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18.03.2014

Was Mittelständler über Unternehmensfinanzierung wissen sollten: von der deutschen Finanzkraft über Wagniskapital bis zu Private Equity.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht ein Internet-Start-up-Unternehmen in Berlin. (Foto: picture alliance / dpa)

Deutschlands Wirtschaft und Finanzkraft zählen zu den wichtigsten stabilisierenden Faktoren in der Schuldenkrise Europas. Das schreibt Guido Zoeller, Group Country Head der Société Générale, in einem Gastbeitrag für die Börsen-Zeitung. „Die im Vergleich zu vielen anderen Staaten politische und rechtliche Stabilität, eine interessante Investorenbasis sowie die attraktiven gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ziehen immer mehr Anleger und Unternehmen an“, so Zoeller.

Unternehmensgründungen fördern Innovationen

„Wir brauchen in Deutschland eine Kultur, die Gründungen ermöglicht, nicht verwaltet“, fordert Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD, in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel. Gründer und Start-ups seien die Keimzelle für gesellschaftliche und wirtschaftliche Innovationen. Seiner Meinung nach fehlt es derzeit in Deutschland aber an Risikokapital, an Wachstumsfinanzierung sowie an Forschungs- und Innovationsförderung. „Das gilt es politisch zu ändern“, so Klingbeil.

Einer Meldung des Newsletters Fuchs-Briefe hingegen sind „die Kreditbedingungen für deutsche Unternehmen hervorragend“. Der Europäischen Zentralbank zufolge sei die Kredithürde im Februar auf einen neuen historischen Tiefstand gesunken. Lediglich 18,6 Prozent der befragten Unternehmen berichteten von Restriktionen bei der Kreditvergabe durch Banken.

Unternehmen öffnen sich dem Kapitalmarkt

Wie sich die Refinanzierung des deutschen Mittelstands verändern wird, erklärt René Parmentier, Chief Executive Officer der Close Brothers Seydler Bank AG, in der Börsen-Zeitung. Es sei realistisch anzunehmen, dass sich die Refinanzierung weg von der direkten Kreditfinanzierung hin zu einer indirekten Finanzierung verschiebe. Dabei solle die Bank nicht mehr Kontrahent des Kreditnehmers sein, sondern als Intermediär fungieren, der Gelder von Dritten einwerbe, etwa über Schuldscheindarlehen, am Kapitalmarkt oder über die Platzierung von Aktien und Anleihen. Ähnliches erwartet das Magazin Markt und Mittelstand: „Viele Unternehmen werden sich dem Kapitalmarkt öffnen müssen“, steht über einem Artikel zum Thema Unternehmensfinanzierung. Und im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) fordert Ulrich Schröder, Vorstandschef der staatlichen Förderbank KfW: „Weg vom Bankkredit, hin zum Kapitalmarkt“. Auch der Banker erwartet, dass alternative Finanzierungsformen künftig eine größere Rolle spielen werden. „Kleine und mittlere Unternehmen überlegen jetzt stärker, wie sie sich aus eigener Kraft finanzieren können. Vor allem größere Mittelständler denken darüber nach, ob oder wie sie den Kapitalmarkt nutzen können.“ Finanzierungsformen wie Anleihen, Verbriefungen und Schuldscheindarlehen würden seiner Meinung nach künftig in Deutschland eine größere Rolle spielen. Ein Grund für das große öffentliche Interesse an alternativen Kapitalinstrumenten wie Mittelstandsanleihen ist das derzeit niedrige Zinsniveau im deutschen Anleihesegment.

Misstrauen gegenüber Private Equity schwindet

„Der deutsche Mittelstand ist ein begehrtes Ziel für Investoren“, berichtet die SZ. Die Unternehmen bräuchten zwar Geld, um Wachstum zu finanzieren oder aus einer Klemme zu kommen, hätten aber oft Vorbehalte gegenüber fremden Kapitalgebern wie Private-Equity-Gesellschaften. Doch das Misstrauen werde kleiner, so eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Mehr als 60 Prozent der bundesweit befragten Entscheider in mittelständischen Unternehmen können sich demnach eine solche Finanzierungsbeteiligung vorstellen. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 sahen das nicht einmal 20 Prozent so. „Nun nennen sogar 70 Prozent der Befragten den Zugang zu Kapital als wichtigsten Vorteil von Private Equity“, so die SZ. „Und das in Zeiten niedriger Zinsen und voller Auftragsbücher, in der doch auch Bankkredite relativ problemlos erhältlich sein sollten.“

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen aus der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate Februar und März (beobachteter Zeitraum: 14. Februar bis 13. März 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsen-Zeitung, Fuchs-Briefe, Markt und Mittelstand, Süddeutsche Zeitung, Der Tagesspiegel.

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