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Pressefokus

Europäische Zentralbank will den Mittelstand stützen

09.12.2013

Was Mittelständler wissen sollten: die wichtigsten Positionen zum Thema Unternehmensfinanzierung – von der Kreditförderung durch Zentralbanken bis zu den Plänen der neuen Regierung in Deutschland.

Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main: Die Notenbanker planen die Ausgabe von Langfristtendern, die die Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen stärken sollen. (Foto: picture-alliance / dpa)

Um die Kreditvergabe zu erhöhen, plant die Europäische Zentralbank (EZB) ein Programm speziell für den Mittelstand. Die EZB erwägt offenbar, ein neues umfangreiches Kreditpaket mit langer Laufzeit aufzulegen. Im Rahmen dessen sollen Banken günstige Notenbankmittel erhalten – allerdings nur, wenn sie ihrerseits Kredite an Industrie-, Handels-, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe vergeben, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Schon zwei Mal hatte die EZB an Geschäftsbanken sogenannte Langfristtender ohne Zweckbindung ausgegeben. Europäische Finanzinstitute hatten sich daraufhin beinahe eine Billion Euro geliehen. „Sie verwendeten die Mittel allerdings auch, um Staatsanleihen ihres jeweiligen Heimatlandes zu kaufen“, bemerkt dazu die FAZ.

Die Europäische Zentralbank verfehlt ihr Ziel

Laut Handelsblatt besteht das Problem der EZB zurzeit darin, dass alle Maßnahmen, die sie bislang getroffen hat, ihr wichtigstes Ziel verfehlt haben – den Krisenländern dabei zu helfen, sich aus der Kreditklemme zu befreien. Käme es zu der angesprochenen Zweckbindung des geplanten Kreditpakets, die nach den Statuten der EZB ausdrücklich zulässig ist, wäre das ein Novum, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Allerdings gebe es sowohl innerhalb der Notenbank als auch in der Politik neben Befürwortern auch jede Menge Gegner dieser Idee. Die Erfahrungen, die man andernorts mit solchen Zweckbindungen gemacht habe, seien nicht gerade ermutigend. In Großbritannien etwa lege die Bank of England ein Programm mit dem Namen „funding for lending“ auf – die meisten Geschäftsbanken aber würden dankend ablehnen.

Nach dem Bericht der FAZ will die Zentralbank des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirlands auch weiterhin Unternehmenskredite fördern – von 60 Milliarden Pfund, umgerechnet 72 Milliarden Euro, ist die Rede. Nur das Kreditprogramm für den Immobilienmarkt will die Bank of England zum Jahresende 2013 einstellen. Da die Hauspreise in Großbritannien seit einem Jahr um durchschnittlich acht Prozent zugelegt hätten, sei es nicht länger nötig, Banken in der Hypothekenfinanzierung für Privatleute zu unterstützen, so die FAZ.

Ökonomen erwarten gute Jahre

Auch Deutschlands Unternehmen zeigen sich wieder robust. Wie der Informationsdienst haufe.de berichtet, der sich auf Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform beruft, ist die Gesamtzahl der Firmeninsolvenzen ungeachtet der spektakulären Pleiten von Praktiker und Loewe auf dem niedrigsten Stand seit 14 Jahren. „Immer mehr Firmen, auch im Mittelstand, sind finanziell stabiler aufgestellt und weisen hohe Eigenkapitalquoten auf“, sagt demnach Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Die Prognose fällt vorsichtig aus, obwohl die Ökonomen gute Jahre für die deutsche Wirtschaft erwarten. Wegen der „nicht kalkulierbaren Folgen von Basel III“ rechnen die Experten im kommenden Jahr nicht mit einer weiter sinkenden Zahl der Firmenpleiten in Deutschland. Die Firmen könnten ihre Marktchancen falsch einschätzen und sich bei Investitionen verheben: „Manche Grundlagen für Insolvenzen werden gerade in Zeiten positiver Konjunktur gelegt“, so Rödl.

Unternehmer halten sich mit Investitionen zurück

„Wir beobachten, dass die Zyklen, in denen die wirtschaftliche Entwicklung verläuft, kürzer werden“, sagt Lutz Goebel, Präsident des Verbands der Familienunternehmer (ASU). Im Interview mit den VDI Nachrichten schätzt er die künftige Entwicklung mittelständischer Unternehmen ein. „Unsere Unternehmen blicken halt besorgt auf die Regierungsbildung in Berlin“, so Goebel. „Die zurückhaltende Investitionstätigkeit in Deutschland resultiert einerseits aus der noch weitgehend ungelösten Eurokrise. […] Andererseits verunsichert das Desaster in der Energiewende.“

Auch die 2014 anstehende Europawahl sorgt für Verunsicherung – nicht nur bei deutschen Unternehmern. Einem Bericht der WirtschaftsWoche zufolge könnte Europa eine Protestwahl bevorstehen. „Das Vertrauen der fast 400 Millionen Europäer in die EU-Institutionen ist auf einem Tiefpunkt angekommen“, so die WirtschaftsWoche. „Vier Jahre Euro-Schuldenkrise und die Rekordarbeitslosigkeit in Südeuropa hinterlassen ihre Spuren.“ Aus guten Gründen hielten sich Unternehmen und private Haushalte in diesem latent deflationären Umfeld bei der Kreditnachfrage zurück.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate Oktober und November (beobachteter Zeitraum: 7. November bis 5. Dezember 2013) wurden Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt, haufe.de, Süddeutsche Zeitung, VDI Nachrichten und WirtschaftsWoche.

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