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31.03.2014

Was der deutsche Mittelstand über Forschungsinvestitionen, innovative Fertigung und internationalen Wettbewerb wissen sollte.

Martin Kind, Unternehmer und Präsident des Fußballerstligisten Hannover 96: Der Hörgerätehersteller will mit eigenen Produkten den Weltmarkt erobern. (Foto: picture alliance / augenklick / firo Sportphoto)

„Erfolg ist so einfach“, sagt Martin Kind, Gründer der größten Hörgerätekette Deutschlands. In Zukunft will er auch als Hersteller den Weltmarkt erobern, berichtet das Handelsblatt. Im Interview mit der Tageszeitung verrät Kind: „Irgendwann werden wir um die Frage und Antwort einer Produktion im Ausland nicht herumkommen.“ Andere Hersteller wie Siemens produzierten ihre Hörgeräte bereits überwiegend in Asien. Um mit diesem Wettbewerber mithalten zu können, investiert Kind derzeit 15 bis 20 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Vom Tischlereibetrieb zum Möbelriesen

Ein ganzes Viertel seines Jahresumsatzes – rund zehn Millionen Euro – steckte der österreichische Möbelhersteller Hali in eine neue Fertigungsstraße. Nun kann der Betrieb binnen 15 Arbeitstagen einen aus 48 Millionen Varianten konfigurierten Kundenwunsch millimetergenau fertigen, so Welt online. Anfangs habe man schon einigen Respekt vor der Komplexität gehabt, so der Geschäftsführer Albert Nopp. Insgesamt drei Jahre habe die Umsetzung des Projekts gedauert. Das Ergebnis bezeichnen Branchenexperten laut Welt online als eine der modernsten Anlagelösungen in ganz Europa. Das Einzige, was noch an einen klassischen Tischlereibetrieb erinnere, seien die alten Hobelbänke im Eingangsbereich des Hali-Werks in Eferding bei Linz.

Zukunft der industriellen Fertigung

Die Fertigungsindustrie befindet sich am Beginn eines grundlegenden Wandels, berichtet das Magazin MaschinenMarkt. Nach einer Umfrage von Oxford Economics müssten die gängigen Geschäftsmodelle in den kommenden drei Jahren umgestaltet und die Produkte weiterentwickelt werden. Gründe dafür seien externe Markteinflüsse, moderne Technik und neue Wettbewerber. Diese Fakten belegen nach MaschinenMarkt: Auch der deutsche Mittelstand muss sich in hohem Maße den globalen Marktveränderungen stellen, um künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Magazin nennt sieben Marktentwicklungen, die das globale Umfeld von Fertigungsunternehmen verändern werden:

  1. Verlagerung der Märkte aufgrund rezessiver Trends in den Industrieländern und eine steigende Bedeutung von wachstumsstarken Schwellenländern.
  2. Technologischer Wandel und die damit zusammenhängende weiter fortschreitende Digitalisierung, der wachsende Einsatz von Software sowie die sich überall ausbreitende Vernetzung.
  3. Personelle Herausforderungen durch Fachkräftemangel in den Industriestaaten und fehlendes Management-Know-how in den Schwellenländern.
  4. Komplexität der Wertschöpfungskette durch verteilte Beschaffung, Entwicklung und Produktion.
  5. Stärkerer weltweiter Wettbewerb, sodass Unternehmen ihre inländischen Märkte gegenüber Konkurrenten aus Übersee verteidigten und gleichzeitig für langfristiges Wachstum neue Märkte erobern müssten.
  6. Zunehmende Regulierung aufgrund von Umweltbedenken und auf Standards basierender Faktoren wie der Einhaltung von ISO-Normen, die in einer immer stärker vernetzten Welt gelten würden.
  7. Verändertes Kundenverhalten, da immer mehr individuelle Präferenzen in den Vordergrund rückten. Ziel sei eine skalierbare Lösung, die von regionaler und marktspezifischer Anpassung bis hin zu persönlichen Wünschen reichten.

Erfolgsgeheimnis eines Staubsaugerherstellers

Für seine innovativen Produkte bekannt ist auch der englische Staubsaugerhersteller Dyson. Mit dem Konzernchef Maximilian Conze sprach die Süddeutsche Zeitung (SZ). „Wir lernen mehr aus unseren Fehlern als aus Erfolgen“, so Conze. „Für uns sind Jugend, Intelligenz und Energie wichtiger als Erfahrung.“ Daher stelle Dyson überwiegend junge Absolventen direkt nach der Universität ein. „Die sind noch offen, neugierig und hinterfragen Dinge“, meint Conze. „Der Glaube an junge Menschen ist die beste Überlebensstrategie für ein Unternehmen.“

Frauenquote auch im deutschen Mittelstand

Auf dem Personalzettel deutscher Unternehmen sollten neben dem Nachwuchs zurzeit auch die Frauen stehen. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) zufolge will die Bundesregierung nämlich ab 2016 eine feste Frauenquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte von Dax-Konzernen und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen einführen. Sehe sich eine Firma außerstande, einer Frau den Posten zu überlassen, solle er vakant bleiben. Mittelständische Firmen sollten sich bereits ab 2015 selbst verbindliche Zielvorgaben für Frauen im Spitzenmanagement verschreiben – die „Flexiquote“ im neuen Gewand, kommentiert die SZ. Mit Blick auf Aufstiegschancen und Bezahlung der Frauen sei Deutschland ein Entwicklungsland. 65 Jahre nach ihrer Gründung sei die Bundesrepublik immer noch nicht in der Lage, Frauen aus freien Stücken den Platz in Wirtschaft und Gesellschaft einzuräumen, der in vielen Nachbarländern selbstverständlich sei. „Deshalb muss jetzt die Quote her, auch wenn sie ein Notnagel ist“, kommentiert die SZ. Den Beweis, dass es freiwillig nicht gehe, hätten die Köpfe der deutschen Wirtschaft selbst erbracht.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.
Im vorliegenden Pressefokus für den Monat März (beobachteter Zeitraum: 26. Februar. bis 26. März 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Handelsblatt, MaschinenMarkt, Süddeutsche Zeitung, Welt online.