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Lebensmittelindustrie
27.03.2014

Null Prozent – das war das preisbereinigte Wachstum der deutschen Ernährungsindustrie 2013 im Vergleich zum Vorjahr. Welche Konsequenzen die Lebensmittelindustrie daraus ziehen sollte, zeigt eine Untersuchung der Munich Strategy Group.

Käseauswahl im Supermarkt: Damit die Lebensmittelindustrie weiter wächst, muss sie neue Wege gehen. (Foto: picture alliance / Keystone)

Nur Unternehmen, die wachsen, können im Preiswettbewerb schmelzende Margen kompensieren. Nur sie verfügen über die Dynamik für laufende Produktinnovationen, generieren weitere Skaleneffekte in ihrer Kostenstruktur und können nicht zuletzt mit ihrer Unternehmenskultur Mitarbeiter binden und neue gewinnen. Die Munich Strategy Group (MSG) hat daher die Wachstumskräfte in der deutschen Lebensmittelindustrie näher unter die Lupe genommen. Wie gelingt es mittelständischen Unternehmen, aus der Entwicklung ihrer Branche auszuscheren und ihre eigene Wachstumsstory selbst zu schreiben? Darauf gibt die in Zusammenarbeit mit der HSH Nordbank erstellte aktuelle Studie der MSG überraschende Antworten.

Wie Betriebe über Branchendurchschnitt wachsen

In allen Segmenten der Nahrungsmittelindustrie lassen sich zahlreiche Beispiele für Unternehmen finden, die genau diesen Weg dauerhaft verfolgen. Die von defensiv auf offensiv umgeschaltet haben, deutlich über ihrem Segmentdurchschnitt wachsen, denen an wichtigen Wachstumsschwellen nicht die Luft ausgeht und die zudem nie die Profitabilität aus dem Auge verlieren – kurz: die eine echte Wachstumskultur in ihren Unternehmen implementiert haben.
Die Ergebnisse der Studie basieren auf umfassenden Recherchen und Analysen der MSG im Zeitraum September bis Dezember 2013. Neben einer umfangreichen Unternehmensbefragung und zahlreichen Interviews mit Experten der Nahrungsmittelbranche bildet insbesondere eine datenbankgestützte Performanceanalyse von 144 Unternehmen aus allen Segmenten der mittelständischen Ernährungsindustrie die empirische Basis der Studie.

Fünf Thesen für neues Wachstum

Die Unterschiede zwischen wachstumsstarken Unternehmen und weniger erfolgreichen Unternehmen werden in der Studie anhand von fünf Thesen untersucht. Eine wichtige Erkenntnis dabei: Es gibt nicht das Erfolgsrezept für nachhaltiges und überdurchschnittliches Wachstum in der Ernährungsindustrie. Vielmehr zeichnen sich wachstumsstarke Unternehmen jeweils durch ein in sich schlüssiges Bündel an Eigenschaften aus, welche in ihrer Summe zu Wachstumsstärke führen.

1. Differenzierung schlägt Preisführerschaft

Erfolgreiche Nahrungsmittelunternehmen weisen in ihrer strategischen Ausrichtung ein sehr eigenständiges Profil auf. Bemerkenswert: Mit überdurchschnittlicher Wertschöpfungstiefe, hohem Veredelungs- und Servicegrad und einer umfassenden Sortimentskompetenz schaffen sie eine hohe Marktausschöpfung. Auch im Ausland sind sie damit erfolgreicher als Unternehmen, die eher auf eine kostengetriebene Positionierung setzen. Die MSG empfiehlt daher, den Fokus stärker auf Wertschöpfungskonzepte zu setzen. Wichtige Elemente hierfür können der Aufbau einer lebendigen Innovationskultur und die Erhöhung der Wertschöpfungstiefe durch Kooperation oder Integration entlang der Wertschöpfungskette sowie den Ausbau begleitender Dienstleistungen sein.

2. Komplexität beherrschen

Wer reife, hoch entwickelte Märkt erfolgreich bearbeiten will, muss die Komplexität als unvermeidlichen Bestandteil seines Geschäftsmodells akzeptieren und durch geeignete Strukturen, Prozesse und Regeln beherrschen. Wer dagegen Komplexität nur eliminiert und Risiken nur meidet, kann unter diesen Marktbedingungen nicht denselben Erfolg erzielen.

3.  Visionen nicht Restriktionen führen zum Ziel

Wachstumsstarke Unternehmen zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie ihre aktuellen Möglichkeiten und Restriktionen nicht zum Maßstab ihres Handelns machen. Das Denken richtet sich vielmehr auf das angestrebte Ziel – die unternehmerische Vision – und sucht von dort aus die erforderlichen Mittel und Wege zur Zielerreichung. Der Planungsprozess bildet also nicht die verlängerte Gegenwart ab, sondern wird vom gewünschten Ergebnis getrieben. Besonders bei der Wachstumsfinanzierung wird dieser Effekt deutlich.

4.  Innovative Finanzierungen nutzen

Die Eigenkapitaldecke ist bei vielen der untersuchten Nahrungsmittelunternehmen nicht eben üppig. Gut ein Drittel lebt mit einer Eigenkapitalquote von unter 20 Prozent. Dennoch rangiert die Suche nach neuen Finanzierungsquellen und -formen für die Mehrzahl der befragten Unternehmen unter „ferner liefen“. Wachstumschampions sind dabei für innovative Finanzierungsinstrumente deutlich offener und denken stärker in Ergebnissen (Ertrag) als in Restriktionen (Liquidität).

5.  Die Unternehmenskultur auf Wachstum ausrichten

Der bewusste Umgang mit Komplexität, das gezielte Eingehen von Risiken und die Offenheit für Innovationen und neue Organisationsformen stellen hohe Anforderungen an die Mitarbeiter im Unternehmen. Nahrungsmittelunternehmen gelingt es nur dann, nachhaltig zu wachsen, wenn sie die Voraussetzungen bei ihren Mitarbeitern schaffen und eine eigene Wachstumskultur ausprägen. Diese Kultur sieht in jedem Unternehmen anders aus. Gemeinsamkeiten finden sich jedoch bei Experimentierfreude und Fehlerkultur sowie einer durchgängig stärkeren Markt- und Kundenorientierung der verschiedenen Fachbereiche.

In allen Segmenten der Nahrungsmittelindustrie lassen sich zahlreiche Beispiele für Unternehmen finden, die diese Elemente erfolgreich umgesetzt haben und ihren individuellen Kurs zu nachhaltigem Unternehmenswachstum dauerhaft verfolgen. Die von defensiv auf offensiv umgeschaltet haben, deutlich über ihrem Segmentdurchschnitt wachsen, denen an wichtigen Wachstumsschwellen nicht die Luft ausgeht und die zudem nie die Profitabilität aus dem Auge verlieren – kurz: die eine echte Wachstumskultur in ihren Unternehmen implementiert haben.