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25.04.2014

Was Mittelständler über das Geschäft außerhalb des Heimatmarkts und speziell mit China sowie über die Krise in der Modebranche wissen sollten.

Volkswagen-Präsentation auf der internationalen Autoshow in Beijing: Für die deutschen Autobauer und auch für Unternehmen aus anderen Branchen, die in China Geschäfte machen wollen, fordert Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel Handelserleichterungen. (Foto: picture alliance / dpa)

Die deutschen Mittelständler stehen europaweit mit an der Spitze: 45 Prozent der Unternehmen, die GE Capital für eine Studie befragte, blicken positiv in die Zukunft. Nur in Großbritannien ist die Zuversicht mit 54 Prozent noch größer. Das berichtet die Börsen-Zeitung und schätzt, „dass die deutschen Unternehmen im Konjunkturzyklus viel weiter sind als die Unternehmen in anderen Volkswirtschaften, die sich nach der Krise noch im Erholungsmodus befinden“. Auch die Investitionspläne der deutschen Mittelständler seien mit 136 Milliarden Euro im Jahr 2014 weit höher als in anderen Ländern, so die Börsen-Zeitung. Die durchschnittliche Investitionssumme läge laut GE Capital pro Betrieb in Deutschland aktuell bei 115.200 Euro. Zum Vergleich: In Großbritannien investierten die Firmen mit 70.000 Euro im Schnitt deutlich weniger.

Das Auslandsgeschäft wird immer wichtiger

Grund für den Optimismus deutscher Unternehmen ist wohl auch das starke Geschäft mit dem Ausland. „Kein Land ist international so gut vernetzt“, sagt Cornelius Baur, Deutschland-Chef der Beratungsfirma McKinsey, im Interview mit dem Manager Magazin. „Nach unseren Statistiken rücken in den nächsten zehn Jahren rund eine Milliarde Asiaten in Einkommensschichten, die ihnen kräftigen Konsum ermöglichen. Das wird auch für Deutschland weiteres Wachstum bringen.“ Die Welt zitiert aus einer Studie des Instituts Oxford Economics, nach der bis zum Jahr 2016 jeder zweite deutsche Mittelständler etwa die Hälfte seines Umsatzes im Ausland erzielen wird.

Reiche Chinesen stehen im Stau

Wegen solcher Wachstumsaussichten sind wohl auch die deutschen Autobauer im China-Fieber, wie die Wirtschaftswoche (Wiwo) berichtet. Chinesen, die es sich leisten könnten, griffen zu einem der klassischen Premiumprodukte aus dem Mutterland des Automobils. Volkswagen, Audi, Porsche, BMW oder Mercedes: Alle deutschen Marken konnten laut Wiwo im abgelaufenen Jahr ihren Absatz zweistellig steigern. Die deutschen Autohersteller wollten deshalb ihr Angebot zügig ausbauen und auch die Produktion in China erweitern. Den Trend bestätigt Thomas Welte, China-Experte und Berater der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Autaco in China, in einem Interview mit dem Handelsblatt: „Das Auto gilt mehr als die Wohnung“, so Welte. Die schiere Größe des Fahrzeugs habe für chinesische Kunden eine hohe Bedeutung. Es stehe sich im Maybach eben besser im Stau als im Kleinwagen.

Partnern auf Augenhöhe begegnen

Um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Deutschland zu stärken, reiste Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit einer Delegation nach Beijing, die vorrangig aus mittelständischen Unternehmern bestand. Ziel der Reise war laut Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), mehr Gleichberechtigung für deutsche Unternehmen zu erreichen. Vor allem der Joint-Venture-Zwang in der Automobilindustrie hemme den Handel zwischen China und der Bundesrepublik, so die FAZ. Aktuell dürften deutsche Unternehmen nur zusammen mit einem chinesischen Partner Geschäfte machen. Auch der Technologietransfer sei als Zwangsvoraussetzung für den chinesischen Markt ein Problem. Gabriel fordere eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“. Nötig seien dafür der Schutz von Patenten und eine faire Beteiligung deutscher Firmen an chinesischen Ausschreibungen, notwendig sei aber auch, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu reformieren. Die chinesische Regierung wisse, so Gabriel, dass die von ihr beabsichtigte Öffnung des Markts nur funktioniere, wenn sie mit mehr Rechtssicherheit, Fairness und Gleichberechtigung einhergehe.

Die Annäherung zwischen deutschen und chinesischen Firmen verläuft oft schrittweise, erklärt Moritz Freiherr Schenck, Partner der Beratungsgesellschaft KPMG, im Handelsblatt. Zuerst gingen die deutschen Unternehmen meist Partnerschaften beim Vertrieb oder in der Produktion mit einer chinesischen Firma ein. So könne Vertrauen aufgebaut werden. „Irgendwann ist man dann so weit, die Zusammenarbeit auch auf die Gesellschafterebene auszuweiten“, so Schenck.

