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Top-100 Firmenranking

Die größten Unternehmen Norddeutschlands leiden unter Fachkräftemangel

02.01.2014

Die Hälfte der größten Unternehmen in Schleswig-Holstein wollen im kommenden Jahr Personal aufstocken, was für viele ein Kraftakt wird. Denn die Situation am Fachkräfte- und Auszubildendenmarkt ist für die Arbeitgeber nicht ideal. Das ergab die jüngste Studie der HSH Nordbank zum Thema.

Mit 11.710 Beschäftigten führt das Uniklinikum in Kiel wie gewohnt mit weitem Abstand im Ranking. Es folgen die Deutsche Post, coop und Drägerwerk. (Foto: picture alliance).

Jedes vierte der 100 größten Unternehmen beurteilt die Situation am Arbeitsmarkt mit der Note mangelhaft. Im Rahmen der jährlichen Erhebung "Die 100 größten Unternehmen in Schleswig-Holstein" hatte die HSH Nordbank die Unternehmer gebeten, mit einer Schulnote auf die Frage zu antworten, wie schwer (Note 6) oder leicht (Note 1) es ist, geeignete Fachkräfte zu rekrutieren. Nur sieben Unternehmen vergaben die Note 2. Fünfmal setzte es eine 5. Die Noten 3 und 4 wurden je 34-mal vergeben. An der Spitze der größten Arbeitgeber liegt das Uniklinikum Schleswig-Holstein, vor der Deutschen Post, Coop, Drägerwerk und Bockholdt. 

"Schleswig-Holstein ist zwar ein wundervoller Landstrich, aber für viele Leute, die begehrte Experten in ihrem Beruf sind, nicht die favorisierte Region Deutschlands, in der sie ihren Lebensmittelpunkt wählen", erklärte der Vertreter eines großen Unternehmens beim Telefoninterview im Rahmen der Studie. Dieser Tenor ergab sich aus den Antworten vieler Befragter. Um unverfälschte Ergebnisse zu erhalten, anonymisiert die HSH Nordbank die erhobenen Daten.

Arbeitsmarktsituation - befriedigend bis ausreichend

Während der Notendurchschnitt in Bezug auf die Fachkräfte-Situation 3,77 ergab, erreichte er bei der zweiten Frage an die 100 größten Unternehmen in Schleswig-Holstein eine 3,34: "Wie leicht oder schwer ist es, geeignete Auszubildende zu rekrutieren?", hatte die HSH Nordbank gefragt. Auch hier gab es keine Note 1, 13-mal die 2, 40 Unternehmen vergaben ein "befriedigend", 28-mal wurde die 4 und 14-mal wurde eine 5 vergeben. Ein Unternehmen aus der Einzelhandelsbranche entschied sich für die Note 6.

In der Studie "Die 100 größten Unternehmen in Schleswig-Holstein", die die HSH Nordbank und zuvor die Landesbank Kiel seit dem Jahr 1990 herausgeben, werden auch die Unternehmensgrößen anhand der Mitarbeiterzahlen ermittelt. Die hundert größten Unternehmen in Schleswig-Holstein beschäftigten zum Stichtag am 31. Dezember 2012 insgesamt 141.137 Mitarbeiter, das sind knapp 7.000 mehr als bei der vorangegangenen Erhebung, die außerhalb des Turnus zum Stichtag 30. Juni 2012 durchgeführt wurde. Zum 31.12.2011 beschäftigten die 100 Arbeitgeber mit den höchsten Beschäftigtenzahlen 129.231 Mitarbeiter.

Die Arbeitsmarktaussichten für das Jahr 2014 in der Region Schleswig-Holstein beurteilen fast die Hälfte der befragten Unternehmen (49 Prozent) als positiv. Sie gehen davon aus, ihre Belegschaft zu vergrößern. Mit einer Verkleinerung ihrer Beschäftigtenzahl rechnen 15 Unternehmen aus den Top 100, ein knappes Drittel (29 Prozent) geht davon aus, dass es nicht zu signifikanten Veränderungen bei der Anzahl der Angestellten kommen wird.

Gesundheitswirtschaft weit über Bundesdurchschnitt

An der Spitze der Rangliste steht das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein mit 11.710 Mitarbeitern an den Standorten Kiel und Lübeck. Nach Angaben des Landes arbeiten in Schleswig-Holstein insgesamt knapp 179.000 Menschen im Bereich Gesundheitswirtschaft. Die Branche trage rund ein Drittel zur Industrieproduktion bei. Ein Wert, der etwa doppelt so hoch liege wie der Bundesdurchschnitt.

An zweiter Stelle der Rangliste rangiert die Deutsche Post AG mit unverändert 7.000 Mitarbeitern. Die coop eG (Supermärkte, Bau- und Gartencenter) aus Kiel belegt den dritten Rang. Es folgt die Drägerwerk AG & Co KGaA aus Lübeck mit 4.920 Angestellten, die Produkte der Medizin- und Sicherheitstechnik herstellen. Der Gebäudedienstleister Bockholdt – ebenfalls mit Hauptsitz in Lübeck – beschäftigt 4.374 Mitarbeiter, auf den Plätzen 6 und 7 befinden sich die Deutsche Bahn AG mit 3.200 und die Deutsche Telekom AG mit 3.000 Beschäftigten im nördlichsten Bundesland.

Die Rangliste der Unternehmen mit Sitz in Schleswig-Holstein, die 2012 bundesweit die höchsten Umsätze erwirtschafteten, wird mit 4,5 Milliarden Euro Umsatz von der Krankenkasse AOK NordWest mit Sitz in Kiel angeführt. Sie weist 2,8 Millionen Versicherte aus, die durch mehr als 200 Kundencenter betreut werden. An zweiter Stelle ist die Orlen Deutschland GmbH aus Elmshorn. Orlen betreibt in Deutschland rund 560 Tankstellen der Marke star und weist einen Umsatz von 3,9 Milliarden Euro aus. Platz drei besetzt die Raffinerie Heide GmbH aus Hemmingstedt mit einem Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Das Unternehmen produziert klassische Mineralölerzeugnisse wie Ottokraftstoffe, Diesel- oder Flugkraftstoffe.