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Mittelstandsstudie
26.06.2013

Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte haben mittelständische Unternehmen deutlichen Nachholbedarf bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse. Hierzu zählen beispielsweise die Verwendung digitaler Kundendatenbanken oder die elektronische Verarbeitung von Aufträgen und Reklamationen.

Lagerhalle Zalando

Unternehmen wie der Online-Versandhändler Zalando gelten als Vorreiter beim Einsatz digitaler Prozesse. (Foto: picture alliance / dpa)

Nur knapp die Hälfte der von Deloitte befragten Unternehmen beurteilen die eigenen digitalen Prozesse als effizient. Effiziente Lösungen kommen jedoch nicht von der Stange. Unternehmen müssen individuelle Wege finden, um sich für die Zukunft zu rüsten. Unter Digitalisierung wird dabei nicht nur die digitale Speicherung von analogen Informationen verstanden. Vielmehr zählen dazu auch komplexe Informations- und Kommunikationssysteme (IKT). Diese haben in den vergangenen Jahren Geschäftsmodelle und -prozesse dynamisch verändert.

Inzwischen trägt die Digitalisierung substanziell zur Wertschöpfung bei. Diesem Trend müssen sich nicht nur Großunternehmen, sondern auch kleine und mittelständische Betriebe (KMU) stellen. Laut der aktuellen Studie „Digitalisierung im Mittelstand“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hat hier insbesondere der Mittelstand großen Nachholbedarf. Für die Studie wurden 41 Unternehmen mit durchschnittlich 1.500 Mitarbeitern in persönlichen Gesprächen interviewt.

Nach Einschätzung der Befragten ist der Digitalisierungsgrad in mittelständischen Unternehmen meist relativ gering. Nur 46 Prozent beurteilen das eigene Unternehmen als digital effizient. Gleichwohl weisen 73 Prozent der Befragten dem Thema eine hohe, beziehungsweise sehr hohe Aktualität zu. 76 Prozent sehen eine hohe strategische Relevanz. Auffällig bei den Ergebnissen: 91 Prozent der managergeführten, aber nur 52 Prozent der eigentümergeführten Unternehmen betten die Digitalisierung in die Unternehmensstrategie ein.

Digitalisierung verändert Geschäftsmodelle

Welche Bedeutung die Digitalisierung insbesondere für mittelständische Unternehmen hat, betont Jürgen Reker, Partner und Leiter Mittelstand bei der Beratungsgesellschaft Deloitte: „Die rechtzeitige Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Folgen der Digitalisierung wird von existenzieller Bedeutung sein. Dies betrifft neben der Hebung von Effizienzen nahezu alle betrieblichen Prozesse sowie die Kommunikationskanäle und wird schon mittelfristig Auswirkungen auf das Gesamtunternehmen haben.“ Über allem steht die Frage: Wie können Unternehmen, Mitarbeiter, Produkte und Leistungen mit Hilfe digitalisierter Prozesse besser werden? Wie lässt sich beispielsweise ein Bestellvorgang in einem Onlineshop abwickeln und wie greifen Lagerhaltung, Logistik und Buchhaltung innerhalb des Prozesses ineinander? In welcher Form profitiert die Produktion von digitalisierten Abläufen?

Wertschöpfungskette bestimmt Digitalisierung

Die befragten Unternehmer stimmen den erwarteten Auswirkungen der Digitalisierung auf das jeweilige Geschäftsmodell zu: Über ein Drittel glaubt an maßgebliche Veränderungen in den kommenden drei Jahren. In der Folge verlagert sich die Geschäftstätigkeit von Unternehmen immer mehr von der realen in die virtuelle Welt. Dies führt zusätzlich zu einer starken Virtualisierung und Vernetzung von Lieferanten, Unternehmen und Kunden. Dies hat wiederum zur Folge, dass ein wesentlicher Anteil der Wertschöpfung mittels digitaler Informations- und Kommunikationsmedien erfolgt. Beispiele sind bereits aus dem digitalisierten Verfahren der Umsatzsteueranmeldung bekannt. Die Vorstellungen, welche Bedeutung dieser Trend hat, sind jedoch von Branche zu Branche unterschiedlich: Vor allem im Handel hat sich ein positives Verständnis durchgesetzt. Hier wird beispielsweise der E-Commerce als Treiber der Geschäftsentwicklung gesehen. Dagegen messen Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich und der Industrie der Digitalisierung eine deutlich geringere Bedeutung bei.

Versteckte Ressourcen heben

Die Deloitte-Experten sehen in der Digitalisierung durchaus Chancen für mittelständische Unternehmen: „Mittelständler sehen sich durch ihre beschränkte Ressourcenbasis benachteiligt – die Digitalisierung kann gerade an dieser Stelle helfen, die existierenden Ressourcen effektiver und effizienter zu nutzen und Wettbewerbsvorteile durch Schnelligkeit und Flexibilität zu realisieren.“ Dabei kommt es jedoch auf maßgeschneiderte und individuelle Digitalisierungslösungen an, die an die Bedürfnisse und Ressourcen des Unternehmens angepasst sind. Wichtig ist darüber hinaus, die Anbindung an die Unternehmensstrategie.