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03.02.2014

Wie Familienbetriebe und Dax-Konzerne den Führungswechsel meistern – so zum Beispiel Hermann Bühlbecker, Chef der Lambertz-Gruppe.

Den Süßwarenhersteller Lambertz gibt es seit neun Generationen, aktuell wird das Unternehmen von Hermann Bühlbecker geführt. (Foto: picture alliance / dpa)

Für einen Mittelständler pflegt Hermann Bühlbecker eine ganz besondere Art von Marketing, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Doch damit hat er aus dem Aachener Gebäckhersteller Lambertz einen Süßwarenkonzern gemacht, der laut FAZ mittlerweile zu den großen Drei in der Branche gehört. Das verdanke Bühlbecker seinem Riecher für Süßes – und seinen vielen prominenten Gästen. Als der heutige Inhaber das Unternehmen in neunter Generation Ende der 1970er-Jahre übernahm, stand es kurz vor dem Verkauf. Heute erwirtschaftet Bühlbecker dem Zeitungsbericht zufolge mit rund 3.500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von mehr als 560 Millionen Euro.

Best Practice: Wissenschaftler untersuchen Winzerfamilien

„Wie schaffen es Familienunternehmen, über Jahrhunderte hinweg den Betrieb zu erhalten?“, fragt das Unternehmermagazin impulse. Die Nachfolge sei in allen Familienunternehmen ein Thema – und in den meisten ein Problem, so das Magazin. „Oft kann dies eine Firma sogar zerstören, belegt die Forschung.“ Nur 30 Prozent aller Familienunternehmen würden von der zweiten Generation weitergeführt. Gerade einmal 15 Prozent erreichten die dritte. Eine Studie von Sabine Rau und Peter Jaskiewicz, beide Wissenschaftler an der WHU – Otto Beisheim School of Management, analysierte die Geschichte alter Winzerfamilien und fand einige Erfolgsfaktoren. Erstens: „Man muss die Kinder früh anleiten, damit die Spaß kriegen“, erklärt Gisela Höhn, Gesellschafterin des Weinguts Immengarten Hof in der Pfalz. Zweitens: Das Unternehmen sollte unbeschadet von Erbteilung und sonstigen Schäden an die nächste Generation übergeben werden. Ein dritter Aspekt werde bei der endgültigen Übergabe wichtig: die Einbindung der Partner. Denn von Partnern trenne man sich, von der Familienfirma nie so ganz.

Wo sind die Chefs in Schleswig-Holstein?

Von Führungsmangel betroffen sein sollen 3.000 Betriebe in Schleswig-Holstein. Das berichten die Lübecker Nachrichten. „Kerngesunde Firmen schließen, weil ihnen die Führung fehlt.“ Nach Friederike C. Kühn, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lübeck, steht bereits fest, dass jede zehnte betroffene Firma geschlossen werden muss, weil sie keine Führungskraft findet. „Viele Unternehmer verpassen den richtigen Zeitpunkt, einen Nachfolger aufzubauen“, sagt Dietrich Uffmann von der Wirtschaftsförderung Lübeck. Er rät, sich bereits im Alter von 50 bis 55 Jahren umzusehen. Schließlich scheiterten Unternehmensübergaben auch daran, dass Seniorchefs nicht loslassen könnten. Eine innerfamiliäre Nachfolge sei mittlerweile oft schwieriger, als den Betrieb an einen Externen abzugeben. Anders als früher sei es für Sohn und Tochter keine Selbstverständlichkeit mehr, den Chefsessel im heimischen Betrieb zu übernehmen. Aus Sicht der IHK verengt auch die demografische Entwicklung den Markt von Unternehmensnachfolgern: Weniger junge Leute bedeuteten weniger potenzielle Chefs.

Neue Manager für Dax-Konzerne

Zum Thema Führungswechsel zählt Euro am Sonntag die Unternehmen aus dem Aktienindex Dax auf, die zurzeit ihre Spitze neu besetzen. Die Aktionäre seien zum Beispiel gespannt darauf, wie sich der ehemalige BASF-Manager Wolfgang Büchele ab Mai an der Spitze des Industriegasspezialisten Linde mache. Und Passage-Vorstand Carsten Spohr, heißer Kandidat auf den Spitzenposten bei der Lufthansa, soll wohl ab Mai den Umbau der größten deutschen Airline meistern. „Doch der Spruch vom neuen Besen, der gut kehrt – er trifft die Sache leider nicht immer“, so das Magazin. Peter Löscher, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, etwa sei ein Beispiel dafür, dass ein Wechsel auch Werte vernichten könne: der Neue von außen, der ein komplexes Unternehmen steuern soll und sich mangels eines eigenen Netzwerks verfährt. Die Aktionäre verloren laut Euro am Sonntag während der Ära Löscher fast ein Viertel ihres Kapitals. Gleichwohl zeigten zahlreiche Beispiele, dass Neue sehr wohl frischen Schwung bringen könnten. „Am meisten bewegen Manager, die große Freiheiten haben, etwa wenn der Karren im Dreck steckt“, so die Wochenzeitung. Dazu zähle der ehemalige Vodafone-Chef Fritz Joussen, der seit Februar 2013 den Touristikkonzern TUI leitet. Auch Bernd Köhler, Chef von Phoenix Solar, gehört laut Euro am Sonntag dazu. Im November 2013 wies der Solaranlagenbauer zum ersten Mal seit drei Jahren ein Gewinnquartal aus.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Januar (beobachteter Zeitraum: 1. bis 30. Januar 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Euro am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Zeitung, impulse, Lübecker Nachrichten.

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