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Pressefokus
28.10.2013

Was Mittelständler wissen sollten: von den Problemen deutscher Firmen mit internationalen Zahlungen bis hin zu Produktionsfaktoren im Ausland.

Adidas-Ausrüstung im Einsatz in der Premier League, der höchsten Spielklasse im englischen Fußball: Trotz Globalisierung und einem starken Auslandsgeschäft legt der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach Wert auf seine regionale Herkunft. (Foto: picture alliance / empics)

Mittelständler sollen 2012 rund 15 Milliarden Euro verschenkt haben, weil offene Rechnungen nicht eingetrieben wurden, berichtet Die WELT. Dies gehe aus dem Debitos-Index hervor, der die Effektivität des Forderungsmanagements deutscher Unternehmen ermittelt. Gerade kleine und mittelständische Firmen verzichteten aufgrund knapper Ressourcen häufig auf Forderungen, erklärt Debitos-Geschäftsführer Hajo Engelke. In Deutschland habe bereits ein Drittel aller Unternehmen das mühsame Forderungsmanagement an Inkassofirmen ausgelagert.

Wie wichtig das Thema „offene Rechnungen“ für mittelständische Unternehmen ist, beschreibt Die WELT in einem weiteren Artikel. „In vielen Insolvenzfällen scheitern Unternehmen nicht an mangelnder Fachkompetenz, sondern an einem unzureichenden Forderungsmanagement“, sagt Frank Rieger, Referent im Geschäftsbereich Recht und Steuern bei der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer. Es gelte, Ausfallrisiken frühzeitig zu erkennen, warnt auch das Bundeswirtschaftsministerium und gibt auf seiner Website Tipps zur Vermeidung von Forderungsausfällen.

Unternehmen müssen Cashflow im Blick haben

Voraussetzung für einen langfristigen Unternehmenserfolg ist das Wissen um die eigene Liquidität, schreibt Helmut Springer, Vice President bei Reval, in einem Gastbeitrag für das Magazin FINANCE. Sein Unternehmen bietet Software an, die Finanzprozesse konzernweit integriert. „Nur wer den Überblick über den Cashflow hat, kann ihn auch aktiv managen“, ist er überzeugt. Von einem professionellen Treasury-Management-System können Unternehmen jeder Größe profitieren, erklären Martin Bellin, Gründer des Treasury-Anbieters Bellin, und Peter Sielmann, Chief Financial Officer der Neumann Gruppe GmbH, ebenfalls in FINANCE. Längst sei die Liquiditätssteuerung, die das Treasury bearbeitet, kein Anhängsel der Buchhaltung oder des Rechnungswesens mehr.
„Säumige Kunden und Zahlungsausfälle stehen in der Transportbranche auf der Tagesordnung“, berichtet die Verkehrsrundschau. Factoring könne den betroffenen Unternehmen helfen, dennoch liquide zu bleiben. Dabei kauft eine Factoringgesellschaft offene Forderungen auf und zahlt einen sogenannten Factor, den Großteil der Außenstände, sofort. Den Restbetrag abzüglich Kosten erhält der Factoringkunde, wenn die Rechnung beglichen wurde. Vielen Unternehmen sei das Instrument noch unbekannt, sagt Thomas Hartmann-Wendels, Professor für Allgemeine Betriebswirtschafts- und Bankbetriebslehre an der Universität Köln. Vor allem der Mittelstand greife eher auf kurzfristige Kredite ihrer Hausbank zurück.