Wie mit der chinesischen Konkurrenz umgehen

„Solange sie uns nicht kopieren, können sie uns nicht überholen“, sagt Rainer Hundsdörfer, Vorsitzender der Geschäftsführung des mittelständischen Unternehmens EBM-Pabst, im Interview mit der Börsen-Zeitung. In Baden-Württemberg stellt der Betrieb Elektromotoren und Ventilatoren her und erwirtschaftet mit knapp 11.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro jährlich. Der Chef beobachte die immer besser werdende Qualität der Kopien seiner älteren Produkte aus Fernost und bewundere die niedrigen Kosten, zu denen diese hergestellt werden können. Der beste Schutz dagegen sei ständige Innovation. Seine Ventilatoren seien zwar ausgereift, „aber man kann sie immer weiter vervollkommnen“, so Hundsdörfer.

Die Versuche des Taschenherstellers Bree, das Unternehmen zu modernisieren, gelten hingegen als gescheitert. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) zufolge verkauften die Söhne des Firmengründers Wolf Peter Bree ihre Anteile an eine Investorengruppe. Die alte Zielgruppe der Marke, uneitel bis zur Piefigkeit, honorierte die Bestrebungen nach mehr Schick und modischem Design nicht. Neue Kunden schrecke das Ökoimage ab, erklärt die FAS. Nun habe eine Investorengruppe unter Leitung des Ex-Karstadt-Chefs Peter Wolf und des ehemaligen Dekra-Lenkers Klaus Schmidt die Anteile von Philipp Bree gekauft. Der ältere Sohn, Axel Bree, bleibe aber Geschäftsführer und wolle mit dem frischen Geld das Unternehmen jetzt auf Wachstumskurs bringen. „Die Pläne hätten wir aus eigener Kraft nicht stemmen können“, so Bree. Vor allem das Auslandsgeschäft wolle er erweitern. In Japan habe man schon acht eigene Läden, mehr sollen folgen.

Pleitewelle kommt auf die Modebranche zu

Einem Bericht der Welt am Sonntag (WamS) zufolge, erwarten Experten in der deutschen Modebranche Hunderte von Pleiten. Prominentes Beispiel: Strenesse. Das Familienunternehmen stehe symbolisch für die möglichen Opfer in der modischen Mitte des Lands. „Diese Unternehmen stehen gleich dreifach unter Druck“, so die WamS. Erstens schreite die Polarisierung voran, Kunden kauften konsequent nur noch richtig teure Markenware oder besonders billige Kleidung. Das mittlere Preissegment verliere. Zweitens forderten Verbraucher zunehmend nachhaltige und faire Produktionsbedingungen – ohne dass sie bereit wären, die zusätzlichen Kosten zu bezahlen. Und drittens setze das Internet den mittelgroßen Anbietern zu. Ohne Webpräsenz erreiche man einen großen Teil der Bevölkerung gar nicht mehr. „Wir werden eine Beschleunigung des Markensterbens erleben“, sagt Daniel Terberger, Vorstandsvorsitzender der Katag AG, einem der größten Modedienstleister und Zwischenhändler Europas. Von den aktuell 1.000 Anbietern von Mode und Textil in Deutschland werden seiner Schätzung nach allenfalls 600 bis 700 überleben. Während Unternehmen wie Strenesse im Fokus stünden, verliefen andere Insolvenzen weitgehend geräuschlos. Die WamS zählt die jüngsten Pleiten auf: Apriori, Einhorn, Rosner, Delmond, Public, Olsen, Pampolina. Weitere Firmen dieser Kragenweite bangten wegen Kapitalmangels und schleppender Geschäfte ebenfalls um ihre Zukunft. „Viele Hersteller suchen derzeit nach Investoren“, zitiert die WamS einen namentlich nicht genannten Branchenexperten.

Luca Strehle, seit Frühjahr 2012 Vorstandsvorsitzender der Strenesse AG, will über eine Insolvenz in Eigenverwaltung das Lebenswerk seiner Eltern retten. Der Jungmanager – Strehle ist 38 – könne bei dieser Variante unter Aufsicht eines Insolvenzverwalters weiterarbeiten. Er schließt aber nicht aus, dass sich die Familie aus der Verantwortung weitgehend zurückzieht. „Wenn es einen Investor gibt, von dem wir glauben, dass er die Marke wirklich weiterentwickelt, könnten wir die Mehrheit abgeben“, sagte Strehle dem Fachmagazin Textilwirtschaft.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat April (beobachteter Zeitraum: 27. März bis 23. April 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsen-Zeitung, Die Welt, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt, Manager Magazin, Textilwirtschaft, Welt am Sonntag, Wirtschaftswoche.