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20.08.2013

Anfang 2014 tritt ein Regelwerk für den europäischen Derivatehandel in Kraft – auch EMIR genannt. Das Überraschende: Von den Neuerungen sind nicht nur Banken, sondern auch Nicht-Finanz-Unternehmen betroffen. UP Nord beantwortet die acht wichtigsten Fragen.

Europaflagge im Wind: Ab dem Jahr 2014 gelten EU-weite Regeln für den Derivatehandel.

Ab dem Jahr 2014 gelten EU-weite Regeln für den Derivatehandel. (Foto: picture alliance / Sven Simon)

1. Was steckt hinter dem neuen Regelwerk?

Nach den Erfahrungen aus der jüngsten Finanzkrise beschlossen die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen bereits im Jahr 2009 das Derivatgeschäft einer umfangreichen Neuordnung zu unterziehen. Ziel der Regelung ist es, die Transparenz zu erhöhen und systematische Risiken, die mit dem Derivatgeschäft verbunden sind, zu minimieren. Schließlich hatte der Lehman-Kollaps auch daher so tiefgreifende Folgen, weil die Verantwortlichen keine ausreichenden Informationen über den Umfang und die Struktur der Risiken auf den Derivatemärkten hatten.

2. Was sind Derivate?

Bei Derivaten handelt es sich um Finanzinstrumente, deren Preis von der Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Wertpapiers, Zinssatzes oder Rohstoffs abhängt. Wer Derivate kauft, kann damit auf eine künftige Preisentwicklung spekulieren – oder sich vor Preisschwankungen schützen: Viele Unternehmen sichern sich mit Derivaten beispielsweise gegen Wechselkursschwankungen oder stark steigende Rohstoffpreise ab.

3. Was ändert sich?

Die EU-Verordnung European Market Infrastructure Regulation (EMIR) setzt auf drei Säulen, um das Finanzsystem stabiler zu machen: So soll der Handel von bisher außerbörslich gehandelten Papieren künftig über zentrale Gegenparteien laufen. Diese Unternehmen stellen sich zwischen Käufer und Verkäufer von Derivaten und übernehmen das Risiko, falls ein Handelspartner Pleite geht. Zudem werden alle Derivatkontrakte an ein zentrales Transaktionsregister gemeldet. Und es geht um die Umsetzung bestimmter Risikominderungstechniken für die nicht über zentrale Kontrahenten abgewickelten Derivatkontrakte.

4. Wer ist von den Neuerungen betroffen?

Die Anforderungen betreffen nicht nur Kreditinstitute und Wertpapierfirmen. Auch Unternehmen sind als sogenannte nichtfinanzielle Gegenpartei zur Umsetzung verpflichtet, wenn sie mit ihren Geschäften bestimmte Schwellenwerte überschreiten. Dabei müssen die Firmen gemäß EMIR selbst feststellen, ob sie mit ihren Derivatepositionen bestimmte Schwellenwerte überschreiten und somit der Clearingpflicht unterliegen.

5. Wann startet die Umsetzung?

Der Zeitpunkt für den Beginn der Meldepflicht ist nach aktuellem Stand der 1. Januar 2014. Wichtig: Von dieser Pflicht sind sowohl alle zukünftigen als auch die am 16. August 2012 bestehenden Derivatkontrakte betroffen.

6. Was sollten Unternehmer jetzt tun?

Wesentliche Voraussetzung für die Meldung an das Register ist die Beantragung eines sogenannten Pre-LEI (Legal Entity Identifier) zur eindeutigen Identifizierung mit einem persönlichen Referenzcodes. Die Meldung kann direkt an ein Transaktionsregister (etwa DTCC oder REGIS-TR) erfolgen oder an die beteiligte Gegenpartei beziehungsweise eine dritte Partei delegiert werden. So kann etwa die Hausbank die Umsetzung der notwendigen Risikominderungstechniken durchführen und bei Bedarf die Meldungen an das Transaktionsregister übernehmen.

7. Welche Pflichten gibt es noch?

Die Einhaltung bestimmter Pflichten wird entsprechend dem deutschen Ausführungsgesetz geprüft. Demnach muss ein Unternehmen, das unter EMIR als nichtfinanzielle Gegenpartei gilt und das im abgelaufenen Geschäftsjahr entweder OTC-Derivate mit einem Gesamtnominalvolumen von mehr als 100 Millionen Euro oder mehr als 100 OTC-Derivatkontrakte eingegangen ist, innerhalb von neun Monaten nach Ablauf des Geschäftsjahres durch einen Prüfer bescheinigen lassen, dass es über geeignete Systeme zur Einhaltung folgender Anforderungen verfügt: die Einhaltung der Clearingpflicht, der Meldepflicht und der Risikominderungstechniken für nicht durch einen zentralen Kontrahenten geclearte OTC-Derivatkontrakte.

8. Wo gibt es weitere Informationen?

Auf der Seite der europäische Wertpapieraufsichtsbehörde European Securities and Markets Authority ESMA oder der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin. Eine Selbstregistrierung ihrer rechtlich eigenständigen Entität können Unternehmer über die Webseite www.geiportal.de durchführen.