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Pressefokus

Bundesbank sieht Spielraum für Mittelstandskredite

20.08.2013

Laut einer Studie der Deutschen Bundesbank könnten die Kapitalanforderungen für Kredite an deutsche Mittelständler künftig sinken. In anderen Ländern der Europäischen Währungsunion hingegen werden Kredite auch künftig Mangelware sein – zum Beispiel in Italien, wie das Handelsblatt berichtet.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf einer Regierungssitzung in Berlin. Die Bundesbank sieht Spielraum für Mittelstandskredite.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf einer Regierungssitzung in Berlin: Eine aktuelle Studie des Instituts überprüfte die Kapitalanforderungen für Mittelstandskredite. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Bundesbank hat die Eigenkapitalanforderungen überprüft, die Banken erfüllen müssen, welche ihren mittelständischen Kunden in Deutschland Kredite gewähren. "Für bestimmte Mittelstandskredite fällt die empirisch geschätzte Entlastung der Eigenkapitalanforderungen relativ zu Großunternehmen größer aus als regulatorisch nach Basel II vorgesehen", zitiert die Börsen-Zeitung den Leiter der Studie, Klaus Düllmann, Bundesbankdirektor im Zentralbereich Banken und Finanzaufsicht. Er wertete Mittelstandskredite von rund 400 deutschen Banken aus und verglich das systematische Kreditrisiko mit den von der Größe eines Schuldners abhängigen Kapitalanforderungen nach Basel II. Im Abgleich mit einem Benchmark-Portfolio, das Forderungen an Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro umfasst, sollen sich Differenzen gezeigt haben. "Diese Differenzen können rechnerisch als Spielraum für mögliche Erleichterungen der regulatorischen Eigenkapitalanforderungen betrachtet werden", schreibt die Börsen-Zeitung.

Dieser Spielraum belaufe sich auf bis zu 24 Prozentpunkte für Kredite an kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) mit einem Umsatz zwischen 2,5 und 50 Millionen Euro. Für Unternehmen mit Umsätzen unter 2,5 Millionen Euro ergäben sich keine empirischen Hinweise für eine Änderung der momentanen Mindestkapitalanforderungen.

Allerdings wäre es voreilig, aus der Untersuchung zu schließen, dass die Kapitalanforderungen nach Basel II abzusenken wären, so die Börsen-Zeitung. Schließlich handele es sich dabei um international vereinbarte und geltende Regelungen. Deutschland sei in einer besonderen Situation, meint Studienleiter Düllmann. Der deutsche Mittelstand habe dank hohen Exportvolumens, reger Nachfrage aus Asien sowie auch Kurzarbeit unter der Finanzkrise vergleichsweise wenig gelitten. Die derzeitigen Regelungen seien allerdings nicht auf ewig festgeschrieben. Bis 2017 wolle die Kommission der Europäischen Union einen Bericht vorlegen, in dem die Auswirkungen der neuen Eigenmittelanforderungen auf die Kreditvergabe an KMU untersucht würden.

Mezzaninkapital statt Mittelstandskredit

Dank ihrer soliden wirtschaftlichen Lage müssen sich die deutschen Mittelständler um ihre Finanzierung keine Sorgen machen. Die VDI Nachrichten berichten, dass auch Mezzaninkapital weiterhin für Mittelständler interessant sein kann. Zwar habe sich das Finanzierungsinstrument nach der Finanzkrise verteuert. Dennoch könne es für bestimmte Unternehmen geeignet sein. "Gerade für Familienunternehmen kann es interessant sein, da Mezzanine-Kapital die Eigenkapitalbasis verbreitert, ohne dass Mitspracherechte abgegeben werden müssen", zitieren die VDI Nachrichten Markus Becker-Melching, Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Anders als vor der Finanzkrise würden Banken heute allerdings nur noch maßgeschneiderte Mezzaninlösungen anbieten, so der Verbandsvertreter - und das verteuere Mezzanin. "Die günstigen Konditionen waren unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Standardlösungen mit Kostenvorteilen einhergingen", sagt Becker-Melching. "Außerdem sah man damals die Risiken noch nicht so deutlich. Mittlerweile sind sie eingepreist."

Auch für stark wachsende Unternehmen sei Mezzaninkapital sinnvoll. Die VDI Nachrichten geben dabei zu bedenken, dass Kapitalnehmer frühzeitig über das Laufzeitende ihrer Finanzierung nachdenken sollten: "Die gesamte Summe muss dann nämlich auf einen Schlag zurückgezahlt werden. Außerdem fallen Vergütungen an, die je nach Vertragsgestaltung während oder am Ende der Laufzeit bedient werden müssen", so das Fachblatt. Die Kosten für Mezzaninkapital seien dabei deutlich höher als die für Firmenkredite.

Anbieter von Mezzaninkapital können laut VDI Nachrichten mittelständische Beteiligungsgesellschaften sein, aber auch Banken, Sparkassen und Landesförderbanken. Letztere böten in der Regel günstigere Konditionen. "Jedoch gelten im Fördergeschäft die strengen Regeln des europäischen Beihilferechts", zitieren die VDI Nachrichten Beate Siewert, Abteilungsdirektorin des Bundesverbands Öffentlicher Banken.

Kreditklemme in Italien

Die italienischen Unternehmen leiden unter der Kreditklemme im Land. Weil die Banken zu viele Problemkredite in ihren Bilanzen haben, ist Medienberichten zufolge ihr Spielraum eingeschränkt. "Die Banken reduzieren Kredite, bringen so die Unternehmen in Schwierigkeiten, die ihre Schulden nicht bezahlen können, was die Banken wiederum zwingt, die Kreditvergabe weiter zu reduzieren", berichtet das Handelsblatt. Gerade für die kleinen Unternehmen sei die Lage schwierig. "Das gilt erst recht jetzt, wo klar ist, dass die EZB so gut wie nichts tun wird, um wie in den USA einen Markt für strukturierte Produkte zu schaffen, die Anleihen von Kleinunternehmen umfassen."

Die Kreditklemme gefährde den Aufschwung, der sich für die zweite Hälfte des Jahres abzuzeichnen beginne, so DIE WELT. "Notleidende Kredite stellen das entscheidende Hindernis für die Erholung der Wirtschaft dar." In der Zeitung werden auch Lösungsmöglichkeiten diskutiert: Eine nationale Bad Bank, wie zum Beispiel der deutsche Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin), schließt der Mailänder Anwalt Andrea Arosio aus und argumentiert gegenüber der Zeitung, momentan habe die Regierung nicht die notwendigen Mittel für eine solche Systemlösung. Auch eine internationale Bad Bank schließt Arosio aus: "Ein europäisches Modell, wie es Spanien gewählt hat, wäre mit sehr ernsten politischen Konsequenzen verbunden." Was bleibt, ist die private Variante. So verweist DIE WELT auf den italienischen Finanzfachmann Vito Faggella, der 1998 faule Kredite in der heutigen Intesa Sanpaolo zusammenfasste und das Land vor einer Kreditklemme bewahren konnte. Auch jetzt tue sich etwas in diese Richtung, schreibt DIE WELT: "Die Investmentbank Mediobanca bastelt offenbar an einer Gesellschaft, in der mittelgroße Banken ihre Kredite einbringen sollen." Das Blatt beruft sich auf Mailänder Finanzkreise, die der Auffassung sind, das "Ziel sei es, die Darlehen effizient zu verwalten und Investoren so davon zu überzeugen, einen anständigen Preis zu bezahlen." Die italienische Regierung wolle das Vorhaben mit einem entsprechenden Gesetz unterstützen. Eine Entscheidung ist ab dem 13. September zu erwarten, dann läuft die Frist für die Anhörung im Finanzministerium ab.

Zur Methode

Für den Pressefokus "Unternehmensfinanzierung" wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate Juli und August (beobachteter Zeitraum: 17. Juli bis 16. August 2013) wurden insgesamt vier Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsen-Zeitung, DIE WELT, Handelsblatt, VDI Nachrichten.