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Pressefokus
22.01.2014

Was Mittelständler im Bereich Finanzierung wissen sollten: von der drohenden Insolvenz Prokons bis zu schärferen Regeln für die Kreditvergabe.

Dr. Sahra Wagenknecht, stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion Die Linke: „Es gibt Regeln, die schlichtweg falsch sind.“ (Foto: picture alliance / dpa)

Das Jahr 2014 könnte mit einem traurigen Rekord beginnen: 1,4 Milliarden Euro stünden wegen der drohenden Insolvenz des Windkraftfinanzierers Prokon für Privatanleger auf dem Spiel. „So viel wie noch nie in Deutschland“, berichtet die WELT. Die drohende Pleite des Unternehmens lenke den Blick auf die Gefahren bei hochverzinslichen Geldanlagen, sei es am grauen Kapitalmarkt oder bei Mittelstandsanleihen. Laut der WELT hatte Prokon Anleger mit sechs bis acht Prozent Zinsen pro Jahr für Genussrechte gelockt – Wertpapiere, die dem Halter eine Vergütung am Gewinn der Gesellschaft verbriefen. „Allerdings müssen sie unter Umständen auch für Verluste der Gesellschaft gerade stehen“, so die WELT. Bei Prokon scheint die Wette nun verloren zu sein. Nach Berichten über hohe Verluste der Firma hatten viele Inhaber der Genussrechte ihr Kapital zurückgefordert. Damit drohe Prokon nun der Zusammenbruch.

Starke Zinsen, schwache Bonität

„Zwischen Prokon und den vielen Mittelstandsanleihen mit Kupons von acht Prozent gibt es keinen Unterschied“, sagt Dr. Hans-Werner Grunow, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft CAPMARCON in der WELT. Die Bonität der Unternehmen sowie die Finanzierungsstruktur der Emittenten seien oft ähnlich schwach. Weder die Höhe des Zinses noch das Rating gäben dem Anleger Hinweise auf die tatsächliche Ausfallwahrscheinlichkeit.

Riskante Finanzierungen, immer weniger Sicherheiten: Laut der Wochenzeitung Die ZEIT ist der Wahnsinn auf den Finanzmärkten zurück. Schuld sei unter anderem die Flut des Geldes. „Bemerkenswert ist, dass auch Unternehmen geringer Bonität zunehmend Zugang zu den Unternehmenskreditmärkten erhalten“, so die Deutsche Bundesbank. Welche Folgen die verzweifelte Suche nach Rendite hat, zeigten die Zahlen für Schrottanleihen – hoch spekulative Anleihen von Unternehmen.

Renditejagd am Bondmarkt

Insbesondere auf dem Markt für Unternehmensanleihen seien die Folgen der exzessiven Renditejagd vieler Investoren zu erkennen, sagt Andreas Dombret, Vorstand der Deutschen Bundesbank und zuständig für das Ressort Finanzstabilität, dem manager magazin. „Wir versuchen, Übertreibungen frühzeitig zu erkennen und einzudämmen.“ Um die Widerstandsfähigkeit der Kreditwirtschaft zu stärken, könnte die Bundesbank Vorgaben für Verschuldungsquoten verschärfen oder höhere Risikopuffer für Investitionen in sehr riskante Anlagen verlangen.

Wagenknecht und Söder über Regulierung

Um die Kreditversorgung der Wirtschaft sorgt sich Dr. Sahra Wagenknecht, stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion Die Linke. Im Interview mit der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen sagt sie: „Es geht keineswegs nur um die Härte, sondern auch um die Güte der Vorschriften. Es gibt Regeln, die schlichtweg falsch sind. Basel II und Basel III gehen für mich in die falsche Richtung.“ Erstens seien die Eigenkapitalanforderungen nach wie vor viel zu niedrig. Zweitens könnten Banken ihren Eigenkapitalbedarf ziemlich willkürlich berechnen. Drittens bestraften die Basel-Regeln volkswirtschaftlich sinnvolles Verhalten und belohne Spekulanten.  Wagenknechts Meinung nach werde die Kreditvergabe an die reale Wirtschaft erst wieder steigen, wenn saubere Banken Neugeschäft machen könnten und vernünftige Regeln reine Spekulationsgeschäfte erschwerten.

Dr. Markus Söder, Staatsminister der Finanzen in Bayern, geht in der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen der Frage nach: „Sollte sich der Staat eher als Kontrolleur oder als Lenker der Kreditwirtschaft verstehen?“ Beide Aspekte spielten eine Rolle. „Ziel jeder Regulierung muss ein gesundes Zusammenwirken von Markt und Staat sein, egal ob der Staat als Aufsicht, Gestalter oder Akteur auftritt“, so Söder. Das Leitmotiv müsse sein, dass die Banken wieder der Realwirtschaft und dem Verbraucher dienen. Dieses Ziel habe der Gesetzgeber auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene in den vergangenen Jahren konsequent verfolgt und die Rolle des Staates als Aufsicht und Gestalter effektiv gestärkt.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen aus der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate Dezember und Januar (beobachteter Zeitraum: 15.  Dezember 2013 bis 16. Januar 2014) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: manager magazin, Die WELT, Die ZEIT, Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen.