt das bei der technischen Anbindung der Bankkonten in der Unternehmens-IT zu manchen Herausforderungen.