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Pressefokus
06.01.2014

Deutschlands Wirtschaft wird 2014 wachsen, allerdings weniger stark als im vergangenen Jahr. Die neue Bundesregierung soll für volle Auftragsbücher und konkurrenzfähige Energiekosten sorgen – das fordert der deutsche Mittelstand.

Berliner Koalition steht: Die Bundesregierung aus CDU / CSU und SPD muss verschiedene Interessen unter einen Hut bringen. (Foto: picture alliance / dpa)

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute trauen der Bundesrepublik 2014 keinen starken Aufschwung mehr zu. Statt rund zwei Prozent wie 2013 werde die Wirtschaft in Deutschland etwas schwächer wachsen, teilten die Institute laut Reuters mit. Die Industrie soll im Oktober überraschend weniger hergestellt haben und die Exporte stagnierten nahezu. Allein die Binnenkonjunktur könne 2014 für Schwung sorgen, so Reuters. Denn die gute Lage am Arbeitsmarkt und steigende Löhne kurbelten den privaten Konsum an.

Mehr als eine Million Beschäftigte im Maschinenbau

Einen neuen Rekord bei Beschäftigten und Produktion erwarten die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer. Wenn die Konjunktur mitspiele, könne in den nächsten Jahren die Schwelle von einer Million Arbeitsplätze überschritten werden, berichtet das Hamburger Abendblatt nach einer Mitteilung des Branchenverbands VDMA. Der mittelständisch geprägte Maschinenbau gelte schon jetzt als Deutschlands größter Arbeitgeber. Für 2013 peile die Branche einen Umsatz von insgesamt 207 Milliarden Euro an.

Auch bei den Automobilbauern ist die Auftragslage gut. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, müssen bei etlichen größeren Lieferanten der Branche daher die Werksferien vor Weihnachten ausfallen. Bei Continental in Regensburg beispielsweise sollen viele Fertigungslinien durchgängig zwischen den Jahren laufen. Der Wälzlagerspezialist Schaeffler werde an einigen deutschen Standorten in der letzten Dezemberwoche sogar Sonderschichten fahren.

Energiekosten treiben Unternehmer aus dem Land

Vor einer anderen Herausforderung steht Werner Borgers, Chef und Eigentümer des Autozulieferers Borgers: Eine gigantische Stromrechnung hierzulande zwinge ihn, die Fertigung ins Ausland zu verlagern. Im Handelsblatt ruft er daher zur „Flucht aus Deutschland“ auf. So wie Borgers gehe es vielen Mittelständlern, berichtet die Zeitung. „Nicht konkurrenzfähige Energiepreise führen auf Dauer unweigerlich zu einer irreparablen Industriebrache“, sagt Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Und nicht nur die hohen Stromkosten machten den Unternehmern das Leben schwer: Das ständige Hin und Her in der Energiepolitik ist eine Katastrophe, meint der Münchner Unternehmer Fritz Homann. Der Hersteller von Holzfaserplatten leidet zweifach. Einerseits ist der Strom teuer, andererseits wird der Rohstoff Holz knapp, so das Handelsblatt.

Ein langer Wunschzettel für 2014

Unter anderem zur Energiewende in Deutschland haben führende Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertreter einen Wunschzettel an die neue Bundesregierung geschrieben, den die Passauer Neue Presse veröffentlicht. „Ich wünsche mir eine Regierung, die die anstehenden Aufgaben entschlossen und mutig angeht und dabei dem Erhalt der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft besondere Aufmerksamkeit schenkt“, schreibt Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. „Die neue Bundesregierung muss ganz schnell einen Dreh finden, die Energiewende zu retten“, fordert Detlef Wetzel, neuer Erster Vorsitzender der IG Metall. Und Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, ist sich sicher: „Ohne substanzielle Kurskorrekturen fährt die Energiewende vor die Wand, sie müssen oberste Priorität haben, mit einer Schwerpunktsetzung bei der Energieeffizienz.“

Die neue Bundesregierung „wird für die Wirtschaft teuer“, so der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, im Handelsblatt. Dass die SPD-Politikerin Andrea Nahles künftig ein Drittel des Bundeshaushalts verwalte, sehe Ohoven mit großer Sorge. „Denn allein die Umsetzung der Rentenpläne bedeutet zusätzliche Belastungen von 130 Milliarden Euro bis 2013. Dies schwächt heute die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und geht zu Lasten künftiger Generationen.“

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Dezember (beobachteter Zeitraum: 22. November bis 18. Dezember 2013) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Hamburger Abendblatt, Handelsblatt, Passauer Neue Presse, Reuters.

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