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Pressefokus

Basel III könnte den Zugang zu Krediten versperren

11.10.2013

Was Mittelständler wissen sollten – die wichtigsten Positionen zum Thema Unternehmensfinanzierung.

Antike römische Münze: Statt an dauerhaftem Wachstum waren die alten Römer und Griechen an schnellem Geld interessiert.

Antike römische Münze: Statt an dauerhaftem Wachstum waren die alten Römer und Griechen an schnellem Geld interessiert. (Foto: picture-alliance / akg-images)

Von Kreditklemme sei keine Spur, berichtet das Magazin Markt und Mittelstand. Trotzdem falle es einigen Unternehmern schwer, Kredite zu erhalten. „Das Risikobewusstsein der Banken hat sich im Vergleich zur Zeit vor der Einführung von Basel II deutlich verschärft“, zitiert Markt und Mittelstand Martina Bandte, Geschäftsführerin des Unterwäscheherstellers Karl Conzelmann. Gerade für die Textilindustrie sei der Kreditzugang heute schwieriger als noch vor einigen Jahren. Dagegen hat die Immobilienbranche laut der Nachrichtenagentur Reuters keine Probleme, an Darlehen zu kommen. Im Gegenteil: „Die Geldhäuser zeigen sich bei der Finanzierung gewerblicher Top-Immobilien unerwartet spendabel.“

Die Fachzeitschrift Bank und Markt vertritt die Position, dass die neuen Vorschriften nach Basel III das Bankgeschäft stark verändern könnten. Einer Studie der Unternehmensberatung msgGillardon zufolge hätten 52 Prozent der Banken angegeben, sie zögen sich nach Einführung des neuen Regelwerks aus der originären Kreditvergabe zurück. Stattdessen wollten sie Kredite künftig lediglich auf Provisionsbasis vermitteln und den Unternehmen helfen, zur Finanzierung eigene Anleihen zu emittieren. Laut Studie gibt es bei der Begleitung von Anleiheemissionen deutliche Unterschiede zwischen den Bankenformen: So zögen 31 Prozent der Genossenschaftsbanken, 40 Prozent der Sparkassen und 63 Prozent der Groß- und Landesbanken diese Option in Betracht.

Schnelles Geld statt langfristiges Wachstum

Die antiken Römer liebten das Geld. Warum sie trotzdem keine Kapitalisten wurden und was den Kapitalismus heute treibt, erörtert ein Artikel der Tageszeitung (taz). So fehlte es in der Antike weder an Kapital noch an Krediten – doch der Unternehmenskredit sei noch unbekannt gewesen. „Weil niemand wie ein moderner Unternehmer dachte“, so die taz. Griechen und Römer wollten zwar Gewinn machen, doch diese Profite erwirtschafteten sie sehr traditionell: Sie beuteten Sklaven aus oder beteiligten sich am lukrativen Fernhandel. Über diesen Drang zum schnellen Geld sollen sich bereits zeitgenössische Autoren lustig gemacht haben, denn damit entstehe kein dauerhaftes Wachstum. Die Wirtschaftsleistung könne nur zunehmen, wenn die Produktivität der Arbeitskraft steige. Wenn man Wachstum wolle, müsse man in technische Verbesserungen investieren. „Doch einen derartigen Aufwand hatte Roms kleine Oberschicht nicht nötig“, resümiert die taz. „Sie war so reich, dass sie ihren Reichtum nicht noch weiter steigern musste.“

Heute hingegen können Unternehmer frisches Kapital gut gebrauchen. „Mehr für das Wachstum tun“, das fordert Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. Die Risiken für die langfristige Unternehmensfinanzierung seien ernst zu nehmen – besonders die, die sich aus einer „übertriebenen und unzureichend koordinierten“ Regulierung des Finanzsystems nach Basel III ergäben.

Die Börse als Kapitalquelle

„In Zeiten, in denen Banken die Kreditvergabe eher drosseln als ausweiten, stellt die Börse eine Alternative für die Unternehmensfinanzierung dar“, so das Wirtschaftsblatt aus Österreich. Tatsächlich entwickele sich der Markt für Börsengänge (Initial Public Offerings, IPO) in Deutschland vergleichsweise gut, berichtet der österreichische Börsen-Kurier und beruft sich auf die Experteneinschätzung der Unternehmensberatung Ernst & Young: Während weltweit die Zahl der Börsengänge in den ersten drei Quartalen des Jahres 2013 von 637 auf 529 sank, wagten sich in Deutschland sechs Unternehmen neu an die Börse. Insgesamt kamen so 2,46 Milliarden Euro zusätzlich in die Kassen der Unternehmen. Damit sei das IPO-Jahr 2013 schon jetzt das stärkste seit 2007. „Gut möglich, dass sich in den kommenden Wochen noch einige IPO-Kandidaten aus der Deckung wagen“, meint Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO und Listings bei Ernst & Young.

Es sei erstaunlich, dass so wenige Familienunternehmen die Eigenkapitalquelle Börse anzapften, so wir, das Magazin für Unternehmerfamilien. Verlust der Unabhängigkeit, Mitsprache der Aktionäre, Transparenz und das Getriebensein von Quartalsbericht zu Quartalsbericht – das wollten Familienunternehmen schlichtweg nicht. Dabei gebe es durchaus Erfolgsgeschichten. Als Beispiele nennt das Magazin den Waschmittelkonzern Henkel und Fuchs Petrolub, Hersteller von Schmierstoffen. Die Unternehmen hätten ihr starkes internationales Wachstum aus eigener Kraft nicht finanzieren können.

Frisches Geld vom Anleihemarkt

Eine umfangreiche Fremdfinanzierung über die Börse stemmt die Auslandstochter der Deutschen Telekom. Wie die Börsen-Zeitung berichtet, will T-Mobile USA mit der Emission von drei Unternehmensanleihen rund 3,1 Milliarden US-Dollar frisches Kapital aufnehmen. „Die Telekom leitet damit eine schrittweise finanzielle Verselbstständigung der US-Tochter ein“, so die Zeitung. Die Mittel aus dem Anleiheverkauf sollen allerdings der Deutschen Telekom AG zufließen und der „allgemeinen Unternehmensfinanzierung“ dienen.

Zum Vergleich: In Deutschland beträgt das gesamte Emissionsvolumen im Mittelstandssegment knapp 1,4 Milliarden Euro. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ) aufgrund von Zahlen der Ratingagentur Scope, bezogen auf das Jahr 2013. Derzeit laufe das Geschäft etwas verhalten. „Nach dem Hype der vergangenen Monate ist der Markt nun wieder auf einem vernünftigen Niveau“, wird Thorsten Kuthe, Berater bei Emissionen und Partner der Rechtsanwaltskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek, von der SZ zitiert. Der Experte erwarte weitere zehn Emissionen bis Jahresende.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate September und Oktober (beobachteter Zeitraum: 11. September bis 10. Oktober 2013) wurden insgesamt zehn Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Bank und Markt, Börsen-Kurier, Börsen-Zeitung, Handelsblatt, Markt und Mittelstand, Reuters, Süddeutsche Zeitung, die tageszeitung, Wirtschaftsblatt, wir.