Lücken im Zahlungsverkehr schließen

Als eine Alternative zu Factoring und Kreditaufnahme nennt das Branchenmagazin Technik + Einkauf das sogenannte Finetrading. Dabei könne ein Zwischenhändler die Forderung übernehmen, dem Käufer einer Ware eine lange Zahlungsfrist gewähren und die Rechnung des Lieferanten sofort begleichen. Unternehmen, die zum Beispiel Rohstoffe für die Produktion zunächst nicht aus eigener Tasche zahlen wollten, könnten so auch kurzfristige Aufträge annehmen. „Eine Lücke im Zahlungsverkehr des Mittelstands“ will auch Robert Krakau, deutscher Vertriebschef von Western Union Business Solutions, schließen. Im Interview mit der Zeitschrift Bank und Markt nennt er speziell den Zahlungsverkehr in Fremdwährungen als einen Bereich, in dem Western Union das Angebot deutscher Banken ergänzen könnte. Ein Mittelständler, der Zahlungen nach China direkt in Renminbi leisten könne, habe eine viel bessere Verhandlungsgrundlage. Sinnvoll sei auch die Absicherung von Wechselkursen, gerade bei weit in der Zukunft liegenden Zahlungszielen.

Säumige Auslandskunden bereiten deutschen Firmen Probleme

„Andere Länder, andere Zahlungssitten“, überschreibt Die WELT einen Artikel zum Thema Forderungsmanagement. „Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist der Umgang mit offenen Forderungen von Kunden im Ausland oft noch Neuland“, sagt Rebecca Giesecke, Leiterin des Cross-Border-Centers beim Inkasso-Dienstleister Eos in Hamburg. Sie stelle immer wieder fest, dass viele Firmen zwar Verträge abschlössen, denen zufolge im Streitfall deutsches Recht angewendet werden solle. Die Frage, ob und wie das bei einem säumigen Kunden zum Beispiel in Südkorea tatsächlich möglich sei, sorge im Ernstfall aber oft für Probleme. Gieseke rät deshalb zu einem Inkassounternehmen im Land des Kunden. „Denn die kennen nicht nur die Sprache und die landestypische Mentalität. Sie haben auch Erfahrung im Umgang mit Ämtern, kennen die rechtlichen Möglichkeiten und Fristen.“
Die Unwägbarkeiten bei Geschäften mit dem Ausland sind auch Thema in der WirtschaftsWoche – allerdings hinsichtlich Produktionskosten, Lieferketten und Absatzmärkten. So habe Gardeur aus Mönchengladbach seine Produktion von China nach Tunesien verlegt. Der Kleidungshersteller müsse nun zwar doppelt so viel für die Produktionsminute bezahlen, dafür aber sei die Lieferkette kürzer. Vom Design einer Hose bis zum Verkaufsbeginn im Laden dauere es nun nur noch vier bis sechs statt 27 Wochen, erklärt Geschäftsführer Gerhard Kränzle. „Wenn die Fabriken in der Nähe Ihrer Absatzmärkte stehen und effizient laufen, können Sie den Preisvorsprung der Asiaten einholen.“ Laut WirtschaftsWoche gibt Kränzle einen Trend vor, der deutsche Hersteller und Händler in Zukunft intensiv beschäftigen wird. Denn China verliere auch wegen steigender Kosten in immer stärkerem Maß seine Rolle als Billigwerkbank für den Westen. Einer Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey zufolge wollten in der besonders preisempfindlichen Textilbranche 72 Prozent der Chefeinkäufer aus Europa und den USA ihre Beschaffung in den kommenden fünf Jahren von China in andere Länder verlagern.

Zurück zu den Wurzeln

Je stärker Unternehmen die Globalisierung zu spüren bekommen, desto mehr besinnen sie sich auf ihre Wurzeln, so das Handelsblatt. Ob Bosch, Adidas oder Opel: Sie alle versuchten, sich an ihren Gründervätern zu orientieren. Adidas-Firmengründer Adolf „Adi“ Dassler soll beispielsweise 32 goldene Regeln hinterlassen haben, nach denen sich die 46.000 Adidas-Mitarbeiter noch heute richten. Vorstand Erich Stamminger bestätigt: „Wir fragen uns oft, was Adi wohl in unserer Situation machen würde, und übertragen das dann in die heutige Zeit.“

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Oktober (beobachteter Zeitraum: 25. September bis 23. Oktober 2013) wurden insgesamt zehn Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Bank und Markt, Die WELT, FINANCE, Handelsblatt, Technik + Einkauf, Verkehrsrundschau, WirtschaftsWoche.

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