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Ukraine-Krise
28.04.2014

Eine Zuspitzung der Krise in der Ukraine würde die deutsche Konjunktur hart treffen. Im schlimmsten Fall halbiert sich das Wirtschaftswachstum, befürchtet das Institut für Weltwirtschaft. Börsianer zeigen sich davon noch unbeeindruckt.

Prorussische Milizen in der Stadt Slowjansk im Osten der Ukraine: Die Lage in dem osteuropäischen Land ist angespannt. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Folgen eines militärischen Konflikts zwischen Russland und der Ukraine könnten die deutsche Wirtschaft deutlich stärker beeinträchtigen, als viele Volkswirte bislang annahmen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Weltwirtschaft (IfW), Wissenschaftspartner von Unternehmer Positionen Nord, in einer Berechnung für das Manager Magazin. Nach den Erkenntnissen der Kieler Forscher würde bereits ein moderater Rückgang der Exporte in Kombination mit einer Verteuerung des Ölpreises ausreichen, um das Plus beim deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr zu halbieren.

Für das Manager Magazin gingen die Experten in einem von vier möglichen Szenarien von folgenden Annahmen aus: Die deutschen Exporte nach Russland sinken um zehn Prozent, die Ausfuhren nach Brasilien und Indien gehen aufgrund von Währungsturbulenzen um je fünf Prozent zurück. Zudem wird der chinesische Renminbi um fünf Prozent abgewertet, um die chinesischen Exporte zu stützen. Gleichzeitig steigt der Ölpreis durch die Reduzierung der russischen Energielieferungen um 20 Dollar pro Barrel.

Diese Annahmen hätten einschneidende Folgen: Die Zunahme des deutschen BIP im Jahr 2014 würde von den bisher angenommenen 1,9 auf ein Prozent abstürzen. Das Wachstum der deutschen Exporte würde sich von 7,2 auf 3,6 Prozent halbieren. Und die Zahl der Arbeitslosen würde wieder über die Drei-Millionen-Marke steigen (siehe Szenario 2).

Hintergrund der Berechnungen

Die Zahlen in den Szenarien sind prozentuale Abweichung vom Basisszenario. Bei der Inflationsrate handelt es sich um Prozentpunkte, die die Inflationsrate vom Basisszenario abweicht. Die Arbeitslosigkeit ist angegeben als Veränderung der Zahl der Arbeitslosen.

Dazu ein Beispiel: Im Jahr 2014 rechnet das IfW mit einem BIP-Wachstum von 1,9 Prozent. Tritt Szenario 1 ein, sollte das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozentpunkte niedriger ausfallen.

Geringe Handelsverflechtung mit Russland

Von den insgesamt vier berechneten Szenarien hält Dr. Björn van Roye vom IfW die Varianten 1 und 2 für plausibler als die beiden anderen: „Die Effekte im ersten Szenario halten sich doch sehr in Grenzen, was unter anderem mit der relativ geringen Handelsverflechtung zwischen Deutschland und Russland zu tun hat“, erklärt van Roye. Russland belegte im Jahr 2013 unter den deutschen Exportpartnern mit einem Anteil von 3,3 Prozent nur Rang elf. Mit einem Eintreten der Szenarien 3 und 4 rechnet er nicht. „Das wäre eine wirklich desaströse Krise für Russland, Brasilien und Indien“, so der Experte. Einen spürbaren Effekt auf die Börsen und speziell auf die europäischen Aktienmärkte hat die Ukraine-Krise im Übrigen noch nicht. 

Basisszenario Deutschland:

BIP Importe Exporte Arbeitslosigkeit Inflationsrate
2014 1,9 7,3 7,2 -1,4 1,5
2015 2,5 9,0 7,5 -1,7 2,5
2016 2,6 9,3 8,0 -2,7 3,2

Szenario 1: Die Importe gehen in Russland um zehn Prozent zurück sowie um fünf Prozent in Brasilien und Indien. Der Renminbi wird um fünf Prozent abgewertet, um die Exporte Chinas zu stützen.

BIP Importe Exporte Arbeitslosigkeit Inflationsrate
2014 -0,2 -0,6 -1,1 -0,8 -0,2
2015 -0,1 0,6 -0,4 0,6 -0,1
2016 -0,1 0,2 -0,5 0,8 0,0

Szenario 2: Die Importe in Russland gehen um zehn Prozent zurück sowie um fünf Prozent in Brasilien und Indien. Der Renminbi wird um fünf Prozent abgewertet, um die Exporte Chinas zu stützen. Zudem steigt der Ölpreis um 20 US-Dollar pro Barrel.

BIP Importe Exporte Arbeitslosigkeit Inflationsrate
2014 -0,9 -4,3 -3,4 3,7 0,4
2015 -1,3 -6,5 -5,1 5,6 -0,2
2016 -1,0 -5,6 -4,9 0,8 -0,2

Szenario 3: Die Importe in Russland gehen um 25 Prozent zurück sowie um zehn Prozent in Brasilien und Indien. Der Renminbi wird um zehn Prozent abgewertet, um die Exporte Chinas zu stützen.

BIP Importe Exporte Arbeitslosigkeit Inflationsrate
2014 -0,5 -1,8 -2,5 -0,3 -0,4
2015 -0,3 -0,2 -1,7 3,4 -0,3
2016 -0,2 0,4 -1,3 4,1 -0,1

Szenario 4: Die Importe gehen in Russland um 50 Prozent zurück sowie um 20 Prozent in Brasilien und Indien. Der Renminbi wird um 20 Prozent abgewertet, um die Exporte Chinas zu stützen.

BIP Importe Exporte Arbeitslosigkeit Inflationsrate
2014 -1,0 -3,8 -5,2 1,1 -0,7
2015 -1,0 -2,2 -4,3 8,3 -0,8
2016 -0,9 -0,9 -3,4 8,4 -0,5
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