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18.02.2014

Was Mittelständler im Bereich Finanzierung wissen sollten: von der Krise in den Schwellenländern über das Zinsniveau in Europa bis zum Markt für Mittelstandsanleihen.

Deflation: Trotz niedriger Preise kommen Konsumenten nicht in Kauflaune. (Foto: picture alliance / ZB)

Die Sorge wächst, dass die Turbulenzen in den Schwellenländern auf die entwickelten Länder überspringen könnten. Das berichtet das Magazin Euro am Sonntag, nachdem Großanleger an den Finanzmärkten Milliarden umschichteten. Die Folge waren Kursstürze an den Börsen weltweit. Auch der Aktienindex Dax fiel in nur drei Wochen um rund sieben Prozent, so Euro am Sonntag. „Schwache Industriedaten aus den USA und China nähren Zweifel, dass die Prognosen für die Weltwirtschaft zu optimistisch gewesen sein könnten“, schätzt das Magazin. „In Europa nimmt zugleich die Sorge vor einer Deflation zu.“ So sei die Teuerungsrate in der Eurozone im Januar 2014 auf 0,7 Prozent gefallen – sie liegt damit weit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. Den Leitzins für den Euroraum senkte EZB-Chef Mario Draghi Anfang Februar vorerst nicht weiter – er steht seit November 2013 auf 0,25 Prozent.

Notenbanker unter Druck

„Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen kaum noch vorhanden“, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Maximal einen viertel Prozentpunkt könne sie noch nach unten gehen. Dass EZB-Chef Draghi so weit geht, glaube gegenwärtig aber kaum ein Experte. Eher wahrscheinlich sei, dass die EZB im Notfall erstmals in ihrer Geschichte vom Prinzip der Viertelprozentschritte abweicht und beispielsweise einen Leitzins von 0,1 Prozent setzt. „Dies hätte zur Folge, dass der Korridor, in dem die Zinsen am Geldmarkt schwanken können, noch mehr eingeengt wird“, so Reuters. „Da die EZB aber den Geldmarkt […] gerade beleben will, scheint diese Option wenig wahrscheinlich. Zudem hätte ein solch kleiner Schritt kaum Auswirkungen auf die maue Konjunktur.“

Boomender Bondmarkt

Als Alternative zum klassischen Bankkredit scheinen sich Mittelstandsanleihen am Markt etabliert zu haben. Etwa 140 kleine, mittlere und wenige größere Unternehmen in Deutschland sollen laut der Süddeutschen Zeitung (SZ) in den vergangenen vier Jahren mehr als sieben Milliarden Euro eingesammelt haben. „Schnelles Geld für Unternehmen, lohnende Zinsen für Anleger – ein Gewinn für alle also?“, fragt die SZ und antwortet: „Nicht ganz, denn die Skandale häufen sich.“ Sogar die evangelische Kirche in München soll sich mit Geldanlagen in Schuldscheine kleinerer Firmen verzockt haben.

Der Markt für Unternehmensfinanzierungen ist nach Angaben des manager magazins das neue Zockersegment. „Die Gier nach einem Zins über der Nulllinie hat die Sitten des ohnehin rauen Geschäfts vollends verdorben.“ Sogar die deutschen Versicherungskonzerne hätten ihre Investitionen in Unternehmensanleihen von Ende 2009 bis heute verdoppelt. „Wenn es zu einer Korrektur an den Märkten kommt, können die Folgen für die Anleger erheblich sein“, sagt Dr. Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. „Wir versuchen, Übertreibungen frühzeitig zu erkennen und einzudämmen.“ Die Bundesbank könne zum Beispiel die Vorgaben für Verschuldungsquoten verschärfen oder höhere Kapitalpuffer für Investitionen in sehr riskante Anlagen verlangen.“ Auf jeden Fall sollte es helfen, die Widerstandsfähigkeit der Kreditwirtschaft zu stärken“, so Dombret. „Damit wäre schon einiges erreicht.“

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen aus der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate Januar und Februar (beobachteter Zeitraum: 17. Januar  bis 13. Februar 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Euro am Sonntag, manager magazin, Reuters, Süddeutsche Zeitung.