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17.12.2013

Der Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Cyrus de la Rubia, hat neun Thesen für die künftigen Entwicklungen in Wirtschaft und Finanzen formuliert. Treffen sie ein, kommen auf die Ökonomien in Europa und dem Rest der Welt erhebliche Veränderungen zu.

Feuerwerk 2014: Das kommende Jahr wird geprägt sein von niedrigen Zinsen und weltweit wachsenden Volkswirtschaften. (Foto: picture alliance / dpa)

1.    Die extrem expansive Geldpolitik der vergangenen Jahre hat zu Überhitzungserscheinungen in einigen Marktsegmenten geführt, beispielsweise bei Unternehmensanleihen und bei Überbrückungskrediten für Unternehmensübernahmen. Führt insbesondere die US-Notenbank ihre Anleiheankäufe in 2014 nicht zurück, könnten Vermögenspreisblasen platzen.

2.    Im kommenden Jahr wird ein gefährlicher, aber notwendiger geldpolitischer Kurswechsel in den USA eingeleitet, der von Janet Yellen, der Nachfolgerin von US-Notenbankchef Ben Bernanke, zu managen ist. In der Folge werden die langfristigen Zinsen steigen.

3.    Die Europäische Zentralbank wird keine weiteren stimulierenden geldpolitischen Maßnahmen ergreifen, weil die Konjunktur stabil genug sein sollte und die Inflation wieder leicht steigen wird.

4.    Die kurzfristigen Zinsen in Europa werden niedrig bleiben und die langfristigen werden steigen, so dass die hiesige Zinsstruktur noch steiler werden wird.

5.    Der Wechselkurs des Euro zum US-Dollar sollte 2014 relativ stabil bleiben, denn er wird in erster Linie von den kurzfristigen Zinsen beeinflusst. Weder in den USA noch in der Eurozone ist an dieser Front mit Bewegung zu rechnen.

6.    Europas Bankenunion, die 2014 mit einer gemeinsamen Bankenaufsicht startet, bedeutet bei aller Unvollkommenheit einen gewaltigen Fortschritt in Richtung einer nachhaltigen Stabilisierung und Vervollständigung der Währungsunion.

7.    Mitte 2014 wird das Rettungspaket für Portugal enden. Trotz aller Schwierigkeiten wird Portugal nicht um eine Anschlussfinanzierung bitten, sondern sollte sich erfolgreich am Kapitalmarkt refinanzieren können und dann wieder auf eigenen Füßen stehen.  

8.    Japans Regierung wird versuchen, sein Wirtschaftswachstum mit Hilfe weiterer Konjunkturpakete und geldpolitischer Maßnahmen zu stützen. Das so entstehende ökonomische Strohfeuer wird jedoch spätestens im Jahr 2015 erlöschen und das Wachstum zurückfallen.

9.    Deutschland legt mit seiner Reformträgheit der vergangenen Jahre und den im Koalitionsvertrag vereinbarten Reformrückschritten den Grundstein für einen Rückgang des wirtschaftlichen Wachstumspotenzials. Im Jahr 2014 wird dies allerdings überdeckt werden durch eine weltweite Erholung der Wirtschaft und eine sich entspannende Eurokrise. Die deutsche Konjunktur stützen wird außerdem ein solider privater Konsum sowie weiteres Wachstum im Bausektor – getrieben durch billiges Geld.

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